Intercell will neu durchstarten

25. Jänner 2011, 12:44
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Der heimische Impfstoffhersteller stellt sich nach dem herben Rückschlag mit seinem Impfstoffprogramm gegen Reisedurchfall auf neue Beine

Wien - Der börsenotierte heimische Impfstoffhersteller Intercell stellt sich nach dem herben Rückschlag mit seinem Impfstoffprogramm gegen Reisedurchfall auf neue Beine. "Im Sinne einer Refokussierung werde wir uns wieder auf einen Bereich konzentrieren, der schon lange im Vordergrund stand und noch nachhaltiger und wichtiger wird, nämlich die Bekämpfung von Krankenhaus-Infektionen", kündigte Intercell-CEO Gerd Zettlmeissl am Dienstag an. "Wir konnten uns in diesem Bereich in den letzten Jahren weltweit eine führende Rolle beschaffen", so Zettlmeissl.

Gleichzeitig wolle er ein Signal setzen, dass Intercell trotz der erlittenen Niederlage mit vielen anderen Projekten noch Chancen auf Erfolge habe, betont der Firmenchef. Gemeinsam mit den sehr motivierten und engagierten Mitarbeitern und Managern wolle er die Firma "mit aller Macht nach vorne treiben". Er gehe davon aus, dass sich das auch positiv auf den Aktienkurs auswirken werde. "Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt, wir haben Chancen", sagte der Intercell-Chef.

Erster Rückschlag seit zehn Jahren

Der Rückschlag beim Reisedurchfall-Impfstoff sei der erste Rückschlag für Intercell in zehn Jahren gewesen. Auch andere Firmen - gerade Biotech-Firmen - würden öfters solche Rückschläge erleiden. Mit dem Produkt habe man als nächstes auf den Markt gehen wollen. Zusätzlich zu den bereits angekündigten Einsparungen bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im Ausmaß von 40 Prozent, wird Intercell auch beim Personal um 20 Prozent einsparen, kündigte Zettlmeissl an - den Großteil davon in den USA, wo die Belegschaft von 100 auf 40 Personen reduziert wird. Am Wiener Standort müssen maximal 10 bis 15 Prozent der 200 Mitarbeiter gehen.

Bei Intercell sei man sehr gut mit dem Rückschlag umgegangen, habe schnell reagiert und die Geschäftstätigkeit neu fokussiert, so Zettlmeissl weiter. Im Mittelpunkt stünden jetzt die Bereiche Krankenhaus-Infektionen und eine Reihe anderer Projekte wie die neue Tuberkulose-Impfung und ein therapeutischer Hepatitis-C-Impfstoff. Intercell sei jetzt wieder sehr gut für neues Wachstum aufgestellt, die bestehenden Kooperationen und Milestone-Zahlungen seien nicht in Gefahr. "Wir haben eine wohlgefüllt Pipeline, die wir stärker fokussieren", sagte Zettlmeissl. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Firma in diesen Bereichen wieder in nachhaltiges Wachstum kommt und auch der Fair Value wieder steigt".

Impfstoffe via Pflaster

Auch wenn das Impfstoffpflaster beim Reisedurchfall gescheitert sei, habe sich doch schön gezeigt, dass die Verabreichung von Impfstoffen mit Pflaster inhaltlich sehr gut funktioniere. "Die Technologie hat einen Schub bekommen", meint Zettlmeissl. Das sei wichtig für die Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline (GSK), wo an einer Reihe von Impfstoffen gearbeitet werde, für die GSK gerne eine Pflastervariante - weg von der Spritze - entwickeln wolle. Diese Arbeiten würden sehr erfolgreich laufen.

Die endgültigen Geschäftszahlen wird Intercell Anfang März vorlegen. Die angekündigten Abschreibungen von bis zu 167 Mio. Euro sollen einmalig sein, der gesamte Jahresverlust sich im Bereich von 200 Mio. Euro bewegen. Auch im laufenden Geschäftsjahr werden noch keine schwarzen Zahlen möglich sein. Profitabel werde Intercell erst wieder nach 2012 sein.

Für 2011 erwartet Zettlmeissl beim Absatz des Impfstoffes gegen Japanische Enzephalitis wie bereits 2010 erneut ein Wachstum von 60 bis 70 Prozent und darüber hinaus. Diese Dynamik sei nicht ungewöhnlich für neue Produkte, dass sei sehr oft so, dass im zweiten und dritten Jahr die Verkäufe signifikant zunehmen. Die Investitionen würden von über 70 auf 40 bis 50 Mio. Euro zurückgehen, was für die Pipeline relativ wenig sei.(APA)

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