Britische Finanzaufsicht: Kunden mehr schützen

25. Jänner 2011, 17:58
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Mit einem Verbot von Produkten oder einer Gebührenobergrenze sollen Konsumenten besser abgesichert werden

London/Wien - Die britische Finanzaufsicht FSA will Bankkunden besser vor falscher Beratung schützen. Für dieses Ziel will die Behörde notfalls härter durchgreifen und etwa einige Finanzprodukte verbieten sowie Gebührenobergrenzen festlegen. Das "radikale Umdenken" sei notwendig, weil das bisherige System versagt habe, sagte FSA-Chef Lord Adair Turner der Financial Times. "Die Art, wie wir die Dinge anpacken, ist nicht gut", sagte er.

Schatzkanzler George Osborne machte am Dienstag zudem deutlich, dass die Regierung an ihrem Ziel einer stärkeren Regulierung festhalten will. "Wir möchten, dass die Banken geringere Boni zahlen, mehr Geld verleihen und mehr Steuern zahlen", sagte er. Der Kampf gegen die Bankenkrise hat Großbritannien in die Schuldenfalle gelockt. Ende 2010 belief sich die Netto-Verschuldung auf 2,2 Bio. Pfund (2,58 Bio. Euro).

Die britische Bankenaufsicht ist bisher für ihre liberale Sicht bekannt gewesen. In anderen Ländern, darunter die USA und Frankreich, sind bereits strengere Regelungen eingeführt worden. Die FSA hatte erst vor kurzem gegen die Royal Bank of Scotland und gegen Barclays Millionenstrafen verhängt. Die Banken hatten unter anderem Kundenbeschwerden nicht ernst genug genommen und ihren Kunden zu risikoreiche Anlagen verkauft.

Schärfere Trennung

Eine von der Regierung eingesetzte Kommission zur Überprüfung des Bankenwesens hatte erst vor wenigen Tagen die Abtrennung des risikoreichen Investmentbankings vom Kundengeschäft ins Gespräch gebracht.

Die Banken in der Londoner City hatten sich stets gegen zu strikte Regelungen gewehrt. Vor wenigen Monaten hatte das Management der Großbank HSBC sogar offen mit dem Wegzug nach Hongkong gedroht. Diese Pläne wurden inzwischen verworfen, wie am Dienstag bekannt wurde.

Scharfe Kritik am Finanzsystem übte auch Philip Blond, einer der einflussreichsten Vordenker der regierenden britischen Konservativen. "Wenn Banken zinsenfrei Geld beim Staat ausleihen, um es in Staatsanleihen zu investieren, und Zinsen kassieren, während die Unternehmen keine Kredite bekommen, dann ist das ein völlig perverses System", sagte Blond beim com.sult-Kongress in Wien.

Blond kritisierte, dass die Steuerzahler für internationale Abenteuer der Banken haften müssen. "Banken leben international, aber sie sterben national", sagte er ironisch. Er wies darauf hin, dass die Bilanzsumme der britischen Banken mittlerweile das Fünffache der Wirtschaftskraft Großbritanniens betrage. In den 1970er-Jahren seien es nur 50 Prozent des britischen BIPs gewesen. (dpa, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2011)

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    Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht, will hart durchgreifen und Kunden besser vor Falschberatung schützen.

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