Post bringt höheres Briefporto

24. Jänner 2011, 18:04
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Mit neuen, einfacheren Produkten kommt auch eine Überraschung: Der gemeine Brief bis 50 Gramm wird um bis zu zehn Cent teurer

Der freie Postmarkt beginnt für die Konsumenten in Österreich mit einer Preiserhöhung. Die teilstaatliche Österreichische Post AG hat bei der Regulierungsbehörde eine Anhebung des Portos für Briefe bis 50 Gramm beantragt. Laut Standard-Recherchen soll der sogenannte Standardbrief künftig 65 Cent kosten statt bisher 55 Cent.

 

Die Post bestätigt die Höhe der Tariferhöhung nicht, wohl aber, dass sie im Jänner beim Postregulator RTR ein umfangreiches Produktportfolio samt neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Genehmigung eingereicht habe. Darin enthalten sei auch eine Anhebung des zuletzt im Jahr 2003 angehobenen Beförderungsentgelts für die neuerdings nicht mehr dem Briefmonopol unterliegenden Briefsendungen bis 50 Gramm.

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Die Post wird im Frühjahr nicht nur neue Produkte auf den Markt bringen, sondern auch eine Preiserhöhung. Der bis Ende 2010 durch das Postmonopol geschützte Standardbrief bis 50 Gramm soll künftig statt 55 Cent so viel kosten wie bisher der Auslandsbrief innerhalb der EU, also 65 Cent. Die Erhöhung, der Post-Regulator RTR zustimmen muss - die Post hat ihren Antrag per 1. Jänner eingebracht - soll am 1. April in Kraft treten, spätestens aber Anfang Mai 2011, erfuhr der Standard in Post-Kreisen.

In der gelben Post bestätigt man die Höhe der Tariferhöhung nicht, wohl aber, dass man im Jänner bei der Regulierungsbehörde RTR ein umfangreiches Produktportfolio samt neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zur Genehmigung eingereicht habe. In dem Paket seien jede Menge Regelungen für neue Produkte und Vereinfachungen enthalten, darunter auch eine Anhebung des zuletzt im Jahr 2003 angehobenen Briefportos. Bekommen die neuen AGB grünes Licht, bedeute das für die Kunden deutliche Vereinfachungen. Das derzeit komplizierte, weil nach Größe und Gewicht der Sendungen gestaffelte Briefbeförderungsentgelt gehöre dann der Vergangenheit an.

Ob die Genehmigung durch die RTR so einfach durchgeht, wie sich die Post das wünscht, bleibt freilich abzuwarten. Denn der Streitpunkt ist, ob die Porto-Erhöhung gemäß Universaldienstverordnung gerechtfertigt ist. Postmarktgesetz und Universaldienstverordnung sehen, wie berichtet vor, dass die Post als Universaldiensterbringer im liberalisierten Postmarkt vier Grundsätze erfüllen muss: Nichtdiskriminierung, Transparenz, Erschwinglichkeit und Kostenorientierung. Während die Erschwinglichkeit einer Erhöhung um bis zu zehn Cent nach neun Jahren vermutlich relativ einfach argumentierbar ist, dürfte die Kostenorientierung der Knackpunkt sein. Dem Vernehmen nach hat die RTR betreffend Kostenorientierung und Kostenrechnung des Universaldienstes ein Gutachten in Auftrag gegeben, um sich gegen die Argumentation der Post zu wappnen. Früher hatte die Post stets argumentiert, der Transport von Massensendungen sei in der Grundversorgung nicht inkludiert und daher sei der Universaldienst, den sie seit Jahrzehnten erbringe, nicht kostendeckend. Postmarktexperten verneinten diese Rechnung stets.

Wann die für die Entscheidung zuständige Post-Control-Kommission ihre Entscheidung trifft, ist offen. Längstens Anfang Mai will die Post mit ihren neuen Produkten durchstarten.

Viele Fragen und vor allem Ängste gibt es auch noch rund um die neuen Post-Bawag-Filialen. Sie können, wie das Beispiel Wiener Neustadt zeigt, für Paketkunden erheblich längere Anfahrtswege mit sich bringen. Denn wohl wird man in der Bezirksstadt mit mehr als 40.000 Einwohnern künftig Pakete in den kleinen Bawag-Filialen abgeben können, eine Abholung werde künftig aber nur mehr im Hauptpostamt beim Bahnhof möglich sein, sagen örtliche Postler. Das sei nicht fix, heißt es bei der Post, die Umstrukturierung sei noch nicht fertig. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2011)

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    Noch ist nicht klar, wie hoch die Erhöhung des Portos für Briefe bis 50 Gramm ausfallen wird. Fix ist nur, dass es nach dem Winter erstmals seit 2003 wieder eine Erhöhung geben wird.

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