"Schwule Tanzshow"

24. Jänner 2011, 19:52
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Nicht aufgeregt hat sich Niki Lauda über die Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche

Jeder Bürger darf sich öffentlich über Zustände äußern, die ihm als Missstände erscheinen, bzw. er darf schweigen über Missstände, die ihm nicht wichtig sind. In diesem Sinn hat sich Niki Lauda darüber empört, dass der Entertainer Alfons Haider in einem Trash-Showformat des ORF mit einem Mann tanzen wird; das sei erstens nicht "öffentlich-rechtlich" (kann man so sagen) und zweitens bringe die "Schwulen-Show" Laudas Kinder (Zwillinge, nicht ganz 18 Monate) in sittliche Gefahr. Nicht aufgeregt hat sich nach allem, was Google weiß, Niki Lauda über die Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche. So trifft jeder Bürger seine Wahl, was ihm im öffentlichen Leben wichtig ist, und setzt seine Prioritäten.

Zur Sache selbst besteht die wissenschaftliche Übereinkunft, dass es homosexuelles Verhalten in allen Gesellschaften und zu allen historischen Epochen gegeben hat bzw. gibt. Sogar - oder eher: gerade - in extrem kriegerischen, virilen, geradezu manisch sportbegeisterten Gesellschaften, wie etwa der des antiken Griechenland, war homosexuelles Verhalten überaus verbreitet.

Wenn Alfons Haider nun ein paar Mal vor hunderttausenden Zusehern mit einem Mann tanzt, so wird erstens kein Funke an bedenklicher Erotik überspringen, und zweitens wird sich - im Gegensatz zu Laudas Meinung - niemand "dafür entschuldigen müssen, dass wir heterosexuell sind". Weil es nämlich wurscht ist. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 25.1.2011)

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