Ein weiterer Todesfall belastet Guttenberg

24. Jänner 2011, 17:46

18-Jährige stürzte 2008 von Bord der Gorch Fock – Massive Kritik an Krisenmanagement

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kommt wegen der Vorgänge auf dem deutschen Segelschulschiff Gorch Fock immer mehr unter Druck. Nun verlangen auch die Eltern der 18-jährigen Offiziersanwärterin Jenny Böken, die 2008 über Bord stürzte und in der Nordsee ertrank, neue Ermittlungen.

"Wenn er Transparenz will, muss dieser Fall noch einmal untersucht werden", sagt Vater Uwe Böken Richtung Guttenberg. Er habe Hinweise, dass seine Tochter auf dem Schiff sexuell belästigt worden sei: "Ich halte es durchaus für möglich, dass Jenny bedrängt wurde und bei einer Rangelei über Bord ging."

In Berlin übt die Opposition scharfe Kritik am Krisenmanagement von Minister Guttenberg. Dieser hatte am Wochenende recht überraschend den Kapitän der Gorch Fock, Norbert Schatz, abberufen - obwohl die von Guttenberg angekündigte Untersuchung bezüglich der Todesumstände einer 25-Jährigen, die im Herbst aus der Takelage gestürzt war, noch nicht begonnen hatte.

"Mittags wehrt sich der Verteidigungsminister noch gegen Vorverurteilungen, und abends, wenn sich die Presseberichte zuspitzen, suspendiert er den Kapitän der Gorch Fock. Das geht nicht. Bevor man jemanden verurteilt, ist er immer erst zu hören" , sagt SPD-Wehrexperte Rainer Arnold und kritisiert eine Verletzung der Fürsorgepflicht Guttenbergs. Tatsächlich hatte die Bild-Zeitung am Wochenende von einem äußert schlechten Klima auf dem Schulschiff berichtet.

Auf diese Vorfälle habe er den Verteidigungsausschuss des Bundestages bereits am 1. Dezember hingewiesen, erklärt Arnold. Andere Parlamentarier sagen, der anwesende Inspekteur der Marine (aus dem Verteidigungsministerium) sei darauf aber überhaupt nicht eingegangen, niemand sei auf die Idee gekommen, den Tod der jungen Kadettin näher zu untersuchen. Arnold sieht den Kapitän als "Bauernopfer" und klagt: "Wir fühlen uns als Parlament wirklich schlecht informiert."

Guttenberg, der laut Regierungssprecher Steffen Seibert die ausdrückliche Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Angelegenheit hat, ist am Montag zum Gegenangriff übergegangen. Die Suspendierung des Kapitäns sei "sachgerecht und notwendig". Seinen Kritikern empfiehlt er, sich mit "den Grundzügen des Soldaten- und Beamtenrechts" vertraut zu machen.

Am Mittwoch wird Guttenberg im verteidigungspolitischen Ausschuss des Bundestags befragt. Dann muss er Fragen zum Fall des jungen deutschen Soldaten in Afghanistan beantworten, der möglicherweise durch den Schuss eines Kameraden um Leben kam. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2011)

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10 Postings
fridakeynes
00
26.1.2011, 17:42
guttenberg ist der khg deutschlands!

Wolfgang Bieber
00
26.1.2011, 12:12
Guttenberg macht den Westerwelle

Abgehoben, beratungsresistent, kritikunfähig. Das, was man im Moment im politischen Berlin über Verteidigungsminister zu Guttenberg hört, trifft auch auf FDP-Chef Guido Westerwelle zu. In der Tragik sind sie sich gleich. Dennoch gibt es einen Unterschied: Wenn Westerwelle morgen gehen müsste, hätte er auch Erfolge aus zehn Jahren politischer Hochebene vorzuweisen: http://bit.ly/fR1Kjy

abalada
02
25.1.2011, 01:11
Guttenberg ist erst seit 28.10.09 Verteidiungsminister

Haben scheinbar manche vergessen.

Eine Untersuchung bezüglich der vom Vater hier vorgebrachten Theorien wäre in erster Linie eine Sache für die Kriminalpolizei. Und nicht für eine Selbstuntersuchung der Bundeswehr. Für Ermittlungen wegen Totschlag/Mord/Selbstmord ist diese weder zuständig noch hat sie dafür ausgebildetes Personal.

Jürgen Rembremerding
00
25.1.2011, 10:59
Bemerkenswert auch, dass der Vater diese

wahrhaft sehr schweren Vorwürfe erst knapp drei Jahre nach dem Vorfall erhebt.

soseies
00
25.1.2011, 13:55

her von und zu...warum ziehen sie eigendlich nicht die möglichkeit in betracht, das der gute vater ein obrigkeitshöriges oder auch nur -gläubiges schaf war...

das den damaligen aussagen von bundewehrvorgesetzten, -verantwortlichen oder wem auch immer glauben schenkte und erst nach den derzeitigen "enthüllungen" wieder selbst hat angefanngen zu denken...

Jürgen Rembremerding
00
25.1.2011, 15:59
Denken kann man ja viel, aber wenn man so schwere Vorwürfe erhebt,

sollte man schon mehr in der Hand haben als Vermutungen.

soseies
00
25.1.2011, 21:42

"sollte man schon mehr in der Hand haben als Vermutungen"

dafür ist ja nun die staatsanwaltschaft zuständig...

vielleich hat er ja das gelesen...

"Besatzung soll Alkohol-Exzesse gefeiert haben......Hemmungslos betrunkene Soldaten, Todesdrohungen, sexuelle Nötigung: Offiziersanwärter berichten erschreckende Details von ihrem Segel-Lehrgang auf der "Gorch Fock". Besonders beklagen sie sich über den massiven Alkoholkonsum der Stammbesatzung..."

zu lesen hier...

http://www.spiegel.de/politik/d... 90,00.html

der schipel dürfte für sie ja unanfechtbar sein...

_Mickey_
02
24.1.2011, 19:30

obwohl mir der schleimige guttenberg sehr unsympathisch ist, finde ich es lobenswert wie er hier reagiert. hat wohl aus der afghanistan-sache gelernt.
in der bundeswehr gibt es wie in jeder armee unteroffiziere die sich für halbgötter und offiziere die sich für götter halten. wenn sie ab und zu daran erinnert werden, dass sie eben nicht herrscher über untertanen ihres kleinen privaten reichs, sondern diener des staates sind, ist das wichtig.

Nein Danke!!!
00
26.1.2011, 23:32

Hoffentlich sind die Unteroffiziere und Offiziere dann im Ernstfall nicht so "klein", dass sie sich lieber verstecken anstatt uns vor etwaigen Angreifern zu verteidigen.

Pom-Bär
00
25.1.2011, 00:52

Sie meinen die dramtische Geste bevor die Sache unter den Tisch gekehrt wird?

Jo, muss man ihm lassen, hat Klasse.

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