EU-Asylpolitik

Gerechtigkeit - oder Zäune bauen

21. Jänner 2011, 20:20

Nach dem Straßburger Entscheid steht die EU-Flüchtlingspolitik am Scheideweg - von Irene Brickner

Den tausenden Flüchtlingen aus der ganzen Welt, die derzeit ohne reguläres Auskommen und oft auch ohne Obdach in Griechenland dahinvegetieren, nutzt der Spruch der europäischen Menschenrechtsrichter, dass Abschiebungen dorthin unterbleiben sollen, zwar nur bedingt. Ihnen wird vor allem Geld und Know-how, sprich die Aufbauhilfe der EU - darunter Österreichs -, für ein funktionierendes Asylsystem an der Ägäis helfen.

Doch als zusammenfassende Fachdiagnose mit Hinweis auf den richtigen Therapieansatz, um das Flüchtlingswesen in der Europäischen Union menschenrechtskonformer und menschlicher zu gestalten, kann der Straßburger Entscheid allemal gelten. Für den Fall, dass die potenziellen Therapeuten - die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten sowie die zuständigen Gremien der Union - die Gelegenheit wahrnehmen und als Chance erkennen. So wie es António Guterres, UN-Hochkommissar für Flüchtlingsfragen, im Standard-Interview anregt.

Denn nach dem Griechenland-Spruch des Menschenrechtsgerichtshofs, der wohl in absehbarer Zeit durch einschlägige Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg ergänzt werden wird, befindet sich Europas Flüchtlingspolitik an einem Scheideweg. Zur Diskussion - und damit zur Disposition - steht das EU-weite Dublin-II-System. Es schiebt den EU-Grenzstaaten allein die Verantwortung für Flüchtlinge zu, weil jenes Land, in dem ein Flüchtling die EU betritt, für dessen Asylverfahren zuständig ist.

Die Frage lautet: Geht die Reise weiter zu einem - wie es der- zeit am türkisch-griechischen Grenzfluss Evros angedacht ist - Außenzaun- und Flüchtlingsabwehrsystem, das es Kernstaaten der Union wie Österreich ermöglicht, sich aus der Affäre und Verantwortung zu ziehen? Oder gelingt es, trotz eifersüchtig verteidigter nationaler Eigeninteressen und der bei Regierenden aller Staaten großen Angst vor ausländerfeindlichen Wählern, zu einer neuen europäischen Einigkeit zu gelangen? Ziel sollte sein, die Flüchtlinge gerechter als bisher in den Mitgliedstaaten zu verteilen - und ihnen diesbezüglich auch Mitspracherechte zu geben.

Was Letzteres betrifft, hat die EU-Kommission in der Vergangenheit bereits wichtige Vorschläge unterbreitet. Vorschläge, deren Umsetzung nationale Hardliner wie Österreichs Innenministerin Maria Fekter schon im Ansatz ablehnt.

Denn Fekter profitiert innenpolitisch von der bisherigen, ungerechten Situation. Ermöglicht diese ihr doch, mit der Vision eines asylwerberfreien Österreich zu spielen: einer de facto unrealistischen Vorstellung, die politisch für Teile der ÖVP jedoch opportun ist, da sie die Volkspartei für den rechten Rand wählbar macht. Aus diesem Grund ist die Zustimmung zum Dublin-II-Abkommen, wie es derzeit (noch) ist, in Fekters Stab beachtlich: In der Dublin-Logik sollte es in Österreich eigentlich nur mehr vereinzelte Asylanträge geben, denn ohne durch einen anderen EU-Staat zu reisen komme man nur per Flugzeug ins Land, meinte kürzlich etwa einer ihrer Berater.

Solchen Wortmeldungen, die ein unsolidarisches System der Flüchtlingspolitik befürworten, stehen im heutigen Europa supranationale Kräfte entgegen. Das Straßburger Menschenrechtsgericht ist eine davon, die EU als Institution eine andere. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es ihnen gelingt, flüchtlingsfeindliche Kleinstaaterei zu überwinden. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 22./23.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
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sepp schilehrer
27
25.1.2011, 10:19

Frau Bricknerin, ich weiss schon dass es Ihre Logik ist, allen denen es schlechter wie uns geht, die Einreise nach Europa zu ermöglichen, damit wir endlich unseren Wohlstand nach unten nivellieren können.

Sie und allen anderen Rainers und Wolfs aus den schicken Villenvororten wird das ohnehin nicht betreffen.

Ich bin trotzdem der Meinung, dass 9 von 10 "Asylwerbern" Wirtschaftsflüchtlinge sind und schleunigst in ihre Heimatländer zurückgeführt werden sollten.

Die überwiegende Mehrheit der ÖsterreicherInnen denkt übrigens auch so.

jaae
20

ist zwar schon lange alt, sollte aber trotzdem nicht unwidersprochen werden. was "die überwiegende mehrheit der österreicherInnen denkt" wissen sie ganz bestimmt nicht.

alpentiger
10
23.1.2011, 17:39
Wünschen darf man sich, dass endlich Fakten zählen ....

Das Florianiprinzip der EU muss ebenso zu Ende sein, wie das hilflose Agieren der innenpolitischen Machtmeier. Und das wissen wir seit 10 Jahren. Alle Staaten inklusive und insbesondere das den sozialistischen Gerechtigksvorstellungen oder der konservativen christlichen Nächstenliebe dahinsudernden Österreich müssen erkennen, dass die Asylfrage nicht durch Aussperren und nicht durch Einsperren gelöst werden kann.

Gibt es in Österreich keine politische Kraft, die eine ehrlich den Menschenrechten würdige pragmatische Lösung zumindest für die "aufgestauten" Asylfälle durchsetzt. Das würde Raum zum Denken und Regulieren schaffen. Mit derzeicht ca. 16000 Altfällen wird in unwürdiger Weise mit Ping-Pong politische Kleinmünzerei betrieben!

FedericoSec
00
23.1.2011, 13:34
Gerechtigkeit

Was ist Gerechtigkeit?

Freie Welt
34
23.1.2011, 12:41
Immer wieder stelle ich fest:

Wir sind allesamt Schrebergärtner.
Gerne darf des Nachbarns Apfelbaum über meinen Zaun wachsen.
Aber wehe, wehe, des Nachbarns Dornenbusch wächst darüber...

Im Grunde sind wir in Europa schlicht daran interessiert, unseren Wohlstand und unser gewohntes Umfeld zu verteidigen. Alles andere ist entweder ungemütlich oder macht uns sogar Angst.

So lange sich das nicht ändert, sehe ich wenig Hoffnung, dass sich ernst gemeinte Solidarität in Europa mehrheitlich durchsetzen kann.

sepp schilehrer
12
25.1.2011, 10:20

Einen Wohlstand, den wir uns aber hart erarbeiten.....

Zumindest die Meisten von uns.

wol
02
23.1.2011, 18:15
Was sollen wir denn sonst machen???

Ist es böse, den eigenen Wohlstand verteidigen zu wollen? Was wollen Leute wie du eigentlich? Uns hier alles wegnehmen und den Asylanten geben?

Hellcat
07
23.1.2011, 11:25

Schön, dass auch Frau Brickner erkannt hat, dass eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge wichtig wäre.

Wenn dann aber gelegentlich eine tschetschenische Familie aus Österreich (15.000 Asylanträge pro Jahr, 3.000 anerkannte Flüchtlinge) nach Polen (7.000 Asylanträge pro Jahr, 200 anerkannte Flüchtlinge, bei 5facher Bevölkerung) abgeschoben werden soll, was insbesondere zu einer gerechteren Verteilung der Psychiatriekosten führen würde, dann hört sich das immer ganz anders an.

gwendo
115
23.1.2011, 05:22
zur rot-gruen-strich-verteilung

ich komm grad nach hause und frage mich (nicht zum ersten mal), welche leute sich neuerdings hier im forum herumtreiben. die krudesten meldungen werden am besten bewertet. schlussfolgerung: die F hat ihre trolle ausgeschickt.
gute nacht.

parapente
00
23.1.2011, 15:04
Ja,

schlaf ruhig weiter!

Lechner Franz
 
113
23.1.2011, 11:14
Könnte es aber nicht auch sein, dass ...

selbst schon im Forum des linksliberalen Standards eine zusehends wachsende Zahl von Postern den massenhaften Asylmissbrauch satt hat und sich nicht fortgesetzt von der Asylindustrie für dumm verkaufen lassen will? Für meine Person kann ich jedenfalls eine genügende Distanz zur FPÖ verbürgen.

sepp schilehrer
00
25.1.2011, 10:21

Diesem Posting schliesse ich mich vollinhaltlich an....

kakophobikerin
41
23.1.2011, 13:57

ich hab auch schon langsam den wachsenden asylmissbrauch von raunzenden österreichern satt.

Wicked Vienna
32
23.1.2011, 12:58

Könnte es sein das nur gestricht und gepostet wird, statt sich mit dem gelesenen auseinander zu setzen ?

mistvieh666
 
04
23.1.2011, 12:32

mir persoenlich gehts gar nicht mal so um den asylmissbrauch sondern um politische korrektheit die sich in goettlicher harmonie in die tradition pietistischer scheinheiligkeit irgendwelcher betschwestern einordnet.
was lernt man draus: von mir aus soll man in der schule katholische orthodoxie oder marxismuskunde unterrichten, alles, nur bitte keinen ethikunterricht.

Revan
108
22.1.2011, 21:32

Viele scheinen hier nicht zu begreifen, dass es reiner Zufall ist wo man geboren ist.

Geburt und somit Staatsbürgerschaft ist keine Leistung, sondern Glück oder Pech.

Deshalb widerspricht sich eine Gesellschaft, die einerseits Marktwirtschaft betreibt und davon spricht leistungsgerecht zu sein (Leistung muss sich wieder lohnen), aber gegen Zuwanderung ist.

Wer für die Gerechtigkeit, basierend auf Leistung, ist, der/die muss konsequenterweise auch für freien Personenverkehr und gegen staatsbürgerliche Rechte und gegen Erbschaft sein.

Freie Welt
10
23.1.2011, 12:44
Bei der Erbschaft stimme ich ihnen zu

Das Erbrecht würde ich ersatzlos streichen und das Vermögen Verstorbener ausnahmslos dem Staat zukommen lassen.
Aber mit dieser Meinung habe ich sogar die Kommunisten gegen mich...

naja2009
 
00
23.1.2011, 17:40
...tolle Einstellung...

Sie sind ein Teil Staat.Hinterlasse Ihnen Schulden,das andere habe ich rechtzeitig schon verschenkt.Viel Spass und brav zurückzahlen,wem auch immer!

naja2009
 
00
23.1.2011, 17:30
...kein Problem..

in dem Fall wird es für den Staat nichts zu erben geben.Bin ein schenkungsfreudiger Mensch.

mistvieh666
 
13
23.1.2011, 12:42

sehr gut.
und jetzt ziehen sie bitte die konsequenz aus dem was sie so sagen und wandern nach - sagen wir somalia - aus.
damit geben sie einen teil ihres ungerechten geburtsprivilegs ab. und moralisch gefestigte persoenlichkeiten braucht man dort ganz sicher.

saunaecho
720
22.1.2011, 17:39
Asyl-RECHT abschaffen ?

Derzeit haben einige hundert Millionen Menschen in den Unrecht- und/oder Chaos-Staaten das "Recht" bei uns als Asyl-Werber versorgt zu werden. Wenn sie es schaffen mit Hilfe der wachsenden Schlepper- und heimischen Mitleids-Industrie ins Land zu kommen. Durch den Schneeball-Effekt der vorhandenen Parallelgesellschaften werden immer mehr Verwandte angezogen. Also müssen wir ehrlich sein und das technisch/wirtschaftlich "unmögliche" Recht auf Asyl abschaffen. Jeder Staat ist doch zuerst nur für seine eigenen Bürger verantwortlich.

RichardRoe
00
23.1.2011, 13:23

Sie scheinen nicht zu begreifen oder auch nicht begreifen zu wollen, dass die Gewährung von Asyl jahrtausendealte Sitte ist und nun halt in Form von niedergeschriebenen Menschenrechten und Gesetzen vorliegt.

'Asyl' hat sich in der menschlichen Geschichte so lange erhalten, weil es eben keine einseitige Angelegenheit ist, wie Sie als blanker Egoist vermuten, sondern ist aus der Einsicht entstanden, dass das, was heute anderen passiert, morgen schon einem selbst geschehen kann.

Sie wissen ja gar nicht, was noch alles passieren kann - Sie *glauben* halt, dass Sie sicher sind und niemals in Ihrem Leben Asyl brauchen werden. Kann sein, dann ist das Glück mit Ihnen. Kann auch nicht sein.

Ernst Guevara
41
23.1.2011, 12:26
hihi

wo kann ich mich melden, um mit derartigen irren verschwörungstheorien indoktriniert zu werden? lernt man das heute in den kaderschulungen des FPÖ-politbüros?

Okzitanier
117
23.1.2011, 00:31

Ich bin mir sicher, solche Ansichten hätten vor 70 Jahren z.B. in den USA auch weite Verbreitung gefunden, wenn von den "politischen Flüchtlingen" aus Europa die Rede war.

Die Geschichte ist unberechenbar; die Sicherheit und der Wohlstand Europas nicht für alle Ewigkeiten einzementiert. Schon aus Eigeninteresse und im Interesse unserer nachfolgenden Generationen sollten wir einen National-Egoismus, wie er von Ihnen gefordert wird, als das bezeichnen, was er ist: menschenverachtend und gefährlich.

Zumal Europa und seine heutige (!) Politik maßgeblich daran beteiligt ist, dass Millionen von Menschen etwa aus Nordafrika zur Emigration gezwungen werden.

Scheint Ihnen aber egal zu sein. Schade.

Der, der es besser weiß
00
23.1.2011, 18:24

Die Juden wurden als Verfolgte damals ja wirklich von vielen Länder abgelehnt und mussten zurück nach Deutschland.

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