Kritik an Kohleindustrie wegen der Flut

23. Jänner 2011, 20:01
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Nach dem verheerenden Hochwasser der letzten Wochen sind zehn weitere australische Städte von Überschwemmungen bedroht

Canberra/Brisbane - Die Überschwemmung ganzer Stadtteile von Brisbane vor rund zwei Wochen hätte möglicherweise verhindert werden können. Zu diesem Schluss kommt die Tageszeitung The Australian. Die stufenweise Senkung des Pegels in einem Damm hinter der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland am 11. Jänner durch die Verantwortlichen sei "zur schlimmstmöglichen Zeit" vorgenommen worden, zitiert das Blatt nicht namentlich genannte Experten.

Kritiker glauben, die Behörden hätten die Schleusen des nach wochenlangen Regenfällen vom Überfließen bedrohten Wivenhoe-Dammes zu spät geöffnet und damit zum Ansteigen des bereits hohen Brisbaneflusses und der Überflutung von Teilen der Stadt beigetragen. Andere Kommentatoren sind der Meinung, die Anlage habe eine größere Katastrophe verhindert. Die Regierung von Queensland hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet.

Mit der Debatte hat in Australien die Suche nach möglichen Verantwortlichen für die Katastrophe begonnen. Der Chef der australischen Grünen, Bob Brown, stach in ein Wespennest, als er die Überflutungen mit dem Klimawandel in Verbindung brachte. Die Kohleindustrie sei mitverantwortlich für die Erwärmung der Erdatmosphäre, meinte er. Sie solle sich deshalb an den Kosten für die Schäden beteiligen.

Unterentwickelte Debatte

Australien ist der weltgrößte Exporteur von Kohle. Die Reaktion der Industrie auf Browns Bemerkung kam sofort. Es sei "unverantwortlich, ohne Beweise einen solchen Zusammenhang zu schaffen", meinte ein Sprecher. Die meisten australischen Zeitungen - allen voran die vom Verleger Rupert Murdoch kontrollierte Boulevardpresse - nehmen eine skeptische bis ablehnende Position ein, wenn es um die Frage geht, ob menschliche Aktivitäten zum Klimawandel beitragen. Entsprechend wenig fortgeschritten ist die Klimadebatte in Australien.

In den letzten Tagen hat allerdings eine ganze Reihe von Experten begonnen, die verheerenden Überschwemmungen auch mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Die jüngsten Niederschläge seien zwar das Ergebnis des natürlich vorkommenden Wetterphänomens La Niña. Die steigende Häufigkeit solcher klimatischer Entwicklungen sei aber eine direkte Folge der globalen Erwärmung, sagt etwa Will Steffen von der Australian National University. Und die Wasserpegel steigen immer noch: Nach weiteren schweren Regenfällen im südöstlichen Staat Victoria dürften sich die Wassermassen weiter ins Landesinnere bewegen.

Breiter See

Nordwestlich der Hauptstadt von Victoria, Melbourne, hat sich ein 90 Kilometer langer und 40 Kilometer breiter See gebildet. Bis zu zehn Städte könnten in den nächsten sieben bis zehn Tagen noch überflutet werden. 75 Ortschaften in Victoria sind bereits von den Überschwemmungen betroffen. Bisher starben 30 Menschen. In Queensland zerstörten die Überschwemmungen über 30.000 Häuser und verursachten allein in Landwirtschaft und Bergbau einen Schaden von rund 2,2 Milliarden Euro. (Urs Wälterlin/DER STANDARD-Printausgabe, 24.1.2011)

  • In Queensland zerstörten die Wassermassen 30.000 Häuser. Die australischen Grünen wollen nun über den Klimawandel diskutieren. Der spielte in der politischen Debatte bisher kaum eine Rolle.
    foto: epa/luis enrique ascui

    In Queensland zerstörten die Wassermassen 30.000 Häuser. Die australischen Grünen wollen nun über den Klimawandel diskutieren. Der spielte in der politischen Debatte bisher kaum eine Rolle.

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