Wiener Skulptur "Gigant" muss bis 24. Februar weichen

24. Jänner 2011, 17:54
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Kein Einspruch gegen Abtragungsbescheid - Offene Briefe an Kulturstadtrat plädieren für Verbleib

Wien - Das Schicksal der Skulptur "Gigant" von Bildhauerin Ulrike Truger vor dem Wiener Musikverein scheint besiegelt: Die im November 2009 ohne Genehmigung aufgestellte Figur muss aufgrund behördlicher Fristen bis zum 24. Februar weggeschafft werden. Der entsprechende Abtragungsbescheid sei seit dem heutigen Montag rechtskräftig, sagte ein Sprecher des zuständigen Stadtrats Michael Ludwig (SPÖ) der APA.

Ausgestellt wurde der Bescheid bereits am 3. Jänner, danach wurde das Schreiben Truger zugestellt. Diese hätte daraufhin die Möglichkeit gehabt, zwei Wochen lang Einspruch gegen die Entscheidung zu erheben. Diese Frist habe die Künstlerin allerdings verstreichen lassen, so der Ludwig-Sprecher.

Sollte die Künstlerin ihr Werk nun bis zum 24. Februar nicht freiwillig entfernen, wandere der Akt zur Magistratsabteilung 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser), wodurch später von der Stadt selbst der Abtransport des 16 Tonnen schweren Werks veranlasst werde. Die dabei anfallenden Kosten müsste Truger selbst tragen. Dazu kämen noch etwaige Lagerungsgebühren sowie eine Verwaltungsstrafe, so der Sprecher.

"Ich bin nach wie vor an einer einvernehmlichen Lösung interessiert", sagte die Bildhauerin heute zur APA. "Immerhin ist jetzt noch ein Monat Zeit für die Stadt Wien, die Chance für den 'Gigant' wahrzunehmen."

In den vergangenen Tagen waren in der Wiener Kulturszene verschiedentlich Stimmen laut geworden, die für einen Verbleib des "Giganten" plädierten. Für die "entsprechende Würdigung" einer "so verdienstvollen und engagierten Künstlerin" sprach sich die Redaktion der Frauenzeitschrift "AUF" in einem offenen Brief an den Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) aus. In einem ähnlichen Schreiben des Kosmos Theaters hieß es: "Der 'Gigant' ist die richtige Skulptur am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt - eine einmalige Gelegenheit in den Augen einer großen Anzahl von UnterstützerInnen."

Trugers Rechtsanwälte hatten vergangene Woche in diesem Zusammenhang in einem Schreiben an Bürgermeister Michael Häupl (S) an eine angeblich 2004 seitens der Stadt Wien gegebene Zusage für den Ankauf einer Skulptur Trugers für den Neuen Markt erinnert. Dazu betonte man im Kulturstadtrat-Büro gegenüber der APA, dass man eine derartige Zusage nie gegeben habe - weder schriftlich noch mündlich. Der in dem Brief erwähnte SP-Gemeinderat Georg Niedermühlbichler, der "unter Berufung auf 'hochgestellte Politiker'" im Jahr 2004 eine derartige Zusage gemacht haben soll, sei damals Vize-Bezirksvorsteher der Inneren Stadt gewesen und habe in dieser Funktion gar keine diesbezügliche Entscheidungskompetenz gehabt, betonte eine Sprecherin Mailath-Pokornys. (APA)

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