Die Saat geht auf

25. Jänner 2011, 18:12
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Was der Fonds bei all seinen Analysen vermissen lässt: eine kritische Auseinandersetzung mit seinem eigenen Beitrag zum Schuldenproblem

Am Dienstag hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen gefühlten 100. Bericht über die Risiken im internationalen Finanzsystem vorgelegt. Darin warnte er, wenig überraschend, neuerlich vor hohen Staatsschulden in Europa und den USA. Ohne strikten Sparkurs keine Erholung, so der Tenor im Report.

Was der Fonds bei all seinen Analysen vermissen lässt: eine kritische Auseinandersetzung mit seinem eigenen Beitrag zum Schuldenproblem. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat zum Höhepunkt der Krise landauf, landab Hilfsprogramme zur Rettung von Industrie und Banken eingefordert. Im Oktober 2008 begrüßte er die ersten EU-Bankenrettungspakete mit den Worten: "Wir gehen in eine gute Richtung." Er trat vehement dafür ein, dass der Staat "Bad Banks" schafft, den Banken also faule Papiere abnimmt. Auch für Irland, das 2008 eine Totalgarantie für alle Schulden seiner Kreditinstitute abgab und jetzt den Preis dafür zahlt, fand der IWF zunächst kein schlechtes Wort.

Gerade der Fonds hätte aber früher Strategien einfordern können, wie die Steuerzahler einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Auch gegen den Umstand, dass alle strauchelnden Banken als "too big to fail" eingestuft wurden, gab es kaum Einspruch. In der Debatte über Bankenbesteuerung und die Trockenlegung von Steueroasen verhielt sich der IWF zurückhaltend. So gesehen geht jetzt nur die Saat auf, die der Währungsfonds zu säen empfohlen hat. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2011)

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