Mittlere Reife: SPÖ-Funktionäre ratlos

24. Jänner 2011, 14:55
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Die SPÖ hat dem VP-Konzept der "Mittleren Reife" zugestimmt - Was das bedeutet, ist SPÖ-Politikern noch nicht ganz klar

Die Ministerinnen Claudia Schmied (SPÖ) und Beatrix Karl (ÖVP) haben sich darauf geeinigt, die "Mittlere Reife" für 14-Jährige einzuführen. Zwar wird es noch einige Jahre dauern, bis es tatsächlich soweit ist - Schmied spricht vom Schuljahr 2020/21 - dennoch wird wohl nichts mehr daran vorbeiführen, dass sich die SchülerInnen künftig am Ende der achten Schulstufe diesem Verfahren unterziehen müssen. Die SPÖ hat eingelenkt und dem Konzept der ÖVP zugestimmt. Schmied betont, dass nun eine Expertengruppe Details ausarbeiten müsse. Den Namen "Mittlere Reife" sieht sie derzeit nur als Arbeitstitel.

Keine "rigorose Prüfung"

Über die Auswirkungen des Beschlusses herrscht innerhalb der SPÖ momentan noch Unklarheit. Elmar Mayer, Bildungssprecher der SPÖ, hat sich, sobald die Einigung verkündet wurde, im Bildungsministerium erkundigt, wie das "Prüfungsverfahren" aussehen werde, erzählt er im Gespräch mit derStandard.at. Ihm ist nämlich wichtig, dass die Mittlere Reife keine "rigorose Prüfung" sein soll, der "Prüfungscharakter" solle so gut wie möglich rausgehalten werden. Vielmehr wünscht er sich eine Beurteilung nach einem "Beratungsgespräch", bei der die gesamte bisherige Leistung der SchülerInnen einfließen soll.

"ÖVP zu feig"

Mayer ist überzeugt, dass die Mittlere Reife nur deshalb eingeführt werde, weil die ÖVP "zu feig" für die Neue Mittelschule sei. Denn gäbe es ein einheitliches Schulsystem, müsste man auch keine Abschlussprüfung durchführen.

"Auf den koalitionären Weg begeben"

Das Einlenken der Unterrichtssministerin erklärt Mayer folgendermaßen: Die SPÖ habe sich auf den "koalitionären Weg begeben". Experten müssten nun das Beste herausholen: "Es kann keine Knock-out-Prüfung geben", hält er nocheinmal fest.

"Am Höhepunkt der pubertären Entwicklung"

Elisabeth Grossmann, SPÖ-Bildungslandesrätin in der Steiermark, sagt zu derStandard.at, sie könne erst dann eine genaue Stellungnahme abgeben, "wenn die Überschriften mit Inhalten gefüllt sind". Sie kann Vorteile bei der Mittleren Reife erkennen, wenn nicht am Ende der 4. Klasse auf eine "Bestandsaufnahme" Wert gelegt wird, wo die Kinder "ja am Höhepunkt der pubertären Entwicklung stecken". Ihrer Ansicht nach solle eine Rückmeldung über die während der gesamten Bildungslaufbahn erbrachten Leistungen gegeben werden. Grossmann wünscht sich eine "verbale Beurteilung durch ein Gremium von Lehrern, die diesen Schüler unterrichtet haben".

Auch die Oppositionsparteien sind anlässlich des Beschlusses der Mittleren Reife noch etwas ratlos. Walter Rosenkranz, Bildungssprecher der FPÖ, ist nicht unbedingt negativ eingestellt, "wenn es um eine Stärken- und Schwächenanalsyse geht". Er kritisiert jedoch, dass man sich auf die Mittlere Reife einige, bevor noch klar ist, wie das künftige Schulsystem aussehen werde. Bis 2020 sei noch ein langer Zeitraum, betont er. Dass die FPÖ die Mittlere Reife bis dahin wieder abschaffen würde, sollte sie einmal in der Regierung sein, glaubt Rosenkranz aber nicht. 

Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, reagierte in einer Aussendung in einer ersten Stellungnahme noch eher allgemein: "Diese Neuerung wird die Probleme und Defizite des österreichischen Schulsystems sicher nicht beheben." (rwh, derStandard.at, 24.1.2011)

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