Zehn Tote nach Anschlagsserie in Bagdad

23. Jänner 2011, 11:00
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Geheimdienst vermutet Zusammenhang mit Gipfeltreffen Ende März

Bagdad - Eine Serie von Bombenanschlägen hat am Sonntag in Bagdad zehn Menschen das Leben gekostet, mehr als 30 wurden verletzt. Aus irakischen Geheimdienstkreisen verlautete, offenbar wollten Aufständische die Sicherheitslage vor dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Bagdad Ende März destabilisieren.

Die Anschläge begannen um 07.00 Uhr zu Beginn der neuen Arbeitswoche und zogen sich über drei Stunden hin. Die Polizei erklärte, mindestens zwei Autobomben seien detoniert, Ziel waren offenbar Polizeipatrouillen. Zwei Polizisten und ein Passant kamen ums Leben. Zwei weitere Menschen wurden getötet, als die Büros der Abwasserbehörde in der Innenstadt Ziel eines Anschlags wurden. Im nördlichen Vorort Kasimiya explodierte ein Sprengsatz in der Nähe iranischer Pilger in einem Bus. Ein Mensch kam ums Leben. Nördlich von Bagdad tötete in der Ortschaft Taji eine Autobombe einen Bauern und seinen Sohn, die gerade auf dem Weg zum Markt waren. Im Ort Tarmiya explodierte eine Bombe vor einer Schule und tötete zwei Buben.

Gipfeltreffen am 23. März

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes sagte, offenbar wollten Aufständische den Umstand ausnutzen, dass Ministerpräsident Nuri al-Maliki noch immer keinen neuen Innenminister ernannt habe. Außerdem wollten sie der internationalen Öffentlichkeit verdeutlichen, dass der Irak nicht in der Lage sei, während des Gipfeltreffens der Arabischen Liga die Sicherheit zu garantieren. Das Gipfeltreffen, das am 23. März beginnt, ist das erste im Irak seit 20 Jahren.

Nach den verheerenden Anschlägen auf schiitische Pilger vom Donnerstag nahmen die irakischen Sicherheitskräfte den mutmaßlichen Drahtzieher fest. Der Generalmajor Numan Dakhil erklärte am Samstag, bereits am Donnerstag seien kurz nach den Anschlägen Hinweise auf den Chef einer sunnitischen Miliz in der Stadt Hilla eingegangen. Er und ein Mitarbeiter seien festgenommen worden. Beide gehören den sogenannten Erweckungsräten an, die im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida auf der Seite der USA stehen. Sie beklagen jedoch, sie würden seitdem von der schiitisch dominierten Regierung im Irak  ignoriert. Bei den Bombenanschlägen waren 56 Menschen getötet worden.

Al-Sadr zurück im Iran

Unterdessen kehrte der radikale Geistliche Muktada al-Sadr nach einem kurzen Aufenthalt im Irak zurück in den Iran. Aus Kreisen seiner Anhänger verlautete, Sadr habe den Irak am Samstagmorgen verlassen. Er war erst vor zwei Wochen nach fast vier Jahren aus dem Iran zurückgekehrt. Im Irak traf er sich unter anderen mit dem Großayatollah Ali al-Sistani und Präsident Jalal Talabani. (APA/dapd)

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