Affären der Bundeswehr

24. Jänner 2011, 16:58
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2003 fotografierten sich Soldaten in Afghanistan mit einem Totenkopf und entblößtem Penis

Berlin - Die jüngsten Vorgänge auf der "Gorch Fock" sowie die Ermittlungen zum den Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan durch die Kugel eines Kameraden sind nicht die ersten deutschen Bundeswehr-Affären der vergangenen Jahren. Immer wieder ist es in der Truppe zu öffentlich bekanntgewordenen Skandalen gekommen:

2003: Soldaten fotografieren sich in Afghanistan mit einem Totenkopf und entblößtem Penis vor einem Patrouillenfahrzeug. Erst im Oktober 2006 gelangen diese schockierenden Fotos an die Öffentlichkeit. Kurz darauf werden ähnliche Bilder aus dem Jahr 2004 mit anderen Soldaten bekannt. Der Fall löst international Empörung aus. Die Ermittlungsverfahren wegen Störung der Totenruhe werden jedoch eingestellt, als sich herausstellt, dass die Soldaten nur frei herumliegende Skelettteile aufgenommen haben.

2004: In der Bundeswehr-Kaserne im nordrhein-westfälischen Coesfeld werden im Sommer rund 160 Rekruten bei simulierten Geiselnahmen von Ausbildern mit Stromstößen, Schlägen und Fußtritten malträtiert gedemütigt. Was genau geschah, ist wegen des Schweigens der mutmaßlichen Täter noch immer nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft spricht in einem der Folgeverfahren von einem "Maß an Menschenverachtung, das kaum zu beschreiben ist".

2005: Nach Sex- und Alkoholorgien in einer Kaserne in Bückeburg werden ähnliche Vorfälle auch in der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Celle bekannt. Ein ehemaliger Soldat berichtet von regelmäßigen Sauf- und Kifferpartys - organisiert von den oberen Dienstgraden.

2006: Fallschirmjäger in der Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne gelangen mit der sogenannten Dörrobst-Affäre zu zweifelhafter Prominenz. Bei einer Feier in der Kaserne wurde einem Soldaten mit einem Paddel auf das entblößte Hinterteil geschlagen, in das zuvor eine Dattel geschoben worden war. Ein Hauptmann wird beschuldigt, die entwürdigende Behandlung nicht gemeldet oder untersucht zu haben. Im Juni 2008 wird er zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt und legt daraufhin Berufung ein.

2007: Ein etwa einenthalbminütiger Video-Clip erregt im April die Öffentlichkeit in Deutschland und den USA. Darin ist zu sehen, wie ein Rekrut aus der Feldwebel-Schmid-Kaserne im schleswig-holsteinischen Rendsburg bei der Ausbildung dazu aufgefordert wird, beim Schießen mit einem Maschinengewehr an "Afroamerikaner" im New Yorker Stadtteil Bronx zu denken. Ihm wird von seinem Vorgesetzten befohlen, beim Feuern "Motherfucker" zu rufen.

2010: Ein Soldat beschwert sich beim Wehrbeauftragten über Missbräuche bei den Gebirgsjägern in der Kaserne Mittenwald. Demnach mussten Wehrdienstleistende dort bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber, Rollmöpse und Frischhefe essen, um in der internen Hierarchie aufzusteigen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Anfang der 1990er Jahre selbst in Mittenwald gedient hat, bekam nach eigenen Angaben während seiner Dienstzeit nichts solchen Vorfallen mit. (APA/dapd)

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