Nemsic: Reiner ÖIAG-Verwaltungsjob "interessiert mich nicht"

25. Jänner 2011, 15:10
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Ex-TA-Chef will "Zukunftsplattform" für neue Technologien und Infrastruktur schaffen

Der frühere Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic hat bisher als einziger Kandidat seine Bewerbung für den Chefposten bei der Staatsholding ÖIAG bestätigt. Seine mögliche nächste Aufgabe sieht der als "Macher" geltende Manager keineswegs als einen - wenn auch gut bezahlten - Verwaltungsjob. "Gut bezahlt ist relativ, das ist nicht das Thema. Ich würde nie einen Verwaltungsposten annehmen, das ist nicht mein Naturell und interessiert mich überhaupt nicht", sagte Nemsic am Dienstag am Rande des "com.sult"-Kongresses zur APA. Ich sehe darin die Möglichkeit einer Zukunftsplattform, die man echt entwickeln kann.

Dass er bisher der einzige ist, der seine ÖIAG-Bewerbung bestätigt hat, findet Nemsic "fast kindisch". Es gehe ja bei der Bewerbung "um kein 100-Meter-Rennen und wer es gewinnt oder verliert. Hier geht es um eine wichtige Aufgabe für den Staat und da in die engere Auswahl zu kommen ist eine Ehre."

"Deswegen 'tue ich mir das an"

Frühere Aussagen, wonach er sich nur vorstellen könnte, eine aufgerüstete Infrastrukturholding zu führen, in die neben Telekom Austria, OMV und Post auch andere Staatsbeteiligungen wie Verbund, Asfinag oder Teile der ÖBB eingebracht werden sollten, relativiert Nemsic am Dienstag. "Mir geht es nicht um Unternehmen A, B, C, das wäre auch keine Bedingung." Er habe mit seiner Bewerbung auch eine Idee für die Zukunft der ÖIAG abgegeben. "Ich glaube, dass die Plattform in Richtung Zukunftsplattform für die Wirtschaft und Infrastruktur in Österreich ausbaubar ist. Ich denke da nicht an Unternehmen, sondern mehr an bestimmte Richtungen. Wir sollten Firmen schaffen, die in drei oder fünf Jahren wesentlich sein werden in neuen und nachhaltigen Technologien", sagte Nemsic. "Ich glaube, so eine Plattform in Österreich wäre notwendig. Deswegen 'tue ich mir das an', weil ich glaube, dass man die Idee diskutieren soll. Wer sie dann umsetzt, is to be seen."

Auf die Forderung aus der SPÖ nach einer Auflösung der Staatsholding ÖIAG wollte Nemsic nicht konkret eingehen. "Ich glaube, es ist im Interesse aller in Österreich, dass die staatsnahen oder staatseigenen Betriebe gut funktionieren - und sie sind derzeit sehr gut." Das gelte auch für sein früheres Unternehmen, die Telekom Austria. "Ich bin sehr glücklich, wie sich das Unternehmen entwickelt", streute er seinem Nachfolger Hannes Ametsreiter Rosen. Das sein seinerzeitiger Abgang von der TA-Spitze damit zu tun hatte, dass er für die TA keine Wachstumsperspektive mehr gesehen habe, bestreitet Nemsic. "In der Wirtschaft generell und in der Telekommunikation gibt es keinen Stillstand. Es bewegt sich immer was." Wohin die Reise für die TA gehen könnte, wollte er nicht andeuten: "Die haben ein hervorragendes Management und einen hervorragenden Aufsichtsrat und wissen selbst, was sie zu tun haben."

Vertrag bis Juni

Beim russischen Mobilfunkanbieter VimpelCom ist Nemsic noch bis Juni unter Vertrag. Bis dahin will er für die Russen noch die Übernahme der Kontrollmehrheit an der ägyptischen Orascom Telecom unter Dach und Fach bringen. Sein Anfang Juni bekanntgewordener Abschied von VimpelCom sei falsch interpretiert worden, erklärte er. "Es gab keinen Bruch. Die VimpelCom wurde umstrukturiert in ein neues Unternehmen. Die ukrainische Kievstar und die VimpelCom, die ich geführt habe, wurden in eine neue Holding eingebracht in Amsterdam. Das ist ein wesentlicher Schritt für ein russisches Unternehmen und es ist ganz normal, dass dafür auch ein russischer CEO bestellt wird." Künftig rein russische Operations zu leiten, sei für ihn keine Option gewesen. (APA)

 

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