Selbstmordattentat womöglich durch "Schwarze Witwe"

25. Jänner 2011, 14:28
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Nordkaukasische Rebellenchefs machen sich oft verzweifelte Hinterbliebene zu Nutzen: Auch bei jüngstem Anschlag könnte eine Frau Täterin gewesen sein

Moskau - Nach dem mutmaßlichen Selbstmordanschlag auf den Moskauer Flughafen Domodedowo vermuten die russischen ErmittlerInnen, dass die Hintermänner aus dem Nordkaukasus stammen. Ausgeführt habe die Tat möglicherweise eine Frau.

Die sogenannten Schwarzen Witwen haben seit dem russischen Einmarsch in der damals abtrünnigen Kaukasus-Republik Tschetschenien 1999 mehrere schwere Anschläge verübt. Sie sind in der Regel schwarz gekleidet, haben ihren Mann oder Sohn im Konflikt verloren und handeln im Auftrag von Extremisten.

Erst im März 2010 zündeten zwei junge Selbstmordattentäterinnen in zwei U-Bahn-Stationen der russischen Hauptstadt ihre Sprengstoffgürtel und rissen 40 Menschen mit sich in den Tod. Die Tat wird Schwarzen Witwen zugeschrieben.

Terror durch "Schwarze Witwen" seit über einem Jahrzehnt

Erstmals verübten Frauen im Juni 2000 einen Anschlag in Tschetschenien: Zwei Attentäterinnen griffen den russischen Militärstützpunkt Alchan Jurt in der Kaukasus-Republik an. Dabei starben mindestens zwei Menschen. Es folgten mehrere Anschläge im Jahr 2003, an denen Frauen beteiligt waren. Zu einem bekannte sich der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew, der damals laut tschetschenischem Innenministerium auf eine Gruppe von mehr als 30 Kamikaze-Frauen zugreifen konnte. Das aufsehenerregendste Attentat Schwarzer Witwen ereignete sich im Juli 2003, als bei einem Rock-Konzert in Moskau 15 Menschen starben.

Auch im August 2004 waren es Frauen, die sich an Bord zweier russischer Passagierflugzeuge in die Luft sprengten und 90 Menschen töteten. Die Polizei fand danach zwei Frauenleichen, nach denen sich keine Angehörigen erkundigten. Nur wenige Tage später sprengte sich eine Frau vor der Moskauer U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft und tötete zehn Menschen.

Auch an der blutigsten Gewalttat des vergangenen Jahrzehnts im Kaukasus waren Frauen beteiligt. Im September 2004 nahmen mehr als 30 ExtremistInnen in Beslan in Nordossetien rund 1100 SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen als Geiseln. In einem Geiselvideo sind mindestens zwei Frauen in Schwarz zu sehen, mit Schusswaffen und Sprengstoffgürtel. 331 Menschen kamen damals ums Leben, unter ihnen 186 Kinder.

Nach mehreren Jahren relativer Ruhe sprengte sich im November 2008 eine Frau vor einem Kleinbus im nordossetischen Wladikawkas in die Luft und riss elf Menschen mit sich in den Tod. Laut dem Buch "Die Bräute Allahs" einer russischen Journalistin ist nur jede zehnte der Attentäterinnen von sich aus extremistisch. Die anderen neun wurden von Rebellenchefs so manipuliert, dass sie zu Attentäterinnen wurden. (APA/Ag.)

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