Proteste gegen Hisbollah-nahen Ministerpräsidenten

25. Jänner 2011, 13:34
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Fotos Mikatis verbrannt - Zusammenarbeit mit Tribunal zur Aufklärung des Hariri-Mordes gefordert

Beirut/Tripoli - Hunderte Anhänger des amtierenden Regierungschefs Saad al-Hariri haben im Libanon gegen die Nominierung des von der Hisbollah unterstützten Geschäftsmanns Nadschib Mikati zum neuen Ministerpräsidenten protestiert. Zum Auftakt eines "Tags des Zorns" verbrannten Anhänger Hariris am Dienstag in Tripoli Fotos Mikatis und riefen in Sprechchören: "Das sunnitische Blut kocht". Die Demonstranten verlangten auch, dass die Zusammenarbeit mit dem internationalen Tribunal zur Aufklärung des Mordes an Hariris Vater, dem Ex-Regierungschef Rafik al-Hariri, fortgesetzt wird. Augenzeugen zufolge setzte die Menge auch ein Auto des arabischen Senders al-Dschasira in Brand. Die Reporter des Senders und andere Journalisten suchten Zuflucht in einem nahegelegenen Gebäude.

Auch in der Hauptstadt Beirut gab es Proteste. Demonstranten zündeten Autoreifen an und blockierten eine Straße. Die Armee feuerte Augenzeugen zufolge Warnschüsse ab.

Mikati zum neuen Ministerpräsidenten ernannt

Der libanesische Staatspräsident Michel Sleimane hat am Dienstag den Kandidaten der Parlamentsmehrheit, Najib Mikati, zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Das wurde in Beirut offiziell bekanntgegeben, nachdem der Präsident alle Parlamentsfraktionen konsultiert hatte. Mikati löst Saad Hariri hat, dessen Allparteienregierung vor knapp zwei Wochen auseinandergebrochen war. Er versprach nach seiner Ernennung, allen politischen Kräften des Landes "die Hand zu reichen". Hariri rief unterdessen seine Anhänger auf, die Proteste gegen Mikati zu beenden.

Für Mikati hatten sich 68 der 128 Abgeordneten ausgesprochen, für Hariri 60. Zu diesem Stimmenverhältnis war es gekommen, nachdem das Bündnis "Kräfte des 8. März", in der die schiitische Hisbollah von Hassan Nasrallah mit der ebenfalls schiitischen Amal von Parlamentspräsident Nabih Berri und der christlichen "Freien Patriotischen Bewegung" (CPL) von Ex-Armeechef Michel Aoun zusammengeschlossen ist, die Unterstützung der Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP) von Drusenführer Walid Joumblatt bekommen hatte.

Der bisherige Premier Saad Hariri hat ausgeschlossen, sich an einer Regierung unter einem von der Hisbollah ins Amt gebrachten Premier zu beteiligen. Sein Bündnis "Kräfte des 14. März", zu dem Mikati bisher gehörte, warf der Hisbollah vor, den Libanon in eine "iranische Basis" verwandeln zu wollen. (APA)

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    Bilder des neuen Premiers Nadschib Mikati werden verbrannt.

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    Anhänger Hariris demonstrierten am Dienstag in Tripoli gegen die Ernennung Mikatis und riefen in Sprechchören: "Das sunnitische Blut kocht"

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