Cuche in Klammer-Dimension: Vierter Sieg

22. Jänner 2011, 17:43
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36-Jähriger Schweizer gewinnt auf der Streif überlegen vor Miller und Theaux - Scheiber als bester Österreicher Vierter

Kitzbühel - Nächster Streich von Didier Cuche: Der Routinier gewann am Samstag zum vierten Mal die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel. Cuche lag am Ende deutlich vor Bode Miller (0,98 Sekunden zurück) und dem Franzosen Adrien Theaux (1,18), der Mario Scheiber noch vom Podest der besten Drei verdrängte. Der Osttiroler war als Vierter (1,36) bester Österreicher. Die Siegesserie der Schweizer auf der Streif dauert damit weiter an, in den letzten vier Jahren war jeweils ein Eidgenosse der Schnellste. 2009 hatte Didier Defago kurzfristig die Cuche-Festspiele unterbrochen.

Cuche zog mit Franz Klammer gleich, der bisher den Rekord von vier Abfahrtssiegen in Kitzbühel hielt. Der 36-Jährige ist nun auch der älteste Athlet, der jemals ein Weltcuprennen gewinnen konnte (bisher war das der Liechtensteiner Marco Büchel/Super-G in Kitzbühel 2008). Für Cuche war es der insgesamt fünfte Sieg in Kitzbühel, im Vorjahr hatte er auch den Super-G gewonnen.

Michael Walchhofer, der 2006 als bisher letzter Österreich auf der Streif siegreich war, stürzte im Mittelteil - blieb aber unverletzt. Für den Salzburger war es das letzte Antreten in Kitzbühel, er wird am Saisonende seine Karriere beenden. Er verlor auch das Rote Trikot des Abfahrtsweltcupführenden an Cuche. Wengen-Sieger Klaus Kröll ("Sobald es so unruhig ist, komme ich nicht ins Fahren und kämpfe mit der Linie") beendete das Rennen als Neunter, Romed Baumann ("Ich wollte am Oberhausberg riskieren, habe das dann aber nicht richtig geschafft") folgte als Zehnter. Georg Streitberger klassierten sich ex aequo mit Ivica Kostelic auf Rang elf, dem Kroaten dürfte der Sieg in der klassischen Hahnenkamm-Kombination damit kaum noch zu nehmen sein.

"Es tut nicht weh, dass wieder ein Schweizer gewonnen hat, Didier war heute eindeutig der Beste." Dass keiner seiner Athleten unter den besten Drei war, geriet für ÖSV-Sportdirektor Hans Pum zur Nebensache. Er gratulierte Didier Cuche zu seiner sensationellen Fahrt und seinen Fahrern zu ihrer Leistung. "Das Wichtigste ist, dass es Hans Grugger bald besser geht", formulierte Pum die Gefühlslage im österreichischen Lager.

"Sein Sturz steckt bei uns doch etwas in den Gliedern", meint  und hob das Auftreten seiner Sportler unter so schwierigen Bedingungen hervor. "In meinen Augen haben die Burschen Sensationelles geleistet. Man sieht, dass sie Menschen sind." Der schwer verletzte Grugger liegt nach seinem Trainingssturz am Donnerstag auf der Intensivstation der Innsbrucker Klinik im künstlichen Tiefschlaf.

Auch am Samstag sorgten mehrere Stürze für Schrecksekunden. Am schlimmsten erwischte es den Italiener Siegmar Klotz, der an der Hausbergkante ausgehoben wurde und hart auf der Piste aufschlug. Er musste mit dem Helikopter geborgen werden und erlitt ein leichte Gehirnerschütterung, eine Nackenprellung und einen Bruch im linken Handgelenk. Auch der Österreicher Joachim Puchner sah das Ziel nicht, er verlor im Steilhang den rechten Ski. Der Salzburger war als Läufer unmittelbar nach Klotz abgewunken worden und fuhr ein zweites Mal.

"Ich dachte, das ist es nicht dieses Jahr. Ich hatte einen Fehler vor dem Steilhang, und am Start habe ich den rechten Stock verloren, ihn dann aber wieder gefasst. Das war kein optimaler Start", sagte Cuche nach seinem 15. Weltcupsieg im Ziel und dankte Skifirma und Servicemann. Doch Cuche bot eine sensationelle Leistung, speziell die Mausefalle nahm er in bestechendem Stil - mit beiden Stöcken unter den Achseln. "Wenn man die Kurve vorher gut fertig fährt, kann man sich sich gut vorbereiten zum Springen. Das ist eine Spezialität von mir, ich fühle mich wohl in der Luft. Man sagt immer, so lange man in der Luft ist, passiert nichts. Es macht Spaß, wenn man schnell ist, aber der Grad ist so schmal. Ich denke dabei an Hans", kommentierte der Schweizer.

Scheiber war ein "sehr zufriedener" Vierter, dasselbe Resultat hatte er auch im Vorjahr erreicht. Aber eigentlich war ihm das Resultat nicht wirklich wichtig: "Es ist an diesem Wochenende ziemlich wurscht. Es war heute sehr schwierig für mich, die Mausefalle bin ich mit Handbremse gefahren, dann, als ich die schreckliche Stelle überwunden hatte, habe ich Gas gegeben."

Michael Walchhofer, blieb bei einem Sturz im flachen Gelände unverletzt. "Es war die Rechtskurve vor der Seidlalm, ich wollte in voller Position durchfahren, dann hat es geschlagen und mich hinten reingedrückt. Das Netz kam immer näher. Ich konnte mich nur noch hinfallen lassen. Im Grunde ein Anfängerfehler", sagte der Salzburger. "Jetzt muss ich in Garmisch einiges gut machen", richtete er den Blick bereits auf die Weltmeisterschaft. Im  Abfahrtsweltcup liegt er mit 269 Punkten nun auf Platz drei hinter Cuche, der 279 Punkte auf dem Konto hat, sowie dessen Landsmann Silvan Zurbriggen (270). 

"Kenne mein Limit"

Vor seinem Heimpublikum auf dem Lauberhorn in Wengen hat Cuche nie gewinnen können, die Streif hingegen wird zum Hausberg für ihn. "Es ist schwer zu erklären, warum es hier so gut läuft. Eine Sache ist sicher, dass ich hier noch nie gestürzt bin. Ich will gar nicht überlegen, wie es ist, wenn man stürzt und hier wieder an den Start geht. Ich überschreite auch das Limit nicht, ich bewege mich sehr nahe heran, aber in meinem Alter habe ich viel Erfahrung und weiß, wo mein Limit ist, was ich tun kann."

Wie lange er noch fahren werde, das könne er noch nicht sagen. "Wenn ich es am Saisonende nicht weiß, dann mache ich mit dem Training weiter. Und wenn ich es im Herbst immer noch nicht weiß, dann fahre ich die Saison durch." Doch zuerst kommt sowieso die WM: "Ich fühle mich gut, ich fahre auch gut Ski. Ich habe in dieser Saison ein bisschen gebraucht, bis ich gewonnen habe. Ich hoffe, dass ich einen positiven Schwung mitnehmen kann in diese zwei, drei Wochen in Garmisch." (red)

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    Didier Cuche...

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    ... am Hausberg, das Ziel schon im Blick.

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    Und auch das Finish gelang in perfekter Haltung.

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