Glanzvolles Fest der Stimmen

24. Jänner 2011, 21:20
posten

Das Festival "Resonanzen" ging am Sonntag zu Ende

Wien - Der Alte-Musik-Boom scheint ungebrochen anzuhalten, und nach wie vor lassen sich mit ihr "Glänzende Geschäfte" machen. Dass die heurigen Resonanzen dies zum Festivalmotto erkoren, signalisierte dabei aber nicht unbedingt Selbsthinterfragung. Sehr wohl mitgedacht war freilich nicht nur die Welt der musikalischen Verlagshäuser und des Starkults im 18. Jahrhundert, sondern etwa auch die zeitgenössische Wirtschaftslage sowie die allgegenwärtige Gier nach Mehr.

Kaum als ironisch erkennbar wurde allerdings das diesjährige Festivalsujet, das mit einem prallen roten Frauenmund werben zu müssen meinte. Dennoch scheint der Erfolg der Doppelstrategie Recht zu geben, sinnliche Eye catcher mit einem anspruchsvolleren intellektuellen Überbau zu kombinieren:In diesem Jahr bilanzierte man mit einer Auslastung von 92 Prozent und knapp 10.000 verkauften Karten.

Dazu zählten freilich auch die zahlreichen BesucherInnen, die am letzten, mit Pausen dreieinhalb Stunden langen Abend vorzeitig den Großen Saal des Wiener Konzerthauses verließen. Jene, die ausharrten, erfuhren durch Europa Galante unter der Leitung von Fabio Biondi das ohnehin vorhersehbare Ende einer langwierigen Liebesgeschichte zwischen feindlichen Lagern. Attilio Ariostis Oper La fede ne' tradimenti (etwa:"Treue inmitten von Verrat") wurde allerdings, live von Ö1 übertragen, dank Roberta Invernizzi, Ann Hallenberg, Lucia Cirillo und Johannes Weisser zu einem glanzvollen, ausgiebig beklatschten Fest der Stimmen. (daen/DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2011)

Share if you care.