Leitgeb traut Melzer auch Grand-Slam-Sieg zu

23. Jänner 2011, 09:58
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"Er hat das Tennis dazu; nichts ist unmöglich" - Zu Top Ten: "Hätte nicht geglaubt, dass es so schnell gehen wird" - ein Interview

Melbourne - Er sitzt bei jedem Einzel und jedem Doppel seines Schützlings in Melbourne unter den Zuschauern und hat am Sonntag schon den sechsten Sieg von Jürgen Melzer verfolgt. Manager Ronnie Leitgeb verrät im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur, dass er nicht geglaubt hätte, dass Melzer so schnell in die Top Ten kommen werde. Leitgeb hält auch einen Grand-Slam-Titel für den 29-jährigen Niederösterreicher durchaus für möglich.

Der nächste Schritt in diese Richtung soll am Montag, im zweiten Match nach 11.00 Uhr Ortszeit (01:00 Uhr MEZ), in der 15.000 Zuschauer fassenden Rod-Laver-Arena erfolgen: Melzer möchte im fünften Duell mit dem Favoriten Andy Murray (GBR-5) den ersten Sieg feiern und zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Grand-Slam-Viertelfinale erreichen. Leitgeb hat nach Thomas Muster nun auch mitgeholfen, dass der zweite österreichische Top-Ten-Spieler bei den Herren Realität geworden ist.

Jürgen Melzer ist heute ins Doppel-Viertelfinale eingezogen. Ist das auch am Montag gegen Andy Murray möglich?

Ronnie Leitgeb: "Ich glaube, dass es möglich ist, weil er hat sich wahnsinnig gesteigert in den letzten Monaten. Er ist voller Selbstvertrauen. Das sieht man auch in jedem Spiel. Er hat jetzt auch das Selbstbewusstsein, dass er das, was er trainiert hat, auch umsetzen kann. Er hat schon zweimal sehr knappe Partien gegen Murray gehabt, warum soll es diesmal nicht gehen?"

Wie stolz ist der Manager, dass Jürgen jetzt den "Melzer Slam" geschafft hat?

Leitgeb: "Ich bin sehr froh, weil der nächste Schritt erreicht ist und das schon sehr früh in diesem Jahr. Eigentlich war ja das Ziel für das Saisonende 2010 Top 20 und jetzt ist er Top Ten. Da kann man schon sehr stolz sein."

Muss man die Ziele für dieses Jahres jetzt neu definieren?

Leitgeb: "Ich habe von Anfang an gesagt, 2011 ist das Jahr des Stabilisierens. Er muss zeigen, dass er sich in dieser Liga behaupten kann und es schaut so, als ob er das auch schaffen kann."

Er hat jetzt noch keine Punkte zu verteidigen. Wird nicht in Paris (Vorjahres-Halbfinalist-Anm.) der Druck sehr groß werden?

Leitgeb: "Ich glaube, dass man das so nicht sehen darf. Ein Ranking setzt sich aus einer Saison zusammen und er wird über die ganze Saison gut spielen müssen, nicht bei einzelnen Turnieren. Das ist zu wenig."

Wie ist es möglich, dass sich Melzers Leistungs-Level dermaßen stabilisiert hat?

Leitgeb: "Es ist vor allem seine Bereitschaft, hart an sich zu arbeiten, und wenn er sich diese Bereitschaft erhält, dann kriegt er auch die richtigen Informationen von seinem Team, in welche Richtung die Arbeit gehen soll. Das macht dann letztlich den Erfolg aus."

Jürgen Melzer als zweiter Österreicher in den Top Ten. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?

Leitgeb: "Ich persönlich habe es auch nicht geglaubt, dass es so schnell gehen wird. Ich weiß, dass er das Potenzial dafür hat und das haben wir auch sehr lange diskutiert und besprochen, als unsere Zusammenarbeit begonnen hat. Jetzt gilt es die nächsten Schritte zu tun. Es war auch beim Tom (Muster-Anm.) genauso. Zuerst die ersten 100, dann die ersten 50, dann war er knapp an den Top Ten dran. Dann haben wir über den Winter hart gearbeitet und es sind die Top Ten gekommen."

Zaubert dieser magische Schritt in die Top Ten auch ein Grinsen ins Gesicht des Managers Leitgeb, weil dies ja für die Verträge nicht unerheblich sein wird?

Leitgeb: "Ja, das ist ein Folgeprinzip. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich die letzten 30 Jahre immer zuerst geschaut habe, dass das Sportliche stimmt. Und wenn die Leistung stimmt, dann wird man auch die Partner finden und haben, die gerne bereit sind, diese Leistung zu honorieren. Man darf ja auch nicht das Pferd von der falschen Seite aufzäumen."

Die unverschämt klingende Frage sei gestattet: Kann es sein, dass wir Jürgen Melzer auch einmal als Grand-Slam-Sieger sehen werden?

Leitgeb: "Warum nicht? Es trennen ihn jetzt noch vier Partien von einem Grand-Slam-Sieg und es haben ihn schon einmal nur zwei Matches von einem Grand-Slam-Sieg getrennt. Er hat das Tennis dazu; nichts ist unmöglich. Er hat einen guten Vergleich auch mit Nikolaj Dawydenko, der es geschafft hat, trotz Federer und Nadal das ATP-Finale (2009-Anm.) zu gewinnen. Warum soll der Jürgen das nicht schaffen?" (APA)

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