Styria-Chefs für Synergien bei "Presse" und "WirtschaftsBlatt"

24. Jänner 2011, 14:17
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Bretschko und Schweighofer haben an "iPad" noch keine großen Erwartungen - Ausbau des Digital-Geschäftes und eine weitere Expansion in Südosteuropa

 Die Vorstände der Styria Media Group, Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer, die seit dem Abgang von Horst Pirker den Konzern zu zweit führen, wollen bei ihren beiden Wiener Tageszeitungen Synergieeffekte nutzen. Das "WirtschaftsBlatt" zieht heuer noch in das selbe Haus wie "Die Presse", entsprechend müsse man dort auch Einsparungen erzielen können, sagten beide im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur. An das iPad als Allheilmittel knüpfen die Styria-Chefs noch keine großen Erwartungen, dafür verzeichneten sie 2010 eines der besten Jahre seit Bestehen des Konzerns.

Sowohl "Die Presse" als auch das "WirtschaftsBlatt" seien wirtschaftlich auf einem guten Weg und sollen auch künftig im Portfolio bleiben, versicherte Schweighofer. "Beide haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie immer besser abschließen als erwartet. Das erhoffen wir auch für die nächsten zwei bis fünf Jahre." Die "Presse"-Gruppe (inklusive "Presse am Sonntag" sowie "Presse" digital) habe im Jahr 2010 ein deutlich positives Ergebnis erzielt.

Allerdings würden "die großen Aufgaben" in beiden Häusern noch bevorstehen. Personelle Kürzungen schließt Schweighofer dabei zumindest nicht aus, wenn es auch noch keine konkreten Überlegungen dazu gebe. Zunächst werde erhoben, wo man bei einem künftigen gemeinsamen Standort von "Presse" und "WirschaftsBlatt" Spareffekte erzielen zu können. "Was ich sicher sagen kann ist, dass wir redaktionell getrennt bleiben müssen." Eine Zusammenarbeit sei beispielsweise in Anzeigenproduktion oder Bildbearbeitung möglich, sagte Bretschko.

Bretschko und Schweighofer haben an "iPad" noch keine großen Erwartungen

Im Hinblick auf das iPad, das im Vorjahr die Medienwelt in Aufregung versetzte, träumt man bei der Styria derzeit noch nicht vom großen Geschäft, erklärte Bretschko, wiewohl alle heimischen Tageszeitungen des Konzerns bereits mit einer eigenen Ausgabe für den Apple-Tablet erhältlich sind. "Ich glaube, dass es jetzt verfrüht wäre, da große Erwartungen dran zu knüpfen. Wichtig ist, dass man präsent ist und auch Erfahrungen sammelt. Aber ich glaube, dass weder wir noch andere in dem Bereich wirklich genau wissen, wie man das monetarisieren kann."

Auch in den USA sei dem anfänglichen Hype mittlerweile Ernüchterung gewichen, schilderte Schweighofer. So sei die Nutzung des iPad-Hype-Magazins schlechthin, der Conde Nast-Produktion "Wired", mittlerweile auf ein Fünftel zurückgegangen. "Das beginnt sich langsam einzupendeln. Auf der anderen Seite werden die Tablet-PCs eine stärkere Verbreitung bekommen." Aus Sicht der Verlage sei es jedenfalls wichtig, die Kunden daran zu gewöhnen, dass Content auf dem iPad kostenpflichtig sei.

Die Styria überlegt derzeit, an einen neuen Konzernstandort zu ziehen. Wien sei eine ernsthafte Überlegung gewesen, weil dort ein Großteil der Mitarbeiter konzentriert ist. Letztlich werde man aber in der Steiermark bleiben. Eine endgültige Entscheidung soll es im zweiten Quartal geben. "Die Wahrscheinlichkeit, dass neu gebaut wird, ist sehr hoch", sagte Schweighofer. Nicht zuletzt, weil man einen Newsroom brauche. 

2010 mit einem der besten Konzernergebnisse bisher

Das Jahr 2010 gestaltete sich für die Styria aus wirtschaftlicher Sicht überaus erfreulich, versicherten die Konzernchefs Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer. "Wir werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein sehr gutes operatives Ergebnis erzielen und wahrscheinlich auch eines der besten operativen Ergebnisse haben, die wir bisher hatten", sagte Bretschko. Mittel- und langfristige Ziele sind für die Styria ein Ausbau des Digital-Geschäftes und eine weitere, wenn auch etwas gebremstere Expansion in Südosteuropa.

Gerade das Auslandsgeschäft hat den Styria-Managern im Zuge der Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren eher Sorgen gemacht: "Im Ausland leiden wir sehr stark unter einer Konjunktur, die tendenziell sogar leicht rückläufig ist", räumte Schweighofer ein. "Wir sind dort zwar deutlich über 2009, haben unsere Ziele aber nicht ganz erreicht." Dennoch gebe es ein "sehr gutes positives Ergebnis in Kroatien", wo die Styria mit zwei Zeitungen Marktführer ist.

Weitere Zukäufe sind zwar in weitere Folge geplant, seit Beginn der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren trete man hier aber bewusst leiser. "Wir haben seit der Akquisition in Montenegro Anfang 2008 keine wesentlichen Schritte mehr im Ausland gemacht. Wir hatten damals auch unsere Fühler in Richtung Serbien ausgestreckt, haben uns damals entschieden, das 'on hold' zu setzen", sagte Schweighofer. Serbien bleibe aber genauso wie Bosnien-Herzegowina nach wie vor ein strategischer Zielmarkt.

Ausgebaut wird konzernweit jedenfalls das Digitale Geschäft, so Bretschko: "Im Digitalbereich sind wir zu schwach aufgestellt und haben einen Umsatzanteil, der einfach gemessen am Gesamtkonzernumsatz viel zu gering ist." Als Ziel habe man sich gesetzt, bis 2015 mindestens zehn Prozent des Konzernumsatzes aus Digitalaktivitäten zu erzielen. Derzeit liegt der Anteil bei drei Prozent. Dabei setzt die Styria vor allem auf Kleinanzeigenportale - in Österreich etwa "willhaben.at".

Kann man mit Nachrichten im Internet denn kein Geld verdienen? Bretschko argumentiert, dass man bei den Kleinanzeigenportalen bereits ein erprobtes Geschäftsmodell gefunden habe. "Im klassischen Newsbereich gibt es dieses Geschäftsmodell noch nicht. Der Unterschied besteht darin, dass die Kleinanzeigen-Portale viele Quellen gefunden haben, über die sie monetarisiert werden konnten."

Turbulenter Übergang

Der Übergang nach dem überraschenden Abgang von Konzernchef Horst Pirker im Vorjahr verlief aus Sicht der beiden Vorstände letztlich erfolgreich. "Der gesamte Übergang war natürlich sehr turbulent, weil es in Summe doch überraschend war, wie schnell das gegangen ist", sagte Bretschko."Jetzt nach gut vier Monaten kann man mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Übergang sehr reibungslos von Statten gegangen ist und wir keine gröberen Verunsicherungen mehr im Unternehmen spüren." Auch die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat verlaufe ohne Dissonanzen, betonten beide. "Wir haben auch nichts geändert, was wir nicht ohnehin vorhatten", so Schweighofer.

Dass sie Pirker als Konkurrent gegenüber stehen könnten, bereitet den beiden Styria-Chefs derzeit keine schlaflosen Nächte: "Wenn es drum geht, in einer Konkurrenzsituation zu sein, haben wir uns auch noch nie gescheut. Das ist sogar ein bisschen der Treibstoff für den Erfolg: Ein Umfeld, in dem man gefordert ist", sagte Schweighofer. Beide halten dies jedoch für unwahrscheinlich. "Bisher hat sich immer bewahrheitet: Je herausfordernder die Konkurrenz war, desto stärker sind wir geworden", zeigte sich Bretschko für den Fall des Falles dennoch zuversichtlich. (APA)

Nachlese
Der "Kurier" "muss" die Styria interessieren
- Die neuen Styria-Chefs Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer wollen den "Kurier" und ORF-Studios - "Presse" und "Wirtschaftsblatt" bräuchten noch Synergien

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