Schädlinge unter Zugzwang

21. Jänner 2011, 19:00
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Milliarden von Tieren sind Migranten - eine neue Studie gibt einen Überblick über die Risiken, die sich dadurch für Tier und Mensch ergeben

Washington - Die Wanderungsbewegungen von Zugvögeln und anderen tierischen Migranten ist mittlerweile gut erforscht. Auch über alle möglichen Tierkrankheiten und Parasiten weiß man eine ganze Menge. Noch relativ wenig Literatur gibt es allerdings zur Schnittmenge der beiden Forschungsbereiche.

Was passiert, wenn Tiermigranten Parasiten im Gepäck haben? Breiten die sich weiter aus und stellen sie womöglich auch eine Gefahr für den Menschen dar? Solche Fälle scheint es tatsächlich zu geben: Vermutet wird etwa, dass ein Ausbruch des Ebolafiebers in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2007 auf die Migration einer Fledermausart zurückgegangen sein könnte, die das Virus übertrug.

Drei Ökologinnen der Universität in Georgia haben nun die wichtigste Literatur zum Thema zusammengetragen und auch selbst Fallstudien durchgeführt - und kommen in der aktuellen Ausgabe von "Science" (Bd. 331, S. 296) zu mitunter erstaunlichen Ergebnissen: Sie bestätigen zwar, dass Tiere unter Zugzwang zur Ausbreitung von Parasiten und Krankheiten beitragen können. Doch auch das Gegenteil der Fall.

So können migrierende Tiere einerseits aus ihrem infizierten Lebensraum flüchten. Andererseits tun sich befallene Tiere bei ihren Migrationen schwer und fallen der natürlichen Selektion zum Opfer. Der nordamerikanische Monarchfalter beispielsweise, der jährlich tausende Kilometer nach Mexiko und wieder zurück pendelt, kann durch Parasiten beim Fliegen massiv behindert werden, und je weiter es die Tiere in den Süden schafften, desto weniger waren sie infiziert. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. 1. 2011)

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    Abermillionen Monarchfalter fliegen von Nordamerika nach Mexiko. Parasitenbefall verkürzt ihre Reisen.

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