NATO-Länder wegen möglichem Transfer von Know-How besorgt
Paris - Frankreich und Russland haben am Dienstag
den Verkauf von vier französischen Kriegsschiffen an Russland
besiegelt. Zwei der Schiffe vom Typ "Mistral" sollten in Frankreich
und zwei in Russland gebaut werden, teilte das französische
Präsidialamt mit. Dadurch blieben vier Jahre lang 1.200 Arbeitsplätze
erhalten, sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy bei einem
Besuch in der Hafenstadt Saint Nazaire, wo die Schiffe entstehen
sollen. In einer gemeinsamen Mitteilung war vom größten
Rüstungsprojekt Russlands mit einem westlichen Partner die Rede.
Die 200 Meter langen "Mistral"-Schiffe können bis zu 900 Soldaten,
sechs Hubschrauber, 13 Panzer sowie 100 weitere Fahrzeuge
transportieren. Sie können damit auch für Landungseinsätze benutzt
werden. Paris hatte seit 2009 mit Moskau über den Rüstungsdeal
verhandelt, den mehrere Nachbarländer Russlands kritisieren.
Russland hatte auf einer Weitergabe der französischen Technologie
bestanden. Mit dem Bau zweier Schiffe im eigenen Land dürfte Moskau
diese Forderung durchgesetzt haben, auch wenn offiziell nichts dazu
bekanntwurde.
Die USA warnten vor einem Transfer westlicher Technologie. Die
baltischen NATO-Mitgliedsstaaten fürchten, dass Russland seine
Militärmacht im Ostseeraum weiter ausbaut und die Schiffe eines Tages
zu feindlichen Manövern aufkreuzen. Frankreich argumentierte, dass
die Hubschrauberträger ohne Waffen verkauft werden.
Das genaue Auftragsvolumen wurde zunächst nicht bekannt. Nach
Informationen der russischen Agentur Interfax beträgt der Stückpreis
"unter 600 Millionen Euro". Die beiden Schiffe in Frankreich baut ein
Konsortium um die französische Werft STX France. (APA/AFP/dpa)