Ein treuer Roter stolpert über Parteifreund

25. Jänner 2011, 18:41
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Edmund Entacher galt immer als Mann der klaren Worte - und nun haben ihn ebendiese seinen Job gekostet

Wenigstens ist er sich selbst treu geblieben: Edmund Entacher galt immer als Mann der klaren Worte - und nun haben ihn ebendiese seinen Job gekostet. Nachdem der Generalstabschef die geplante Abschaffung der Wehrpflicht kritisiert hatte, wurde er von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) zum Rapport zitiert und gefeuert.

Dabei galt der 61-Jährige als einer der loyalsten Mitstreiter des Ministers innerhalb des Bundesheeres. Entacher ist selbst ein Roter. Der SPÖ ist er als junger Offizier in Kufstein beigetreten, wo er Kompaniekommandant bei der Infanterie war. Dass der im Bundesheer über die Parteigrenzen hinweg geschätzte Entacher nun ausgerechnet vom ersten roten Verteidigungsminister seit 1983 gefeuert wurde, dürfte ihn selbst überraschen: Schließlich hat er lediglich eine Meinung geäußert, die auch Darabos noch vor wenigen Wochen vertreten hat.

Auf seinen Aufstieg nach ganz oben musste Entacher lange warten. Seine Militärkarriere begann der verwitwete Vater zweier Kinder schon früh. Von 1972 bis 1974 absolvierte er die Militärakademie in Wiener Neustadt. Anschließend war er als Zugs- und Kompaniekommandant beim Jägerbataillon 21 in Kufstein eingesetzt.

Als Kommandant des Jagdpanzerbataillons 1 in Wiener Neustadt war Entacher im Herbst 1989 in einer streng geheimen Aktion verantwortlich dafür, die Grenze zur damals zusammenbrechenden Tschechoslowakei zu sichern. Belohnt wurde er dafür mit dem Kommando der 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern - wo sein Stabschef jener Othmar Commenda war, der ihm jetzt als Generalstabschef nachfolgen soll.

Von 2002 bis 2006 war Entacher Kommandant des Kommandos Landstreitkräfte in Salzburg. Als der schwarze Minister Günther Platter dieses auflöste, blieb dem roten Generalleutnant der bescheidene Posten des Milizbeauftragten im Verteidigungsministerium. Als aber Darabos 2007 Minister wurde, wurde Entacher erst Stellvertreter des Generalstabschefs Roland Ertl, mit Wirkung vom 1. Februar 2008 folgte er diesem nach.

Entacher gilt als kompetent und beliebt bei der Truppe, was Darabos bei seiner Bestellung zum höchsten Militär in den Vordergrund stellte und was ihm nun auf den Kopf fallen könnte. Denn mit der Absetzung dürfte sich der Verteidigungsminister im Heer wenig Freunde gemacht haben - der scheidende General hingegen erfährt momentan zahlreiche Sympathiebekundungen. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2011)

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