Meinl und Atrium schenken einander ein

24. Jänner 2011, 17:01
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MEL-Nachfolger Atrium zahlt die umstrittene 20-Millionen-Anleihe zurück - Der Rechtsstreit geht weiter

MEL-Nachfolger Atrium zahlt die umstrittene 20-Millionen-Anleihe zurück. Der Rechtsstreit geht weiter. Die Meinl Bank will 33 Millionen Euro von Atrium, allein sieben Millionen für PR-Ausgaben.

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Wien - Die nächste Runde im Streit Meinl Bank gegen Atrium European Real Estate ist eingeläutet. Atrium, die Nachfolgegesellschaft von Meinl European Land (MEL), hat am Montag mitgeteilt, die Wandelanleihe aus 2008 (von 20 Millionen Euro) zuzüglich Zinsen (10,75 Prozent) zurückzuzahlen. Atrium bewertet den Rückkauf als "wertsteigernd" und hält fest, dass "damit dem Wohl ihrer Aktionäre am besten gedient wird".

Die Meinl Bank sieht das naturgemäß anders. Die Rückzahlung sei ein "Eingeständnis der Zahlungssäumigkeit", lässt Meinl-Bank-Chef Peter Weinzierl via Aussendung wissen. Die Bank hatte vergangene Woche die Anleihe fällig gestellt, weil sie von einem Investor Kenntnis erlangt hätte, dass Atrium seiner diesbezüglichen Zahlungsverpflichtung nicht nachkomme. Zudem hat die Bank, wie berichtet, die Einberufung einer Gläubigerversammlung angekündigt. Die Folge: Atrium hatte am English High Court eine Klage gegen die Meinl Bank eingebracht. Das Gericht sollte feststellen, dass Atrium nicht verpflichtet sei, Zahlungen für den Bond zu leisten.

Durch die Rückzahlung des Bonds wird aber wohl kaum Ruhe in die Causa kommen. Atrium teilte mit, dass die Fälligstellung ungültig sei. Nach der Klage gegen die Meinl Bank (die in diesem Fall als Treuhänderin agiert) könnten dem Vernehmen nach weitere rechtliche Schritte in Österreich folgen. Atrium ortet einen "klaren Missbrauch der Treuhänderfunktion" durch die Bank. Im Übrigen sei die Anleihe erst Mitte August fällig geworden, sagte Atrium-Anwältin Bettina Knötzl zur APA.

Die Meinl Bank prüft laut Weinzierl jedenfalls, ob die Rückzahlung der Wandelanleihe Voraussetzung ist für weitere Kündigungen besicherter Anleihen. Die Fälligstellung einer Anleihe hätte für Atrium weitreichende Folgen. Dann könnten nämlich alle existierenden Anleihen ebenfalls fällig gestellt werden - was Atrium rund 280 Millionen Euro kosten würde.

Millionen für den guten Ruf

Ende Dezember hatte die Meinl Bank bereits eine Schiedsklage gegen die MEL-Nachfolgegesellschaft Atrium eingebracht; sie fordert darin Ersatz für die Kosten, die ihr aus diversen Zivilverfahren der Anleger und anderen Aktivitäten entstanden sind. Es geht um 33,4 Mio. Euro; die Bank beruft sich auf die von Atrium beim Kauf von MEL unterzeichnete Schad- und Klagloserklärung für etwaige juristische Auseinandersetzungen rund um MEL.

Aus dem Standard vorliegenden Dokumenten erschließt sich, wofür so viel Geld floss. Für die Abwehr von Zivilklagen von MEL-Anlegern ließ die Bank 12,5 Mio. Euro springen, für Vergleiche mit Anlegern 13,8 Mio. Euro. Die Koten aus verlorenen Zivilprozessen schlugen sich mit (relativ) bescheidenen rund 60.000 Euro zu Buche - stolze 6,99 Mio. Euro gingen für das Aufpolieren des angekratzten Rufs der Bank drauf.

Rund 100.000 Euro davon gingen in die medienrechtliche Beratung, 552.000 Euro an eine österreichische PR-Agentur. Für Umfragen zum Ruf der Bank ließen die Meinl-Banker mehr als 230.000 Euro springen. Peanuts im Vergleich zu den zwei Millionen Euro, die für "Unterstützung und Beratung der Bank im Bereich Investor Relations und PR-Maßnahmen im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten im Ausland (etwa London) lockergemacht wurden.

Der doppelte Betrag (4,1 Mio. Euro) ging für "andere Kosten für notwendige PR- und Marketingaktivitäten" drauf, die nicht näher aufgeschlüsselt sind. Atrium hat die Ansprüche zurückgewiesen.

Schiedsverfahren läuft an

Auch in das Schiedsverfahren zwischen der Meinl Bank und den von den "Rebellen" übernommenen ehemaligen Meinl-Unternehmen Airports und Power International kommt wieder Bewegung. Das für Ende November angesetzte Hearing wurde ja, wie berichtet, abgesagt. Grund dafür war die Behauptung der Meinl Bank, dass der Vorsitzende aufgrund eines potenziellen Interessenkonflikts möglicherweise befangen ist.

Nun wurde ein neuer Vorsitzender ausgewählt, der sich aktuell in die Causa einarbeitet. Involvierte rechnen mit einer ersten Anhörung im Frühjahr. In dem Verfahren geht es um den Vorwurf, die Bank hätte überhöhte Gebühren beim Börsengang von Airports und Power International sowie für den Market Maker verlangt. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2011)

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    Kampf um Anleihen und Gebühren: Meinl-Bank-Chef Peter Weinzierl fordert hohe Summen von Atrium European Real Estate.

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