Neu im Kino

Ein Kammerspiel aus Hoffnung und Musik

Sabina Zeithammer , 24. Jänner 2011 17:14
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    Foto: filmladen

    Franziska Singer und Ursula Strauss in "Vielleicht in einem anderen Leben".

Elisabeth Scharangs eingeengtes NS-Filmdrama "Vielleicht in einem anderen Leben"

Wien - Eine Gruppe ungarischer Juden strandet auf dem Todesmarsch Richtung Konzentrationslager Mauthausen in einem österreichischen Dorf und wird in die Scheune des Bauern Stefan Fasching (Johannes Krisch) gesperrt. Als seine Frau Traudl (Ursula Strauss) erfährt, dass die Häftlinge verhungern, bringt sie ihnen Brot. Zum Dank bietet ihr der ungarische Opernsänger Lou Gandolf (Péter Végh) an, gemeinsam mit den Mitgefangenen die Operette Wiener Blut einzustudieren und vorzuführen. Die Bäuerin willigt ein und versorgt die Ungarn weiterhin heimlich mit Nahrung.

Die österreichische Filmemacherin Elisabeth Scharang hat für ihren Spielfilm Vielleicht in einem anderen Leben Peter Turrinis und Silke Hasslers Theaterstück Jedem das Seine umgearbeitet. Sie versucht in einem Mikrokosmos zu zeigen, was in riesigem Ausmaß passierte. Das Große im Kleinen darzustellen ist eine gute Idee. Man darf jedoch weder das Große aus den Augen verlieren noch das Kleine zu klein geraten lassen.

In Vielleicht in einem anderen Leben passiert beides. Hunderte ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter starben in der Endphase des Zweiten Weltkriegs auf Todesmärschen durch Österreich. Diese historischen Zusammenhänge beleuchtet der Film zu wenig.

Gleichzeitig ist die kleine Welt nicht ausgefeilt genug. Natürlich, die Figuren erfüllen ihren Zweck: Der SS-Mann mit vernarbtem Gesicht, der Menschen liquidiert, ohne mit der Wimper zu zucken. Der dämliche Hitlerjunge, der den Hitlergruß vorführt wie ein trainierter Affe. Der aggressive Dorfbewohner, der nur darauf wartet, die Gefangenen zu lynchen. Und auch unter den Häftlingen finden sich zu viele, die nur traurige hohläugige Gesichter machen.

Diese Personen bleiben zu klischeehaft. Vor allem, da die Hauptfiguren im Gegensatz dazu realistisch und dicht gezeichnet sind. Ursula Strauss' Darstellung der Bäuerin, die zu viel Leid erlebt hat, um noch zu weinen, im Herzen aber die Musik liebt und sich mutig gegen eine Welt voller Hass und Schmerz auflehnt, beeindruckt. Auch Krisch, Végh und Franziska Singer als Magd überzeugen. Vielleicht in einem anderen Leben vermag zwar zu bewegen, bleibt aber insgesamt ein etwas zu inhomogenes filmisches Kammerspiel. (Sabina Zeithammer, DER STANDARD - Printausgabe, 25. Jänner 2011)

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18 Postings
Lord Schaumloeffel
27.01.2011 11:28
ein gutes beispiel für ö-film

man nehme: gute absicht, böse vergangenheit, ein paar bekannte gesichter, viel idealismus und ganz viel öffentliches geld. alle beteiligten haben ein paar monate was zu tun und ein einkommen. schön. mission erfüllt.

und was sagt das, wie heisst es gleich noch mal, ach ja, publikum? gar nichts, weil keiner hingeht.

wird ein paar anerkennungspreise auf provinzfestivals bekommen, die alles rechtfertigen. und dann kommt das nächste ding, haargenauso gestrickt.

Jukebox
25.01.2011 15:23

Kriegt nächstes Jahr sicher den Auslandsoscar.

urschl
25.01.2011 15:19
„dämlicher“ Hitlerjunge

vielleicht in castrop-rauxel

Angelika70
25.01.2011 14:36

Ich mag den Krisch in jeder Rolle, die er seit seinen Anfängen am Burgtheater spielt!

girls in the cage
25.01.2011 13:25

Kitsch-sorry ist aber so.wirklich sehr durchschnittlich.

mandamanda
25.01.2011 08:37
absolut sehenswert....

ich fnde den film wirklich gut gemacht - er zeigt auf ein "kleines geschehen" (verweist auch auf das große, lieber kritiker - was ja nicht unbedingt sein muss, wenn man etwas aus der nähe anguckt) - gute schauspielrerInnen - gute regie....

THE MGT.
25.01.2011 06:03
Sehr sehenswerter und berührender Film.

Die Kritik, der Film beleuchte die historischen Zusammenhänge zu wenig, kann ich nicht nachvollziehen. Der Film zeigt eine Geschichte vor einem sehr klaren historischen Hintergrund. Der Autorin mag zu wenig über die Todesmärsche erzählt werden, ein Anderer vermisst mehr zum Krieg im Allgemeinen, ein Dritter mehr Hintergrund zur Ideologie der Nazis, ein Vierter zur Geschichte der ungar. Juden, ein Fünfter zur Zwangsarbeit unter dem NS-Regime, oder über den Volkssturm usw. ... die Liste, was man nicht alles in den Film packen hätte können, ist endlos.

Ob die handelnden (Neben-)Personen ihre Rollen erfüllen mag jeder Kinobesucher für sich entscheiden. Für mich taten sie es.

eyeinthesky
24.01.2011 20:55
hauptsache das thema passt

dann spielt das geld keine rolle.

thinking isn't illegal yet
25.01.2011 10:58
stimmt

der film wird nicht so viel geld einspielen. aber hauptsache, wir schaffen durch das thema dieses filmes wieder mal, ein kleines bisschen von unserer aller vergangenheit zu bewältigen.

KTHXBYE
25.01.2011 12:50

Wenn das Ihre Vergangenheit ist, sind sie a) ziemlich alt und tun mir b) leid. Meine Vergangenheit ist das nicht und ich lasse mich auch nicht qua Sippenhaft dazu vergattern.

thinking isn't illegal yet
25.01.2011 14:47

ich bin 40.
schon mal von kollektivem unterbewusstsein gehört?

thinking isn't illegal yet
25.01.2011 14:46

schon mal was von kollektivem bewusstsein gehört?

KTHXBYE
25.01.2011 15:11

Zwangskollektivierung fand ich schon immer abstoßend. Da können Sie salbadern was Sie wollen, ich habe nichts zu bewältigen, woran ich in keinster Weise beteiligt war. Wenn jemand Schuldneurosen als sinnstiftendes Element im Leben braucht, bitte, soll er haben. Aber nicht andauernd jeden anderen mit in seine selbstgebastelte Hölle ziehen.

mandamanda
27.01.2011 07:56
da ist einer mal besonders clever....

... und wie es ausschaut auch ein ziemlicher grantscherben

Anton Hammerschmidt
25.01.2011 08:30
Könnten Sie Ihre Aussage

ein bisschen konkretisieren ? Mich interessiert wirklich, was Sie genau damit meinen...

eyeinthesky
25.01.2011 19:34
wenn das thema passt, darf auf qualität offensichtlich verzichtet werden

denn wenn das thema passt und die kohle eingesackt wurde kann man schon einmal warten bis man zum beispiel beim CASTING eine idee kriegt, um was es im film gehen soll.

http://vimeo.com/18134860

wenn man bösartig wäre, könnte man die haltung der filmemacher und produzenten angesichts solcher ideenlosen geschichten als ausnützen des leides des jüdischen volkes verstehen. wenn man sich schon an ein solches thema wagt sollte man mehr am kasten haben (wie zb. haneke oder corti). nur das offensichtliche herzeigen hohläugiger, arm dreinschauender statisten reicht nicht, um betroffenheit auszulösen. genausowenig wie die dumme und einfallslose zur schaustellung von bösen nazis und hj-buben nicht ausreicht, das verbrechen darzustellen.

mandamanda
27.01.2011 08:00
es gibt regissuerInnen ....

.... bei denen das meiste im prozess des filmens gestalt annimmt....
und frau scharang vorzuwerfen, dass sie im prozess des filmemachens - und dazu zähle ich auch das casting - ideen hatte, die in den film eingehen sollten, halte ich für ziemlich "daneben"....

relatio subsistens
24.01.2011 23:00

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