Gegen Agrarpolitik

Protest gegen Rohstoffspekulanten

22. Jänner 2011, 20:38

Agrarminister haben in Berlin exzessiven Spekulationen und Preisschwankungen auf den Agrarmärkten den Kampf angesagt

Berlin - Agrarminister aus 50 Ländern haben in Berlin exzessiven Spekulationen und Preisschwankungen auf den Agrarmärkten den Kampf angesagt. Sie sehen darin eine Bedrohung für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Am Rande der Grünen Woche in Berlin appellierten sie am Samstag an die G-20-Staaten, gegen Missbrauch und Manipulation von Preisen vorzugehen.

Die EU kündigte unterdessen Schritte gegen den Absturz der Schweinefleischpreise an, den der Dioxinskandal in Deutschland ausgelöst hatte. Währenddessen demonstrierten in Berlin Zigtausende Menschen für eine radikale Wende in der Agrarpolitik.

"Sehr guter Beginn"

Mit dem Beschluss eines gemeinsamen Kommuniques zum Thema Welternährung ging in Berlin der 3. Agrarministergipfel zu Ende. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) übergab das Papier am Samstagabend dem französischen Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire als amtierenden Präsidenten der G-20-Staaten. Le Maire nannte das Papier einen "sehr guten Beginn" für die gemeinsame Arbeit. Nun gelte es vor allem, die Preisschwankungen im Lebensmittelbereich zu bekämpfen. Auch müssten Gespräche mit den USA und China geführt werden.

Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (V) sagte bei dem Agrarministergipfel laut Aussendung, "wilde Spekulationen mit virtuellen Agrarwerten" seien "das Übel für unsere Bauern, aber vor allem auch für die Entwicklungsländer. Wir brauchen Transparenz und Ordnung und keine Wild-West-Mentalität". Die Landwirtschaft sei außerdem "massiv vom Klimawandel betroffen und muss sich daher auch massiv für den Klimaschutz einsetzen." Berlakovich forderte darüberhinaus, das europäische Lebensmittelmodell neu auszurichten. "Qualitätsorientierte Lebensmittelproduktion mit klarer Herkunftskennzeichnung ist das Gebot der Stunde."

In dem Kommunique bekennen sich die Landwirtschaftsminister an erster Stelle zu nachhaltiger und regionaler Erzeugung von Lebensmitteln. Der Handel damit müsse auf Regeln basieren. Die Unterzeichner zeigen sich "besorgt über exzessive Ausprägungen" von Spekulationen auf den internationalen Agrarmärkten. Darüber hinaus wird an die Verhandlungsführer der Welthandelsorganisation appelliert, einen baldigen und ausgewogenen Abschluss der Doha-Entwicklungsrunde anzustreben.

Nach offiziellen Schätzungen wächst die Weltbevölkerung von derzeit 6,9 Milliarden Menschen bis 2050 auf 9,1 Milliarden. Aigner warnte vor Hungerrevolten in ärmeren Ländern. "Die Ausschreitungen in Algerien und Tunesien haben ihren Grund auch in den steigenden Lebensmittelpreisen", sagte Aigner der Nachrichtenagentur dpa.

EU-Kommissar Dacian Ciolos hatte auf dem Podium "größere Transparenz" auf den Lebensmittel-Rohstoffmärkten und den dort stattfindenden Transaktionen gefordert. "Das wird dazu beitragen, jene auszuschalten, die nur kurzfristig spekulieren wollen", sagte er. Insgesamt aber entwickle sich die europäische Landwirtschaft "in Richtung Nachhaltigkeit". Gemeinsam mit einer Steigerung der Produktivität sei dies ein wichtiger Bestandteil der Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt.

Parallel zu den Tagungen protestierten in Berlin Zehntausende gegen die Agrarpolitik in Europa. Unter dem Motto "Wir haben es satt - Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten" zogen nach Veranstalterangaben 22.000 Menschen zum Teil mit Traktoren vom Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Getragen wurde die Veranstaltung von mehr als 120 Bauern- und Umweltverbänden, Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung und Gentechnik sowie von Eine-Welt-Gruppen. Die deutsche Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte vor den Demonstranten ein Ende der Massentierhaltung.(APA/dapd/dpa)

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Posting 1 bis 25 von 70
1 2
Otto Ottinger
 
00
25.1.2011, 13:49
die EU Agrarminister haben Blut an den Händen, nicht die Spekulanten ...

http://ef-magazin.de/2011/01/2... hungertote

Otto Ottinger
 
00
25.1.2011, 10:15
Berlakowitsch ist also nicht der einzige Realkommunist in einer konservativen (?) Regierung:

http://ef-magazin.de/2011/01/2... hungertote

das ist fix
00
24.1.2011, 12:21

Obama, Bernanke, Trichet & Co lassen Geld drucken, und dann werden die inflationären Folgen auf "die Spekulanten" geschoben.

Helmut Jiranek
00
24.1.2011, 11:28
Für eine ambitionierte Reform der gemeinsamen Agrarpolitik

http://www.reformthecap.eu/declaration-german

Hanns Ch.1
02
24.1.2011, 10:50
brandstifter als feuerwehr

eine dreistigkeit sondergleichen, wenn die eu agrarminister gegen ihrer eigene politik protestieren, ..
der raiffeisenknecht berlakovic hat doch mit seinen lobbyisten tausende kleinbauern hier in österreich auf dem gewissen, und seine freundchen kommen so billig an noch mehr grundbesitz und zocken subventionen ab, wo es nur geht, agrarindustrie in reinkultur,...
und wie blind ( und abhängig) müssen medienleute und journalisten sein, die dann die aktion in berlin das als protest gegen die herrschenden strukturen verkaufen (müssen),.....
allerdings habe ich wenig mitleid mit den bauern, denn sie haben ja ihrer henker selbst großgezogen,
und sind noch immer ein williges wahlvolk für die schwarzen bonzen.

warp.faktor
01
24.1.2011, 07:07
Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben ...

Demonstrieren und Petitionen, schöne Worte und Sonntagsreden ...

Aber die EU ist nicht die Lösung, sondern einer der großen Mitverursacher der Hungerkatastrophe.

Es ist der "freie" Markt (frei von Kontrolle und Regulierung), der dazu führt, dass EU-Konzerne in Hungergebieten riesige Agrarflächen "kaufen" und Lebensmittel von dort in die EU exportieren ("Landgrabbing").

Nahrungsmittelspekulation ist ein Verbrechen wie Geldwäsche und Menschenhandel. Der freie Kapitalmarkt - das "goldene Kalb" der neoliberalen EU ist der Zuhälter.

Dank "freiem" Markt kann die Nahrungsmittelproduktion schon 2020 mit der Bedarf nicht mehr mithalten.
http://www.heise.de/tp/r4/art... 048/1.html

tolito
 
10
24.1.2011, 00:50

reglementieren wird man hier nicht mehr können, da die globalisierung, schon lang über mögliche intervention seitens der politik, drübergefahren ist. eine möglichkeit wäre, dass konsumverhalten jedes einzelnen zu überdenken, z.b die industriestaaten produzieren ca 200% lebensmittel für den markt ca. 100% davon landen im müll, ergo gezielterer konsum reduzierte nachfrage, weniger spekulation. letztendlich sind wir eigenverantwortlich für die dinge die um uns herum geschehen. mfg

ravenna
01
24.1.2011, 00:53

100% der 200% landen im Müll? :-)

Springender Jakob
00
23.1.2011, 21:08
Ja, dieser Protest wird die US-Investmentbanker nun wirklich zum Innehalten bewegen.

Sie werden blitzartig aufhören mit dem Spekulieren, werden all ihre zuletzt gekauften Lagerhäuser, Reedereien und Produktionsbetriebe den Armen und Bedürftigen spenden.

ravenna
01
24.1.2011, 00:54

Bitte nicht über die "US-Investmentbanker" lästern. Jeder österreichische Aktienfonds-Besitzer ist aktiv am großen Spekulationsspiel beteiligt.

Farinelli
10
23.1.2011, 19:25
so läufts auf unserer welt....

http://hinterderfassade.co.cc/

her wig
06
23.1.2011, 18:34
Parasiten

Gemäß der Markttheorie kommen auf einem Markt Angebot und Nachfrage nach den Gütern zusammen, und dadurch passiert die dynamische Preisfindung.

Von Parasiten, welche das Geld haben um sich in das Marktgeschehen einzumischen, das Angebot kurzfristig künstlich zu verknappen und von den resultierenden Preissprüngen zu profitieren war da nie die Rede.

Ein klarer Fall für die Marktaufsicht. Es geht nicht nur darum den Wettbewerb sicherzustellen, man muss auch solche Markt-Parasiten aufdecken und bekämpfen!

x-tron
00
24.1.2011, 07:50
Die Parasiten sind schon beschrieben,

das sind lediglich im Sinne der Wirtschaftstheorie rational handelnde Marktteilnehmer.
Vernachlässigt werden eine Menge andere Dinge, beispielsweise dass es keine vollständige Information gibt.

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
06
23.1.2011, 18:06
Nebelkerzen!

Drucke Geld wie irre- und wenn die Preise zu steigen beginnen, vergiss nicht, irgendwelchen "Spekulanten" die Schuld zu geben, dann kommt man dir nicht so schnell dahinter.

bebop
13
23.1.2011, 16:16
Die miesesten Manipulationen stammen von den Agrarkasperln mit den Subventionen.

ranchorelaxo
11
23.1.2011, 14:05
?

woher sollten die eu-agrar kasperln so plötzlich rückgrat haben?

Ulrich Nagel
31
23.1.2011, 13:21
Hmm ab jetzt taeglich schnitzel und spareribs

Gut, dass endlich die Schweinefleischpreise fallen.
Zu mittag spareribs und am abend schnitzel und umgekehrt.

¦¦¦¦:_?_:¦¦¦¦
00
23.1.2011, 15:46

ich glaube das kann man sich sparen.

Walter Bimini
116
23.1.2011, 12:30
solange die zentralbanken die papierwährungen entwerten, werden die lebensmittelpreise steigen und nicht nur die.

alpentiger
34
23.1.2011, 11:10
So lange Pharmariesen einerseits Düngemittel und Genmanipulatoren ....

herstellen und andererseits die daraus entstehenden Krankheiten durch ihre Produkte bekämpfen dürfen, darf man sich wundern, dass es Spekulationen gibt.

Dieser Zopf müßte unter der Kopfhaut abgeschnitten werden. Das sind wir bei der täglichen Nahrungsmittelauswahl, bei der Wahl des Lieferanten und beim Vorbild bei unseren Kindern.

Einer der größten Marktmanipulatoren in Österreich ist das Giebelkreuz samt Bauernbund.

wenig
00
23.1.2011, 15:28
Gut erfasst!

Die Giftmischer und Profiture sind die selben die, die Mittelchen gegen ihr Gift verkaufen.

Manche Medikamente haben z.B. erheblich schädigende Nebenwirkungen und die selben Pharamakonzerne das einzige Patent für Medikamente gegen diese Nebenwirkungserkrankungen.

Viele Patienten leiden nur unter den verordneten Giftcocktails oder versterben daran.

oblomow II
11
23.1.2011, 16:59
die steigende

lebenserwartung ist ein unbeeinflusstes evolutionäres geschehen.

sie haben es erfasst

wenig
10
24.1.2011, 01:31

Die steigende Lebenserwartung ist auch eine weit verbreitete Lüge.
Die gibt es nur für Reiche.

Rumo von Zamonien
13
23.1.2011, 11:06

Wäre schön wenn was EFFEKTIVES rauskommt und wirklich gegen diesen Abschaum vorgegangen wird...

Am besten mit nassen Fetzen.

amber103
21
23.1.2011, 10:19
Die Manipulation der Märkte

Die Subventionen haben die Ursache in der stark regulierten Landwirtschaftspolitik der Nachkriegszeit. Um eine möglichst preisgünstige Lebensmittelproduktion zu ermöglichen, wurden fast alle Preise festgelegt, die Absatzmengen garantiert. 1954 lagen z.B die Preise in Österreich für Weizen nominell bei 175€/t 2009 bei 100€/t. Auch weltweit gibt es starke Interessen für niedrige Agrarpreise.

Die Konsumenten bekommen heute Lebensmittel, die unterhalb des Weltmarktpreisniveaus erzeugt wurden, aber gleichzeitig höchste Qualitäts- Umwelt- und Sozialstandards einhalten sollen.

Spekulation auf Agrarmärkte war noch nie ein Problem, da die Produkte nicht länger Haltbar sind, und Monate später auf den Markt müssen.

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