"Drei leere Zimmer im Nationen-Palast"

21. Jänner 2011, 18:45
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Als das Uno-Flüchtlingshilfswerk zu arbeiten begann, sollte es nur drei Jahre lang Kriegsflüchtlinge betreuen - Heute ist kein Ende der Krisen in Sicht

Côte d'Ivoire, Westafrika: 40.000 Menschen sind vor der Gewalt nach der Präsidentenwahl in die Nachbarstaaten geflohen, die meisten nach Liberia; hinzu kommen 18.000, die innerhalb des Landes vertrieben worden sind. Sudan, Nordost-Afrika: Angesichts des Unabhängigkeitsreferendums sind über 120.000 Menschen aus dem Nord- in den Südsudan zurückgekehrt - allein 60.000 seit Mitte Dezember. Zwei der aktuellsten Krisen - viel Arbeit für das UNHCR.

Seit 60 Jahren kümmert sich das UN-Flüchtlingshilfswerk um Menschen, die aufgrund von Krieg oder Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten. Neue Aufgaben sind hinzugekommen, neue Gruppen von Menschen, für die das UNHCR Verantwortung übernimmt, intern Vertriebene, Staatenlose, Rückkehrer (s. links). Eine Feuerwehr für humanitäre Krisen. Um politische Lösungen bemühen sich andere - oder auch nicht.

Millionen Weltkriegs-Flüchtlinge

"Ich fand drei leere Zimmer im Genfer Palast der Nationen vor, ich musste mit nichts anfangen", beschrieb der Niederländer Gerrit Jan van Heuven Goedhart, der erste Flüchtlingskommissar, einst seinen ersten Arbeitstag. Eigentlich ein begrenztes Projekt, das mit einer Resolution der UN-Vollversammlung am 14. Dezember 1950 geschaffen wurde: Mit 33 Mitarbeitern und 300.000 Dollar Budget sollte Van Heuven Goedhart drei Jahre lang die Millionen Flüchtlinge des Weltkriegs betreuen. Arbeitsgrundlage wurde die Genfer Flüchtlingskonvention, die im Juli 1951 von den Staaten unterzeichnet wurde.

Heute arbeiten 6800 Menschen in 126 Ländern für UNHCR, die sich um 36,46 Millionen Menschen kümmern. Budget: über drei Milliarden Dollar, ein Rekord. Klimawandel und Naturkatastrophen, Konflikte und Nahrungsmittelkrisen werden auch in Zukunft Flüchtlingswellen auslösen, sagen Experten.

Zweimal ist die Organisation für ihre Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden: 1954 und 1981 - wie auch ihre Vorgängerorganisation und deren großer Leiter, der Norweger Fridtjof Nansen. Für den Völkerbund organisierte der berühmte Polar- und Meeresforscher 1920 zunächst die Rückkehr von mehr als einer halben Million Kriegsgefangener in ihre Heimatländer, 1921 wurde er zum Hochkommissar für Flüchtlinge ernannt, 1922 erhielt er den Friedensnobelpreis. Auch nach seinem Tod 1930 wurde seine Arbeit fortgeführt, das Nansen-Amt 1938 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Noch heute gibt es den Nansen-Flüchtlingspreis, verliehen vom UNHCR.

70.000 in Österreich

Auch in Österreich ist das UNHCR aktiv, bereits seit 1951. Vom Büro in der Wiener Uno-City aus betreuen heute etwa zehn Mitarbeiter, darunter Freiwillige, die Asylsuchenden und Flüchtlinge. Sie beobachten Flüchtlingspolitik, Asylverfahren und Gesetzesänderungen, sie machen Vorschläge, wie die Verfahren verbessert werden können. Das Büro arbeitet zudem mit dem Netzwerk Asylanwalt zusammen, um Asylsuchende rechtlich zu beraten.

Rund 70.000 Menschen sind nach Angaben des UNHCR in Österreich insgesamt unter dem Mandat der Organisation. Dazu zählen 40.000 anerkannte Flüchtlinge und Menschen, die nicht in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden können. Hinzu kommen 30.000 Asylsuchende und 500 Staatenlose.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk finanziert sich größtenteils aus freiwilligen Beiträgen der Mitgliedstaaten. Österreich hat dazu im Jahr 2010 knapp über 2,4 Millionen Euro beigetragen. (raa, DER STANDARD Printausgabe, 22./23.1.2011)

 

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    Ein abgemagerter Kriegsflüchtling aus Ostpakistan, heute Bangladesch, in Indien im Jahre 1971

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