Sunnitische Geistliche warnen Hisbollah

23. Jänner 2011, 19:24
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Bei Nominierung eines neuen Ministerpräsidenten

Beirut - Die geistigen Führer der Sunniten im Libanon haben die schiitische Miliz Hisbollah am Sonntag davor gewarnt, ihre Wünsche bei den Beratungen über die Besetzung des Postens des Ministerpräsidenten zu ignorieren. Am Montag sollen zweitägige Beratungen zur Nominierung eines neuen Regierungschefs beginnen. Bisher äußerte sich die Hisbollah nicht zu möglichen Kandidaten, schloss allerdings eine Nominierung des bisherigen Ministerpräsidenten Saad Hariri, ein Sunnit, aus. Der libanesische Regierungschef muss nach dem geltenden Religionsproporz sunnitischer Muslim sein.

Hariris Einheitsregierung war nach dem Rücktritt von zwölf Ministern der Hisbollah und ihrer Verbündeten am 12. Jänner zerbrochen. Den Rücktritten war ein Streit um die Unterstützung des internationalen Tribunals zur Untersuchung des Mordes an dem früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri vorausgegangen. Saad Hariri, der Sohn des Ermordeten, hatte sich geweigert, seine Unterstützung für das UNO-Tribunal wie von der Hisbollah gefordert einzustellen. Es wird damit gerechnet, dass in der Anklageschrift Mitglieder der Hisbollah, die in dem Tribunal ein "amerikanisch-zionistisches Instrument" sieht, als Drahtzieher des Attentats beschuldigt werden.

"Wir warnen davor, die Mehrheit der Sunniten und die Parlamentsmehrheit zu ignorieren", hieß es in der Erklärung der sunnitischen Geistlichen, die von Großmufti Mohammed Rashid Kabbani angeführt wurden. Nach einem Treffen erklärten sie, sie unterstützten Hariri, weil er die Mehrheit der Sunniten repräsentiere.

Vor zwei Tagen wechselte Walid Joumblatt ins Langer der Hisbollah. Er ist ein einflussreicher Führer der Religionsgemeinschaft der Drusen und möglicherweise der Königsmacher im libanesischen Parlament. Allerdings ist bisher unklar, wie viele Abgeordnete mit ihm die Seiten gewechselt haben. Die Regierung benötigt die Unterstützung von mindestens 65 der 128 Parlamentarier. Hisbollah und ihre Verbündeten halten 57 Mandate, Hariris Fraktion 60. (APA/dapd)

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