Büsten-Streit

Verwirrung um Unterschrift auf ägytischer Nofretete-Rückforderung

24. Jänner 2011, 14:55

Ministerpräsident Ahmed Nazif soll entsprechendes Schreiben aus Kairo unterzeichnet haben - Deutschland dementiert

Kairo - Ägypter fordert nun erstmals seit mehreren Jahrzehnten offiziell die Büste der Nofretete, das Glanzstück des Neuen Museums in Berlin, zurück. Das teilte zumindest das Kulturministerium in Kairo am Montag mit; ein entsprechender Brief sei bereits an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, geschickt worden. Ministerpräsident Ahmed Nazif habe die Forderung unterzeichnet, hieß es weiter.

In Deutschland sieht man das allerdings anders: Ein offizielles Ersuchen Ägyptens über die Rückgabe der Nofretete sei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nicht bekannt, sagte sein Sprecher Hagen Philipp Wolf.

Keine Unterschrift vom Ministerpräsidenten

Es gebe ein Schreiben vom 2. Jänner, adressiert an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es trage die Unterschrift des ägyptischen Chefarchäologen und stellvertretenden Kulturministers Zahi Hawass. sagte Wolf. Die darin formulierte Bitte um Rückgabe der Nofretete hätten aber weder der ägyptische Ministerpräsident noch andere Regierungsmitglieder unterzeichnet. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bestätigte den Brief aus Ägypten. "Das Schreiben ist nicht vom Ministerpräsidenten unterzeichnet", teilte Parzinger mit. Dagegen bekräftigte die Altertumsbehörde in Kairo, der Ministerpräsident habe unterschrieben.

Die weltberühmte Büste der Nofretete ist Publikumsmagnet im Neuen Museum in Berlin. Das vom britischen Stararchitekten David Chipperfield restaurierte Haus war erst im Oktober 2009 wiedereröffnet worden und lockte im ersten Jahr mehr als 1,2 Millionen Besucher an.

"Kein Rechtsanspruch vonseiten Ägyptens"

Hawass hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder die Rückgabe der berühmten 3.500 Jahre alten Gipsbüste gefordert. "In der Sachlage gibt es nichts Neues", betonte Neumanns Sprecher Wolf. Der damalige preußische Staat sei bei den Ausgrabungen in Ägypten Anfang des 20. Jahrhunderts durch sogenannte Fundteilung zum rechtmäßigen Eigentümer der Nofretete geworden. "Aus unserer Sicht gibt es deshalb keinen Rechtsanspruch vonseiten Ägyptens auf diese Büste", sagte er. Die Stiftung werde das jüngste Schreiben von Hawass in Abstimmung mit der Bundesregierung beantworten, ergänzte Wolf.

Die Haltung der Stiftung zu Nofretete sei unverändert, betonte Parzinger. "Sie ist und bleibt die beste Botschafterin Ägyptens in Berlin." Die Stiftung habe großes Interesse an einer guten Kooperation mit den ägyptischen Fachleuten.

Hawass spricht von Täuschung

Die Büste der Nofretete, Ehefrau des Pharaos Echnaton, hatte der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt 1912 in Tell al-Amarna ausgegraben. Chefarchäologe Hawass ist der Auffassung, Borchardt habe die Verantwortlichen in Kairo damals getäuscht. Er habe die Büste vor der Fundteilung mit Matsch eingeschmiert, um ihren Wert vor dem ägyptischen Antikendienst zu verbergen. Das inzwischen abgeschaffte Prinzip der "Fundteilung" bedeutete, dass die Hälfte der Fundstücke damals in das Land gingen, das die Ausgrabung finanziert und organisiert hatte, die andere Hälfte blieb in Ägypten.

Der Preußische Kulturbesitz bestreitet eine Täuschung. Die Objekte seien in Listen genau erfasst gewesen. Von den herausragenden Fundstücken hätten auch Fotografien vorgelegen. Zudem hätten damals die geöffneten Kisten zur Begutachtung der Objekte bereitgestanden. Im Auswärtigen Amt ist man der Ansicht, die zerbrechliche Dame sei rechtmäßiges Eigentum der Stiftung und müsse deshalb auch nicht zurückgegeben werden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte im vergangenen Mai während eines Besuches in Kairo versucht, die Ägypter davon zu überzeugen. (red/APA/dpa)

Kommentar posten
23 Postings
thomas 2
03
31.1.2011, 07:07
die Menschheit sollte froh sein dass solche wertvollen Funde in Europa sicher lagern!

Polizisten in Ägypten versuchten sogar, das Ägyptische Museum zu plündern

KomaPoster
03
25.1.2011, 12:44
Zahi Hawass ist er große Bremser bei der Erforschung der Pharaonenzeit.

Willkürliche Zutrittsbeschränkungen. In Kellern "verschwindene" Funde die einer Inventarisierung entzogen sind. Manipulaition der Veröffentlichungen, etc. Die Liste der Beschwerden über diesen Mann sind lang.

Jammerschade, das er es nötig hat, sich immer wieder marktschreierisch in Spiel zu bringen. Wir könnten der Altägyptischen Kultur und unserer Menschehitsgeschichte nicht besseres tun, als wenn endlich das wahre Alter der Spinx und vieler anderer Funde zugegeben würde. Wenn die Nachweise/Funde endlich seriös und wissenschaftlich und unvoreingenommen dokumentiert werden. Und damit allen klar wird, dass sie älter als die 6.000 Jahre sind die die Bibel erlaubt.

Rene Stangeler
02
25.1.2011, 00:36
Mich haben etliche andere

Ausstellungsstücke im Neuen Museum weitaus mehr beeindruckt als die Nofretete Büste. Aus welchem Grund das Fotografieren (ohne Blitz natürlich, mit Blitz würds ohnehin nichts bringen dass die Büste hinter Glas steht) konnte mir die Aufseherin nicht erklären.

Sollen lieber auf ihre Ausgrabungen im eigenen Land schauen, da gammelt einiges ungeschützt vor sich hin.
Gegen kleines Bakschisch erlauben die Aufseher (meist Männer im Greisenalter) selbst in den Gräbern im Tal der Könige das Fotografieren mit Blitz. Wurde selbst mehrfach aufgefordert Fotos zu machen, natürlich nur nach vorherigem Bakschisch.

das kleine Massnahmenpaket
02
25.1.2011, 12:37
Ein merkwürdiger Reflex aber schon in diesem Forum:

kaum steht ein renommierteres Kunstwerk, egal was es ist, im Zentrum der Aufmerksamkeit, regen sich auch schon irgendwo die Stimmen, die uns erklären, dass es eh nix wert ist...

trollvottel
03
25.1.2011, 10:40

a) Museumsbesucher sind rücksichtslos und unbegabt genug, um - sobald Mitführen eines Fotogeräts erlaubt ist - mit Blitz zu fotografieren, dabei das Werk zu schädigen und sich dann drauf auszureden, "die Kamera hätte versagt" oder sie hätten "vergessen" usw.

Blitzfotographie lässt sich leider nur verhindern, indem man ALLEN verbietet, Kameras überhaupt mit zu nehmen.

b) Vermutlich gibt's professionell fotografierte Aufnahmen von der Büste als Postkarte im Museumsshop.

Mathias
 
00
27.1.2011, 13:51
b) Vermutlich gibt's professionell fotografierte Aufnahmen von der Büste als Postkarte im Museumsshop.

Im Museumsshop gibt es dazu tolle Bücher. Die kosten nicht alle Welt, und wen das Thema wirklich interessiert, wird mit eigenen Fotos wenig anfangen können!

( https://smbkatalogshop.besucherdienst.org/Merchandi... seum/id/24 )

Infos zum Alten Museum:

( http://www.smb.spk-berlin.de/smb/stand... D=3313&n=1 )

German Son
 
111
24.1.2011, 22:52
Nur kein Neid...

Der Oberschreihals der ägyptischen Archäologie soll mal überlegen, welcher Standort für diese Büste der sicherere ist. Wenn Ägypten umkippt, ergeht es der Nofretete vielleicht wie gewissen Kunstwerken in
Afghanistan unter den Taliban. Das können wir dieser schönen Frau und dem Andenken an das einst große pharaonische Alte Ägypten nicht antun !!!
In APOdoitschland hat der Staat außerdem immer auch eine gewisse verfassungsmäßige (gegenüber deutschen Sachen eher saumäßige) "Fürsorgepflicht". Verstandewou ???

Jene Grüne Straßenkatze
01
24.1.2011, 23:04
...

Und was hat das mit Neid zu tun? Der Vorwurf des Neides weist auf ein unreifes Gemüt hin, sonst gar nichts.

superblau
 
42
24.1.2011, 21:45
dann reden wir mal mit Russland...

alle Kunstwerke aus Deutschland wieder zurück...(2ter Weltkrieg Beute), dann mit England: die Warburg Bibliothek aus warburg Cambridge...und und und...es gibt viel zu tun, macht mal...

Simplicius Simplicissimus
123
24.1.2011, 18:49
Ich bin dafür, ...

... dass sämtliche Funde dorthin zurückerstattet werden, wo sie geschichtlich hingehören. Im Gegenzug allerdings muss die Öffentlichkeit über alle, wirklich alle, Erkenntnisse und Funde, z.B. in der sog. "Cheops"-Pyramide, informiert werden. Und weshalb Tonnen Schutt aus ihr transportiert wurden. Weg mit der freimaurerischen Geheimniskrämerei! Außerdem: entlasst den Eliten-Gehilfen Hawass, dieses marktschreierische Waschweib!

das kleine Massnahmenpaket
00
25.1.2011, 12:34

nachlesen können Sie selbstverständlich alles, mit etwas Geduld. Vorausgesetzt Sie haben die Zeit dazu, hunderte und aberhunderte Bücher sowie die ziegeldicken Grabungsberichte durchzulesen.

Julian Casablancas
07
24.1.2011, 21:08

psycho

dajonny
00
24.1.2011, 19:18

stimmt, der Selbstdarsteller gehört weg!

rompitasche
22
24.1.2011, 15:35
Nofretete ist das Glanzstück des Museums?

oder doch ihre Büste?

Deutsche Sprak, schwere sprak

das kleine Massnahmenpaket
02
25.1.2011, 12:33
ellipse

nennt man das Auslassen von Satzteilen, aber auch die durch Auslassung entstandenen Sätze. Ein legitimes stilistisches Sprachmitte, das auf dem Prinzip beruht, dass sich die fehlenden Teile aus dem Kontext ergeben.

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
11
24.1.2011, 14:19

ich schmiere auch meine goldklumpen mit matsch ein um den zoll zu täuschen *ggg*

Archi
15
24.1.2011, 13:53
Ägyptologie könnte so toll sein,

wenn Zahi Hawass endlich in Pension ginge...

das kleine Massnahmenpaket
01
25.1.2011, 12:29

das wissen wir noch nicht, ob was besseres nach kommt

Archi
00
25.1.2011, 12:34

stimmt auch wieder, gerade Ägypten ist ja nicht gerade ein Hort der Unbestechlichen... :-(

Warentester
01
25.1.2011, 14:54

Sehen Sie die positiven Seiten. Hawass hat zumindest einen coolen Hut.

W. Müller
 
17
24.1.2011, 18:14
Hawass, ...

... die Paris Hilton der Archäologie.

Dirty Sanchez
 
06
24.1.2011, 13:09
Was dahinter steckt:

Zahi Hawass will einen stilechten Briefbeschwerer.

Der groBe Mann
01
24.1.2011, 16:14
Nö, er muss doch wo seinen Indy-Hut aufhängen, wenn er ins Bett steigt!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.