Österreich

Mittelstand sucht Fachkräfte

25. Jänner 2011, 10:52

Österreichs Mittelstand ist puncto Konjunktur und Geschäftslage so optimistisch wie seit Jänner 2008 nicht mehr

Wien - Österreichs Mittelstand ist puncto Konjunktur und Geschäftslage so optimistisch wie seit Jänner 2008 nicht mehr, aber dennoch nicht sorgenfrei. Kopfzerbrechen bereiten den Unternehmen der Fachkräftemangel und steigende Rohstoff- sowie Energiepreise. Zwei von drei Betrieben rechnen mit Umsatzeinbußen, weil sie kein geeignetes Personal finden, geht aus dem "Mittelstandsbarometer" von Ernst & Young hervor. Die Investitionsbereitschaft verharrt auf konstant niedrigem Niveau.

Die 900 befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation deutlich besser als noch vor einem halben Jahr. Während im Juli 50 Prozent aller Unternehmen ihre Geschäftslage als "gut" bezeichnetet hatten, taten dies im Dezember 2010 schon 61 Prozent. Mehr als jedes dritte mittelständische Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verbesserung in den kommenden sechs Monaten, wobei der Handel am optimistischsten in die Zukunft blickt. Auch, was die Konjunktur betrifft, ist man guter Dinge. 57 Prozent erwarten für das Jahr 2011 eine Verbesserung.

Vor diesem Hintergrund wollen die Mittelständler investieren und Personal aufnehmen. Letzteres erweist sich aber als schwieriges Unterfangen. Drei von vier Unternehmen (74 Prozent) tun sich "sehr schwer" oder "eher schwer", neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, im Sommer waren es erst 65 Prozent. Zwei Drittel befürchten, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten drei Jahren noch verschärfen wird.

Personalmangel bremst Wachstum

"Immer mehr Unternehmen stoßen an ihre Wachstumsgrenzen, weil ihnen das entsprechende Personal fehlt", so Erich Lehner von Ernst & Young. Für zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen führt der aktuelle Fachkräftemangel schon heute zu "geringfügigen" Umsatzeinbußen, für jedes fünfte sogar zu "erheblichen". Am meisten leiden Handel und Bau.

Die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen rührt vor allem von der hohen Konkurrenz durch Großunternehmen (63 Prozent), dem generellen Mangel an Top-Talenten (60 Prozent) und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber (42 Prozent).

Insbesondere ist der Fachkräftemangel aus Sicht der Mittelständler auf Schwächen im heimischen Bildungs- und Ausbildungssystem zurückzuführen. Dementsprechend wächst auch die Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik. Während im Februar 2010 nur 21 Prozent die Bildungspolitik ihres Bundeslands als "mangelhaft" bzw. "ausreichend" bewertete, gab im Dezember schon fast jedes dritte Unternehmen schlechte Noten. Die Hauptforderung der Mittelständler an die Politik: Senkung der Lohnnebenkosten.

Laut Ernst & Young reicht aber nicht, "über fehlende Fachkräfte zu klagen und nach der Politik zu rufen." Die mittelständischen Betriebe müssten "schnellstmöglich" gegensteuern, etwa mit innerbetrieblichen Weiterbildungen oder Kooperationen mit Hochschulen. Nichtsdestotrotz könnte der Fachkräftemangel die heimische Wirtschaft Milliarden kosten. "Am stärksten betroffen werden die mittelständischen Unternehmen sein", konstatierte Lehner.(APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Solardub
00
IT - Fachkraft, aber Rollstuhlfahrer

Bin grad auf Jobsuche und finde es echt schräg wie Vorurteilsbelastet die Wirtschaft ist.
Schreibe ich Bewerbungen mit der Info das ich Rollstuhlfahrer bin, kommen nur absagen. Schreib ichs nicht rein, kommt sofort eine Einladung und Lob wie geil den mein Lebenslauf und Erfahrung den sei.

Hab bei der letzten Jobsuche 40 Bewerbungen geschrieben - nur Absagen. Dann hab ich 2 Bewerbungen ohne die Info wg. Rolli geschickt. Zwei Einladungen bekommen und daraus eine Anstellung.

Gscheide Sauerei jedenfalls

Mostbluzza
05
25.1.2011, 17:22
selber schuld

arbeitsfachkräfte wachsen nicht auf bäumen.
viele arbeiten mit leiharbeitern, hilfsarbeitern, um flexibel zu bleiben, löhne niedrig zu halten. lehrlinge sind mangelware-aber nicht die leute, sondern die plätze.
wenn man nicht in die ausbildung investiert, genau jene die der betrieb braucht, lehrlingsplätze zur verfügung stellt und niedrige löhne zahlt, ist es halt schwierig, auf knopfdruck leute zu bekommen oder diese abzuwerben.

ich kenne viele gute fertige handwerker, die für einen bettel arbeiten gehen, überqualifiziert sind und sich mit schichtln überwasser halten.
wer will denn tischler werden bei den löhnen?
metallfacharbeiter dürfen dumbe maschinen bedienen, in den 80,90ern wärens gruppenleiter gewesen-heute ein htler, der froh is

der Rabe
12
25.1.2011, 16:56
Welcher Stand?

Ein Mittelstand sucht?
Ich kenne einen Hochstand, kann mir ergo ausmalen, dass ein Mittelstand in etwa halb so hoch ist.
Aber einem suchenden Mittelstand binich noch nicht begegnet.

Oder redet hier jemand über Gesellschaft und schwärmt dabei für eine ständische Ordnung?
Hatten wir doch schon mal.
War das nicht faschistisch?

Carlito336
00
25.1.2011, 19:52

daraus spricht eine gewisse nosalgie für eine ständische gesellschaft

yasujiro
00
25.1.2011, 18:47
es sind Klein- u Mittelbetriebe

RZugDZug (ungebremst)
00
25.1.2011, 16:37

Am Besten wäre so eine Harz 4 Regelung.
Der Arbeitnehmer zahlt einen Euro in der Stunde, der Rest kommt vom AMS.
Oder noch besser, man bringt Geld mit, weil man lernt ja was beim umsonst arbeiten "Training on the Job" und wird dadurch wertvoller.
Seltsamerweise erwarten 37% der Unternehmen eine Besserrung der Geschäftslage aber 54% finden nur schwer geigneten Arbeitskräfte. Somit suchen auch Unternehmen die eigentlich keine neuen Leute einstellen ?
Fall aus der Praxis, ich habe mich bei einem Unternehmen (IT) beworben und dort mit einigen Mitarbeitern geredet. Es war so als Siemens 650 Leute entlassen hat, wurden die Leute in diesem Unternehmen aufgefordert auf 10% ihres Gehaltes zu verzichten, weil der Markt wieder mal voll war.

José Atento
03
25.1.2011, 16:15
Interessant:

<Die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen rührt vor allem von der hohen Konkurrenz durch Großunternehmen (63 Prozent), dem generellen Mangel an Top-Talenten (60 Prozent) und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber (42 Prozent). >

Sie wollen also NUR mehr Top- Talente mit geringen Gehaltsforderungen -- wahrscheinlich unter 30 Jahre alt!

Tja, wer die Eierlegendewollmilchsau sucht, wird wahrscheinlich den Wald vor lauter Bäumen nicht finden.

Observer 20
00
25.1.2011, 18:24
nicht immer Eierlegendewollmilchsau

vielfach einfach Fachkräfte, welche in der ersten Stunde folgende Kriterien erfüllen : Fachausbildung sowieso, klare Kenntnis der Betriebsorganisation,sofortige Praxis in genau den vorhandenen Produktionsabläufen und Maschinen (wenn auch ganz speziell), usw. - eben Fachleute die im eigenen Betrieb grossgeworden sind. Aber daran hat man vorzeitig nicht gedacht.

Kapitalismus Luege
04
25.1.2011, 16:00
Fachkraft sucht faires Gehalt

aber 42% der Mittelstaendler wollen nix zahlen ...

Mr. Smart
00
25.1.2011, 15:54

"...und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber ....."

das liegt wohl daran dass firmen immer öfter die eierlegende wollmichsau (vertriebler/techniker/projektleiter/reisebereit/stressresistent) mit akademischer ausbildung, mehrsprachig, unter 30 und drei studien suchen.

merkts euch: if you pay peanuts you'll get monkeys.

Solardub
00

genau!!

Phaidros der Dritte
03
25.1.2011, 15:38
System des Neoliberalismus

Das ist hier genau wie überall sonst im Neoliberalismus. Für alles sollte die Markttheorie (die übrigens nur eine Theorie, nicht einmal eine sehr gute, ist) herhalten.

Nur wenn einmal die Fachkräfte nicht willens sind, zum nachgefragten Lohn ihre Arbeitskraft anzubieten, wird nicht nach den eigenen Thesen gehandelt (Gleichgewichtslohn auf höherem Niveau) sondern nach dem sonst so bösen Staat gerufen (Senkung Lohnnebenkosten).

Wann durchschaut eigentlich die Masse der Menschen den Widerspruch der mikroökonomischen Thesen. Wieviele Generationen von Studenten werden noch mit dieser Gehirnwäsche (weil eine Wissenschaft ist das ja mit Sicherheit nicht) systemkonform getrimmt?

R. M.
00
25.1.2011, 16:15
Ich bin bestimmt der Letzte, der hier den Neoliberalismus verteidigen will, aber ...

... es ist das Prinzip des Kapitalismus, Profit zu maximieren. Mit alle seinen Konsequenzen. (Ein gewisser Herr Marx hat dazu schon vor langer Zeit eine ausgezeichnete Analyse vorgelegt.) Es hat nichts mit Neoliberalismus im Speziellen zu tun.

Phaidros der Dritte
00
25.1.2011, 16:37

naja im Prinzip schon, sofern man die Thesen des Neoliberalismus auf die Neoklassik zurückführt, die wiederum auf den klassischen Markttheorien (Walras und Co) beruht.

So gesehen ist ja der Neoliberalismus nur eine Spielart des Kapitalismus (und das hier die Wurzel des Übels begraben liegt, sei mal so dahergesagt). Wobei ich persönlich auch nicht das Weltheil in der Gegenthese (Kommunismus) sehe, so time for something new.

sociovation
03
25.1.2011, 15:13
Arroganz und Gier

Die "Schlüsselqualifikationen" für Personalverantwortliche.

neeeed
05
25.1.2011, 15:09
"und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber (42 Prozent)"

und das sagen gerade die manager?!

am besten wären also FACHkräfte aus indien die 60h die woche um 1.000 EUR netto arbeiten

schlecht zahlen und dann wundern...
sie sollten lieber mal ihr gehalt etwas verkleinern und diesen anteil an alle mitarbeiter die unter ihnen arbeiten aufteilen - wenn das jeder manager machen würde würden die fachkräfte um einiges mehr verdienen und dann auch nicht so schnell auswandern und das fachkräftemangel-problem wäre viel kleiner - aber neeein, geiz ist geil - sich bei politikern beschweren ist halt viel einfacher

neeeed
00
25.1.2011, 15:09

"um 1.000 EUR netto" im MONAT war natürlich gemeint

romero69
04
25.1.2011, 14:56
"und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber (42 Prozent)"

Wuerde - aus eigener Erfahrung - sagen, dass so brutal wenig fuer gute Arbeit bezahlt werden soll wie schon lange nicht mehr. Das Wort "Krise", auch wenn diese scho lang ueberstanden ist, dient den Unternehmen zum Druecken. Kotzt mich an!

neeeed
00
25.1.2011, 15:03
das ist echt a frechheit

beschweren sich dass sie keine fachkräfte finden - aber wenn sie mal einen gefunden haben drücken sie ihn so weit runter wie es nur geht
kein wunder dass fachkräfte auch gerne mal auswandern weil sie woanders eben mehr bezahlt bekommen

so ist das ein teufelskreis: schwer jemanden zu finden, wenn ich ihn gefunden habe zahle ich so wenig dass er schnell auswandert, also muss ich wieder suchen, finde noch schwieriger jemanden, habe dann auch weniger budget für die position und zahle dann der nächsten fachkraft noch weniger, die bleibt dann wieder nicht lange usw.

Mann40
07
25.1.2011, 13:58

"Die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen rührt vor allem von der hohen Konkurrenz durch Großunternehmen (63 Prozent), dem generellen Mangel an Top-Talenten (60 Prozent) und den zu hohen Gehaltsforderungen der Bewerber (42 Prozent)."

Es ist doch fantastisch, dass die Unternehmer genau wissen, woran es mangelt.

Ergo: 1. ein besseres Package als ein Grossunternehmen bieten (da ist nicht einmal annähernd etwas ausgeschöpft)
2. Talente suchen und ausbilden
3. besser zahlen

fischkopp
01
25.1.2011, 13:23

Hier scheinen sich ja alle einer Meinung zu sein. Vielleicht aber auch mal Gedanken über den Zusammenhang zwischen PISA, am Ausbildungsmarkt schwer vermittelbaren Jugendlichen, verfehlter Einwanderungspolitk sowie zunehmender Jugendgewalt machen, um dann darauf zu kommen, dass die Betriebe zumindest nicht ganz alleine Schuld an dieser Situation sind.

neeeed
00
25.1.2011, 15:28

da haben sie aber nur zu einem recht kleinen teil recht würde ich sagen
denn das was heute fachkraft wäre, hatte noch (=vor 15 jahren) sehr gute PISA ergebnisse

aber sie haben insofern recht dass das problem in zukunft noch größer werden wird (durch schlechtes schulsystem, eltern die sich zuwenig um ihre kinder kümmern usw.)

triebstrü
 
03
25.1.2011, 13:10
Jetzt hatten sie 2 Jahre Zeit

um sich ihre Fachkräfte auszubilden.

Jenen, die sich in der Flaute nicht um die Ausbildung ihrer Fachkräfte gekümmert haben, geschieht ganz recht.

Schlechtes Management gehört bestraft. Und wenn der Markt die Strafe exekutiert, soll es mir recht sein.

Peter_23
020
25.1.2011, 12:57
Das Wort "Fachkräftemangel" ist in Klartext nur die Umschreibung für "Lohndumping"

Würden diese Unternehmer das tun was sie mit ihren Markt immer sonst predigen und von anderen verlangen, nämlich bei steigender Nachfrage die Preise (=Löhne) nach oben steigen lassen, gäbe es keinen Fachkräftemangel.

José Atento
01
25.1.2011, 16:17

Die Realität ist, dass immer mehr Fachkräfte zu immer geringeren REAL-Löhnen arbeiten und trotzdem beschweren sich die "Top-Manager", die eigentlich sich selbst in der Regel fürstlich bezahlen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.