Schiavone gewinnt Marathon, Federer elminiert Robredo

23. Jänner 2011, 14:12
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Schweizer trifft im Viertelfinale auf Landsmann Wawrinka - Berdych und Djokovic sicher weiter

Melbourne - Die Damen haben am Sonntag, dem siebenten Spieltag bei den mit 18,5 Mio. Euro dotierten Australian Open, den Herren gleich mehrfach die Show gestohlen. Zunächst war es Caroline Wozniacki, die mit einer erfundenen Känguru-Geschichte die Journalisten an der Nase herumführte und sich dann dafür entschuldigte. Auf dem Platz wandelten Francesca Schiavone (ITA) und Swetlana Kusnezowa (RUS) auf den Spuren von John Isner (USA) und Nicolas Mahut (FRA), die in Wimbledon Geschichte geschrieben hatten.

Im längsten Damen-Match der Grand-Slam-Geschichte rang French-Open-Siegerin Schiavone, die kleine Italienerin mit dem großen Kämpferherz, ihre Gegnerin Kusnezowa nach 4:44 Stunden mit ihrem dritten Matchball mit 6:4,1:6,16:14 nieder. Sie selbst hatte sechs Matchbälle abwehren müssen. Allein der dritte Satz hatte exakt drei Stunden gedauert. Schiavone trifft im Viertelfinale auf Wozniacki. Isner hatte Mahut vergangenes Jahr in Wimbledon nach 11:05 Stunden Spielzeit mit 70:68 im fünften Satz bezwungen.

"Für mich persönlich war es wirklich fantastisch. Ich hoffe, dass ich die DVD eines Tages meinem Sohn zeigen kann", freute sich eine erschöpfte Schiavone nach dem Husarenstück in der Hisense-Arena. Mit dem Viertelfinaleinzug ist Schiavone neue Nummer 4 der Welt (was auch so bleibt, selbst wenn sie das Turnier gewinnt). Sie egalisiert damit die bisher beste italienische Weltranglisten-Platzierung bei Damen und Herren (nur Adriano Panatta war im August 1976 ebenfalls auf Platz vier gestanden). "Große Emotion. Ich habe gerade eine SMS bekommen - 'Danke, du bist Nummer vier'. Das ist sehr emotionell für mich."

Federer braucht vier Sätze gegen Robredo

Schiavone streute dem Publikum und Australien Rosen. "Ihr liebt den Sport, ihr seid eine großartige Nation. Ich möchte wirklich einmal ein Haus hier haben und in Melbourne leben", sagte Schiavone. Ihre Gegnerin gab nachher zu, dass sie teilweise nicht einmal mehr gewusst habe, wie es steht oder wer aufschlägt. Ob sie sich daran erinnere, jemals sechs Matchbälle ausgelassen zu haben? "Eigentlich bin ich froh, dass meine Erinnerung nicht so gut ist", antwortete Kusnezowa.

In der Folge qualifizierte sich Andrea Petkovic, die in der dritten Runde von der Aufgabe der verletzten Venus Williams profitiert hatte, erstmals in ihrer Karriere für das Viertelfinale. Die Deutsche bot gegen eine nicht in Höchstform agierende Maria Scharapowa eine starke Leistung und ließ der Russin beim 6:2,6:3 nur fünf Games. "Es war ein hartes Match, Maria ist solch ein Champion und am Ende war ich ein wenig nervös", sagte eine bestens Englisch sprechende Petkovic noch auf dem Court. Zur Feier ihres Erfolges hatte sie wieder ihren schon berühmten "Petko-dance" praktiziert. "Mein primäres Ziel ist es, gegen die großen Champions anzutreten und vielleicht eines Tages selbst einer zu werden", sagte die Deutsche. In Sachen Selbstvermarktung und Intelligenz hat sie schon so manchen Champion überholt.

Bei den Herren erreichten Titelverteidiger Roger Federer, der gegen Tommy Robredo einen Satz abgeben musste, Novak Djokovic und Tomas Berdych, also die Nummern 2, 3 und 6, letztlich sicher das Viertelfinale. Federer hoffte auf ein Viertelfinal-Duell mit seinem Freund und Landsmann Stanislas Wawrinka, der am Abend gegen Andy Roddick auf dem Platz stand, und sein Wunsch wurde erfüllt. Der wieder erstarkte Wawrinka ließ dem als Nummer 8 gesetzten, letzten US-Amerikaner im Herren- (und Damen-)Einzel Andy Roddick beim 6:3,6:4,6:4 keine Chance. Noch nie hat es ein rein Schweizer Duell im Viertelfinale eines Majors gegeben, Federer und Wawrinka haben 2008 gemeinsam Olympia-Gold im Doppel gewonnen. Das zweite fixierte Viertelfinale bestreiten Djokovic und Berdych. (APA)

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    Francesca Schiavone fliegt übers Netz und schreibt Geschichte im Damen-Tennis.

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