Die Quantenwelt in der Biologie

25. Jänner 2011, 17:49
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Der Wiener Physiker Alipasha Vaziri baut eine Jungforschergruppe am Biocenter auf

Was die Welt zusammenhält, fragt sich Alipasha Vaziri trotz seiner erst 36 Jahre schon lange. Als Gymnasiast in der Diefenbachgasse in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus suchte er mit Überlegungen, die man schon als philosophisch bezeichnen durfte, nach einer Antwort. Er erkannte bald, dass für ihn dabei auch ein tiefergehendes Verständnis über das Verhalten der Natur wichtig ist. Ein Physiklehrer war daran nicht unbeteiligt. Ihm gelang es, einige Schüler für Phänomene wie den Welle-Teilchen-Dualismus zu begeistern, statt ihnen mit scheinbar unüberwindlichen geistigen Hürden die Physik für immer zu verleiden. Auch Vaziri war darunter.

Derart motiviert, entschied sich der gebürtige Iraner, das geliebte Fach bei Anton Zeilinger zu studieren. Bei diesem populären Quantenphysiker ging er offenbar durch eine Art "Schule des eigenständigen Denkens" und konnte sich so die Quantenwelt erschließen, die für viele Wissenschafter und vermutlich für alle Laien rätselhaft, spukhaft ist - weil sich Teilchen in diesem Mikrokosmos so verhalten, wie das in der realen Umgebung nicht vorstellbar ist.

In seiner Doktorarbeit experimentierte Vaziri, der mit elf Jahren nach Wien gekommen war, mit höherdimensional verschränkten Fotonen. Dabei gelang der erstmalige Nachweis dieser Verschränkung aufgrund ihrer Bahndrehimpulse. In letzter Konsequenz soll das neue Kommunikationsprotokolle und einen Quantenkanal ermöglichen, der gegenüber Umwelteinflüssen weniger anfällig ist als bisherige.

Die Arbeit dürfte in der Community zu positiver Resonanz geführt haben, denn es folgten Forschungsaufenthalte am National Institute of Standards Technology (NIST) und an der University of Maryland, wo er mit einem weiteren prominenten Physiker zusammenarbeiten durfte: William Phillips, der 1997 für Arbeiten über Kühlung von Atomen mit Laserlicht den Nobelpreis erhielt.

Irgendwann entdeckte Vaziri aber auch die Biologie für sich. Seit 2007 ist er nun am Howard Hughes Medical Institute beschäftigt, wo er neue Techniken der 3-D-Mikroskopie und bildgebender Verfahren entwickelt, die nicht nur die Analyse biologischer Strukturen, sondern auch jene ihrer Funktionen ermöglicht.

Eine Arbeit, die er ab April am Vienna Biocampus, genauer gesagt an den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) und am renommierten Institut für Molekulare Pathologie (IMP), fortsetzen wird. Eine Basis für einen derartigen Wechsel ist natürlich Geld: Vaziri erhielt beim ersten Call des Wiener Wissenschaftsfonds WWTF "Vienna Research Groups for Young Investigators" mit dem Schwerpunkt Life-Sciences den Zuschlag. Das Geld, insgesamt 4,5 Mio. Euro für drei Nachwuchsgruppen, kam aus dem Budget von Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner (derzeit läuft ein weiterer Nachwuchsgruppen-Call mit dem Schwerpunkt IT).

Ein Anreiz, nach Wien zu kommen, war aber auch die Tatsache, dass sich hier Schwerpunkte in Quantenphysik und molekularen Biowissenschaften gebildet haben. Vaziri wird an dieser Schnittstelle arbeiten und sich neben der Entwicklung neuer bildgebender Technologien mit Grundlagen auseinandersetzen, die weitgehend unerforscht sind: Welche Rolle spielt die Quantenphysik in der Biologie? Wieder die Frage nach den Dingen, die die Welt zusammenhalten. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 26.01.2011)

  • Alipasha Vaziri wechselt von den USA nach Wien.
    foto: mfpl

    Alipasha Vaziri wechselt von den USA nach Wien.

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