Die Lehre des Sex-Onkels

23. Jänner 2011, 18:05
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Marilyn Manson ist tief gefallen - Der ORF braucht die Quote und der böse Mann offenbar das Geld

Marilyn Manson ist tief gefallen. Der Mann mit dem aufwändig konstruierten Shockrock-Image, der immerhin ein bisschen Provokation in den Einheitsbrei des Pop-Mainstreams zu bringen vermochte, trägt in Österreichs öffentlich-rechtlicher Castingshow "Helden von morgen" ein paar schlüpfrige Scherze vor. Seine müde Attitüde "Schwarz tragen und Mädchen zum Sex überreden" bleibt, wir sind ja brav, natürlich unübersetzt.

Aber G'schäft is G'schäft: Der ORF braucht die Quote (mit 471.000 nach 413.000 in der Vorwoche weiterhin Mittelmaß) und der böse Mann offenbar das Geld. Und so muss der "schüchterne" Sex-Onkel mit dicker Brille über sich ergehen lassen, dass er als ehemals internationaler Pop-Adel vom g'standenen Kandidatenmadel, das ihn "eh gonz liab" findet, auf den Boden zünftiger, alpenländischer Provinz geholt wird. Sogar Kollege Sido aus dem deutschen Rap-Getto, der als Dauergast beim Teenie-Bewerten schon richtig assimiliert ist und Schmäh führt wie ein alter Bauer am Stammtisch, verirrte sich im Culture Clash mit dem deplatzierten Woody Allen des Shockrock hin zu peinlichen Gangster-Style-Scharmützeln.

Immerhin hatte der Kontrast zum Pop-Onkel hiesigen Zuschnitts, Rainhard Fendrich, einen gewissen Witz. Fendrichs dahinmenschelndes Werk und Mansons gequälter Beitrag ließen erahnen, was Aufstieg und Fall im Pop-Business aus den Menschen machen kann. Folgerichtig kam auch der beinahe weise Rat vom dunklen Sex-Onkel an die Singkinder: "Schafft es, die 15 Minuten Ruhm zu überstehen." Wenn Amercia's Worst Nightmare zu Austrians wurschtestem Nebendarsteller wird, sollte das dem Bühnennachwuchs eine Lehre sein. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 24.1.2011)

  • Marilyn Manson.
    foto: orf/schafler

    Marilyn Manson.

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