Berlusconi reicht bei Staatsanwälten sein Verteidigungsdossier ein

24. Jänner 2011, 15:57
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Ausschuss der Abgeordnetenkammer entscheidet am Dienstag über Antrag der Ermittler auf Durchsuchung eines Büros des Premiers

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, gegen den in Mailand Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs und Beihilfe zur Prostitution wegen Sex mit einem minderjährigen Callgirl laufen, setzt auf Verteidigung. Die Rechtsanwälte des Premiers legten am Montag den mit dem Fall beauftragten Staatsanwälten in Mailand Unterlagen vor, die die Aussagen Dutzender von Zeugen zur Entlastung des Regierungschefs enthält. Die Dokumente sollen von den Ermittlern in den nächsten zwei Wochen überprüft werden, berichteten italienische Medien.

Die Mailänder Ermittler vernahmen am Montag zum zweiten Mal binnen drei Tagen das Escort-Girl Nadia Macri, das in einem TV-Interview über ein intimes Treffen mit dem Premier berichtet hatte. Die 28-Jährige erklärte, sie habe von Berlusconi 10.000 Euro für sexuelle Gefälligkeiten erhalten. Macris Behauptungen seien absolut haltlos, erwiderten Berlusconis Rechtsanwälte.

"Erhebliche Zahl" junger Prostituierter

Ein Ausschuss der italienischen Abgeordnetenkammer wird sich am Dienstag zu einem Antrag der Mailänder Staatsanwaltschaft äußern, die ein Büro Berlusconis durchsuchen lassen will. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer "erheblichen Zahl" junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch ein damals 17-jähriges Escort-Girl, das unter dem Spitznamen "Ruby" bekanntgeworden ist. Die inzwischen volljährige junge Frau gab an, Berlusconi habe sie mit 7.000 Euro unterstützt, aber nicht für Sex bezahlt. Prostitution an sich ist in Italien nicht strafbar, wohl aber die Ausbeutung und Förderung der Prostitution Minderjähriger.

Berlusconi hatte sich am vergangenen Freitag geweigert, vor den Mailänder Staatsanwälten aussagen. "Die Staatsanwälte sind wie ein Exekutionskommando, ich werde vor ihnen nicht aussagen", betonte Berlusconi. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Premier die Wahl gegeben, zwischen dem 21. und dem 23. Jänner auszusagen. Berlusconis Rechtsanwälte bestreiten die Zuständigkeit der Mailänder Staatsanwaltschaft für den Fall. Die Ermittlungen würden Ereignisse betreffen, die sich in Berlusconis Privatresidenz in der Gemeinde Arcore bei Mailand abgespielt hätten. Für die Ortschaft sei die Staatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Monza und nicht Mailand zuständig. Die Mailänder Ermittler hätten daher nicht die Kompetenz, in dem Fall zu ermitteln, so die Rechtsanwälte. (APA)

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