Menstruations-Maschinen und "Fräuleins"

26. Jänner 2011, 07:00
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Was beschäftigte die Bloggerinnen in letzter Zeit? dieStandard.at führt durch die Themen der vergangenen Tage und Wochen

Frauen und diese Sozial- und Geisteswissenschaften - eh klar, dass die kein anständiges Gehalt zusammenbekommen. Die Devise "lern was Gescheites", respektive etwas Naturwissenschaftliches oder Technisches, nimmt die Mädchenmannschaft genauer unter die Lupe. Das ist auch nötig, denn mit dem Urteil, "als Technikerin sind sie eine gemachte Frau" muss es nicht in jedem Fall weit her sein. Die neue Erhebung des deutschen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes legte einen Lohnspiegel vor, der aufzeigt: Je mehr Frauen in einem Berufsfeld wie etwa Elektrotechnik, Bauingenieurwesen oder Maschinenbau arbeiten, desto größer wird der Gender Pay Gap. Ergo: Sind Sie nur eine Frau in einem männerdominierten Beruf, haben Sie gute Chancen, halbwegs gleich bezahlt zu werden wie die Kollegen. Strömen mehrere Kolleginnen in den Beruf, wird dies mit Bezahlung nach Geschlecht quittiert.

Einfach drüber stehen?

Dennoch, die Betreiberin des Blogs side-glance hat sich auf ein Informatik-Studium eingelassen und berichtete letzte Woche von der für Frauen wenig heimeligen Atmosphäre eines Universitätsgebäudes, das vorwiegend von Männern frequentiert wird. Beim Essen in der Mensa stellte ein Kollege in nächster Nähe eine Bewertungsskala auf, mit der er die "Optik" der Frauen misst, schließlich kommt es nicht auf die Anzahl von Frauen im Studiengang an, sondern eben auf die "Optik", weiß der Student. Wieder was gelernt. Einen Tag später wird die Studentin in einem Raum voller Informatikstudenten mit dem vermeintlich notwendigen Zusammenhang zwischen "Weltrekordversuchen von Frauen" und Oralsex zwangsbeglückt. Aber wie heißt es vieler Ortes so schön: Frauen können heute alles machen, was sie wollen - vorausgesetzt sie haben ein guten Magen. Auch in der Blogosphäre war also das beliebte Wortpaar "Frauen und Technik" ein Thema. Leider ohne gute Nachrichten.

Blog-Namen: "Girl" oder "Frau"

Einer interessanten Frage völlig anderer Natur ging Franziska Heine nach: Wie steht es um die Selbstbezeichnung von Bloggerinnen? Frau, Girl, Mädchen oder gar Fräulein? Ein Blick in die Blogosphäre gab Aufschluss. Zwar wählen die meisten individuelle, nicht so klar einem Geschlecht zuordenbare Namen, in Hinblick auf die Selbstbezeichnung als "Frau", "Mädchen" usw. lag "Mädchen"/"Girl" aber klar vor "Frau". Selbst "Fräulein" ist den Bloggerinnen als Bestandteil des Blog-Namens lieber als das schlichte "Frau". Der Blogeintrag zog eine interessante Diskussion nach sich, in der nach Antworten auf diese "Girl"-Tendenz gesucht wird. Am Alter liegt es wahrscheinlich nicht, sind die meisten Bloggerinnen dem offiziellen Mädchenalter doch schon entwachsen. 

Übrigens: Die Menstruation wird ja gerne als großer Schritt in Sachen "Frauwerden" beschrieben. Was menstruieren aber sonst noch bedeuten könnte, dem will "Menstruation Machine" nachgehen, die eben diesen Zustand, Ablauf oder Prozess simuliert. Auf I Heart Digital Life ist Sputnikos "Menstruation Machine" zu sehen. Vielleicht bringen die künstlich erzeugten Krämpfe und Blutungen die Menschheit ja weiter in Fragen wie: Was bedeutet die Menstruation eigentlich - kulturell, biologisch oder historisch? Vielleicht ist es aber einfach nur unterhaltsam, etwas zutiefst "weibliches", das gern als "Natur" in Opposition zur "Kultur" gesetzt wird, einfach nachzubauen und als Maschine zu zelebrieren.

Buch- und Serien Tipps

Mit Natur versus Kultur sind wir auch schon bei einem interessanten Buchtipp von Nadine Lantzch in ihrem Blog Medienelite gelandet. Alltagsrassismus ist das Thema von Grada Kilombas Buch "Plantation Memories. Episodes of Everyday Racism", das im Herbst 2008 erschien. Menschen erzählen darin über alle möglichen Alltagssituationen, in denen sie mit Rassismus konfrontiert waren. "Aus diesen Gesprächsprotokollen, die eher einer Fotografie, einer bildhaften Momentaufnahme gleichen, formt Kilomba psychologische Analysen, die sie mit postkolonialer Theorie und Erkenntnissen der Critical-Whiteness-Forschung anreichert", lobt Lantzch. 

Einige Tipps liegen auch auf Take these lies bereit, allerdings kann sich frau auf leichtere Kost einstellen. Und weil noch Jänner ist, geht sich auch noch ein letzter Jahresrückblick aus. "Take these lies" bringt einen Serienrückblick aus 2010, der Lust auf Ein- und Widerspruch macht, kürt die Autorin die US-Serie "Brothers & Sisters" doch glatt zu ihrer Lieblingssoap und auch die Teenie-Serie "90210" wird geduldig auf ihre Qualitäten abgeklopft. Und dazu gibt's nur einen Kommentar? (Beate Hausbichler, dieStandard.at 26.1.2011)

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