Stunde der Bewährung

21. Jänner 2011, 19:00
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Norden und Süden bleibt nur noch bis zum Auslaufen der Übergangsperiode Mitte Juli Zeit, offene Fragen zu klären - von Gudrun Harrer

Das Votum für die Unabhängigkeit des Südsudan ist so eindeutig ausgefallen, dass es Khartum schwerfallen dürfte, doch noch eine Kehrtwende zu vollziehen und es aufgrund von technischen und anderen Mängeln zu beeinspruchen. Das heißt, Norden und Süden bleibt nur noch bis zum Auslaufen der Übergangsperiode Mitte Juli Zeit, die vielen offenen praktischen Fragen - von der Staatsbürgerschaft bis zu Aufteilung von Vermögen und Schulden - und ihr zukünftiges Verhältnis als unabhängige Staaten zu definieren.

Einen klaren Schnitt und eine strenge Grenze mögen sich viele, besonders im Süden, wünschen - die vielen beiderseitigen Abhängigkeiten diktieren jedoch einen sanften Übergang und eine enge Zusammenarbeit in der Zukunft. Die umstrittene Region Abyei bleibt dabei ein ernsthafter Stolperstein für Zusammenarbeit und Frieden.

Man sollte jedoch nicht nur gebannt auf das Nord-Süd-Verhältnis schauen. Jeder Teil für sich hat Riesenprobleme. Die des Nordens sind bekannt - dazu könnte der Sezessionsbazillus auch auf Darfur überspringen. Weniger wird über die komplizierten Interna des Südens geredet. Die regierende Dinka-dominierte SPLM hat die Bewährung noch vor sich. Der jetzige nationale Überschwang wird Spannungen - bisher pauschal nördlicher Intrige zugeschrieben - nicht ewig zudecken. Nicht nur in Khartum, auch in Juba ist internationale Aufmerksamkeit gefragt. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2011)

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