Opernhafte Schläge

24. Jänner 2011, 17:44
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Mozartwoche: Concentus Musicus mit Ivor Bolton

Salzburg - Nikolaus Harnoncourt hatte abgesagt, so traf sein Concentus Musicus auf Ivor Bolton. Im Haus für Mozart stand man sich zunächst ein wenig distanziert gegenüber, Händels geistliches Konzert Dixit Dominus Domino meo HWV 232 auf Psalm 109 (bzw. 110) kam aber vom ersten Akkord an spannend-opernhaft daher; der Schoenberg Chor machte mit klanglicher Brillanz und Textdeutlichkeit Sprachbilder anschaulich und lebendig. Und: Ebenso fantastisch in Werk und Wiedergabe waren die von Chor und Orchester mit wilden Schlägen formulierten Lautmalereien auf "richten" oder "zerschmettern". Oper pur.

Christina Landshamer hat schon zuvor bei Mozarts Passionslied Kommet her, ihr frechen Sünder KV 146 mit ihrem klaren, über alle Lagen bruchlos weichen Sopran begeistert. Im Gegensatz zu Anna Prohaska, die ihre Koloraturen, etwa in Händels geistlichem Konzert Laudate pueri Dominum HWV 237, wohl brillant und beweglich, aber sehr leichtgewichtig abgeliefert hat.

Altsolistin Elisabeth von Magnus hatte in HWV 238 aber ihre Sternstunde - wundersam schwebend das "Wiegenlied" auf den Text "Cum dederit" im Geistlichen Konzert Nisi Dominus. Überzeugend auch die Männer, also Tenor Jeremy Ovenden und der Bass Christian Immler. Bolton und der Concentus? Vergleiche verbieten sich. Trotzdem: Was unter Harnoncourt vielleicht ein wenig ruppiger ausgefallen wäre, wurde bei Händel-Experten Bolton zur ebenso aufregenden wie beredten Opernminiatur. (klaba, DER STANDARD - Printausgabe, 25. Jänner 2011)

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