Palästinenser wollten Israels Siedlungen akzeptieren

24. Jänner 2011, 14:35
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"Größte Enthüllung von Geheimdokumenten in der Geschichte des Nahost-Konflikts" - Selbst Tempelberg soll zur Verhandlunge gestanden haben - Kommentatoren entsetzt von der "Flexibilität" der palästinensischen Verhandlungsführer -

Der Guardian nennt die Protokolle die "größte Enthüllung von Geheimdokumenten in der Geschichte des Nahost-Konflikts". Dabei handelt es sich um vertraulichen Papiere, Gesprächsprotokolle, E-Mails und Karten der palästinensischen Behörden, die sich einen Zeitraum von zehn Jahren umfassen: von den Verhandlungen im Jahr 2000 in Camp David zwischen dem damaligen Palästinenserpräsident Jassir Arafat, dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und US-Präsident Bill Clinton bis hin zu inoffiziellen Gesprächen 2010, an denen auch Beamte der jetzigen Regierung von US-Präsident Barack Obama teilgenommen haben sollen.

Die meisten Dokumente beziehen sich dabei auf den Zeitraum nach 2007, als beide Seiten substanzielle Angebote in die Verhandlungen eingebracht hatten. Korei habe dem Protokoll zufolge im Juni 2008 gesagt, dass die Palästinenser erstmals solch ein weitgehendes Angebot unterbreiten würden. Im Oktober 2009 soll der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat Israel eine geografische Teilung der Altstadt Jerusalems vorgeschlagen haben, bei der Israel die Kontrolle über das jüdische Viertel und einen Teil des armenischen Viertels erhalten sollte. Im Jänner 2010 soll Erekat einem US-Diplomaten gesagt haben, das Angebot der Palästinenser bedeute, das Israel "das größte Yerushalayim (hebräisch für Jerusalem, Anm.) in der jüdischen Geschichte" bekommen würde, um den "schwierigsten Konflikt der Welt zu lösen". Außerdem hieße das Angebot, dass man sich auf eine symbolische Zahl für die Rückkehr der rund fünf Millionen palästinensischer Flüchtlinge sowie auf einen entmilitarisierten Palästinenserstaateinigen könnte. Den Dokumenten zufolge hat Israel laut Al-Dschasira in keinem Moment signalisiert, dass es das Angebot annehmen könnte.

Details

Al-Jazeera zitierte unter anderem Protokolle eines Treffen vom 15. Juni 2008 in Jerusalem. An dem Gespräch waren demnach die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice, ihre damalige israelische Amtskollegin Tzipi Livni sowie der ehemalige palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei und Chefunterhändler Erekat beteiligt. Korei soll laut Al-Jazeera vorgeschlagen haben, dass Israel alle jüdischen Viertel im arabischen Ostteil Jerusalem außer der Siedlung Har Homa annektiert. Erekat habe zudem mehrere Siedlungen im Bereich Jerusalems aufgelistet, auf deren Gebiet die Palästinenser verzichten könnten: French Hill, Ramat Alon, Ramat Shlomo, Gilo und Talpiot. Dort leben derzeit etwa 200.000 Israelis. Im Gegenzug hätten sie den Unterlagen zufolge israelisches Land verlangt, darunter einen Bereich nahe der Grenze zum Westjordanland. Außerdem sollen die Palästinenser eine vorübergehende internationale Kontrolle des Geländes der Al-Aksa-Moschee in Ostjerusalem vorgeschlagen haben. Es sollte demnach von den Palästinensern, Israel, den USA, Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien verwaltet werden, bis beide Seiten eine dauerhafte Einigung getroffen hätten.

Beim strittigen Thema Flüchtlinge seien die Palästinenser damit einverstanden gewesen, dass Israel über zehn Jahre hinweg jährlich 10.000 Flüchtlinge aufnehme, insgesamt also 100.000 Menschen, berichtete Al-Jazeera weiter. Bisher bestehen die Palästinenser auf einem Rückkehrrecht nach Israel für alle palästinensischen Flüchtlinge und ihre Nachkommen - das sind mehrere Millionen Menschen. Die Regierung in Jerusalem lehnt das als Bedrohung für den jüdischen Charakter des Staats ab. (fin/Reuters)

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