Reaktion

Straßburgs Abschiebestopp lässt Fekter kalt

Irene Brickner, Thomas Mayer , 21. Jänner 2011, 21:48

Mit Vorsicht reagierte die EU-Kommission auf den allgemeinen Abschiebestopp nach Griechenland - Fekter sieht offiziell keinen Handlungsbedarf

Wien/Straßburg/Brüssel - "Es besteht kein Änderungsbedarf unserer derzeitigen Praxis" : So reagierte man am Freitag bei Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) auf einen Anti-Abschiebungsbescheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Fall eines afghanischen Asylwerbers, der von Belgien nach Griechenland gebracht worden war und Beschwerde eingelegt hatte.

Der Spruch der EGMR-Richter war seit Monaten mit Spannung erwartet worden, weil der Fall die in der EU-Asylverordnung "Dublin II" geregelten Kriterien beim EU-weiten Umgang mit Asylwerbern prinzipiell sprengen könnte. Besonders Rückführungen nach Griechenland, das mit einer vergleichsweise großen Zahl von Flüchtlingen und mit Finanznot zu kämpfen hat, lässt bei den vereinbarten Standards zu wünschen übrig. Im Fall des Afghanen stellten die Richter eine "unmenschliche und erniedrigende Behandlung" fest und verfügten einen hohen Schadenersatz (siehe Wissen).

Die EU-Kommission äußerte sich Freitag vorsichtig zu möglichen Konsequenzen für die Asylpraxis der EU-Länder. Man könne keine direkten Schlüsse ziehen, darüber müsste erst der Europäische Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) entscheiden, so der Sprecher von EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Er verwies darauf, dass die Kommission einen Vorschlag für eine neue EU-Verordnung vorgelegt habe, die die Regeln verbessern solle. Man hoffe auf Erledigung bis 2012, auch eine Aussetzung von Abschiebungen in besonders belastete Länder sei darin enthalten.

Fekter zeigte sich offiziell ungerührt vom Urteil. "Wir machen mit unserem System von Einzelfallprüfungen weiter wie bisher" , erläuterte ein Sprecher. Nur werde man infolge des europäischen Höchstrichterspruchs künftig in allen Fällen einzeln abwägen, ob eine Verschickung an den Peloponnes vertretbar sei - nicht nur wie bisher bei "besonders vulnerablen" Personen wie Jugendliche oder Frauen mit Kindern.

Auf diese Art werde man bei Asylwerbern, deren Verfahren laut der EU-weiten Dublin-Verordnung eigentlich in Griechenland durchgeführt werden müsste, "verstärkt vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen" , sodass die Betroffenen im Land bleiben können: "Aber für einen prinzipiellen Abschiebestopp besteht kein Grund."

Ein solcher war, befristet bis Jänner 2012, am Mittwoch vom deutschen Innenminister Thomas de Maizière verkündet worden. Ein Dutzend weiterer Dublin-Mitgliedstaaten hat Ähnliches schon vor Wochen oder Monaten beschlossen.

Inoffizielle Milde

Entscheide Österreich ebenso, so könne das "Beispielwirkung" für weitere Länder haben und wäre daher kontraproduktiv, war aus dem Innenministerium inoffiziell zu erfahren: "De facto herrscht in Österreich seit November Griechenland-Abschiebstopp. Aber wir dürfen dieses Land nicht aus der Pflicht nehmen" , hieß es.

"Wenn es in Österreich einen De-facto-Abschiebestopp geben sollte, soll es mir recht sein" , hatte bereits Christoph Pinter vom UNHCR in Wien zum Standard davor gesagt. Der Straßburger Entscheid sei jedoch "viel weiterführender" . Nun sei klar, dass die Lage der Flüchtlinge in Griechenland "menschenrechtlich inakzeptabel ist" . Und der EGMR-Spruch sei künftig "auch auf andere Staaten umlegbar" .

Bei der evangelischen Diakonie bestätigte Flüchtlingsbeauftragter Christoph Riedl, "dass seit Ende Oktober nur mehr sehr vereinzelt Dublin-Rückführungen aus Österreich nach Griechenland stattfinden". Im November habe es sich um zwei, im Dezember um einen Fall gehandelt. Davor hatte der EGMR Griechenlandrücktransporte in mehr als zehn Fällen per Eilentscheidung unterbunden.

In einem Brief an die Bundesregierung hatte Straßburg einen prinzipiellen Stopp der Rückführungen verlangt. Am Freitag wiederholten die Grünen diese Forderung - während die FPÖ von einem "fatalen Signal" sprach. (Irene Brickner, Thomas Mayer, DER STANDARD Printausgabe, 22.1.2011)

Kommentar posten
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dave66
21
29.1.2011, 18:05
Fekter, der einzige

Lichtblick unter den Epigonen von Dollfuss. Würden sich auch die anderen mehr für die Bevölkerung und nicht für Wirtschaftskriminelle, Banken, Klerus,Beamtenelite und Stiftlinge einsetzen, wäre die Partei sogar wählbar.

Um das Land für die kriminellen Schlepperbanden weniger attraktiv zu machen und auch für die Integrationswilligen, die der westlichen Zivilisation zugewandt sind, eine tatsächliche Verbesserung zu bieten, bedarf es noch großer Anstrengungen. Diese Menschen sollten vom sozialen Druck ihrer Landsleute, die auch bei uns nach archaischen Sitten weiterlebenden, befreit werden.

Daher Staatsbürgerschaft frühestens nach 20 Jahren, damit man eine Handhabe gegen diese Elemente hat. Kein Geld für NGOs, etc.

asinus
02

Das ist ja nur xenophobes Geschwätz, was Sie da von sich geben...

mmljaguar
53
26.1.2011, 10:55
Ich bin der Meinung, dass jeder, der nicht der Meinung ist, dass

in Europa einfach kein Platz (mehr) für diese Massen an Flüchtlingsströmen ist, bei sich zuhause Flüchtlinge aufnehmen und durch seine Arbeitsleistung (nicht durch weitergabe von Sozialleistungen!) versorgen soll. Das wäre aus meiner Sicht echte Gutmenschlichkeit; Nur von den "Reichen" zu fordern Flüchtlinge, die zu einem hohen Prozentsatz Wirtschaftsflüchtlinge sind, durchzufüttern kann wohl nicht wahr sein. Ich frage mich auch, was die flüchtenden Menschen eigentlich daran hindert, ihr Land genau so aus Trümmern aufzubauen wie Europa das nach dem Krieg getan hat. Wirtschaftshilfe zahlen wir mehr als genug dafür, jedenfalls wesentlich mehr als wir durch den Marshall-Plan je bekommen haben.

Luky Pozzo
00
Füttern Sie Ihren Jaguar mit Biotreibstoff

und überlassen Sie Empathie und Mitmenschlichkeit Leuten, die das noch empfinden können.

mmljaguar
00
Jeder Treibstoff ist Bio (Erdöl ist organisch!). Empathie für Milliarden armer Menschen ist leider selbstmörderischer Altruismus, das klingt hart aber die Realität ist hart.

Überlegen Sie sich doch einmal, wie viele hungernde Menschen jeder Einzelne in der westlichen Welt Lebende aufnehmen müsste um alle die nichts haben durchzufüttern. Das ist nicht möglich. Beispiel (mit geschätzen Ziffern): 1,2 Mia. Menschen in Indien, davon mindestens 1 Mia. bettelarm. Wenn man den 200 Mio. Wohlhabenden alles bis auf´s Existenzminimum wegnimmt ist der Divisor immer noch so groß, dass für niemanden etwas bleibt; deshalb ist jeder Kommunismus ja gescheitert. Wenn Sie empathisch sein wollen müssten Sie also mindestens 30 Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen und für sie arbeiten. Wollen/können Sie das? Ja, nur zu! Nein? Ich auch nicht, weder direkt noch im Umweg über unser Sozialsystem. Tragisch aber eben Realität.

redotarh
21
25.1.2011, 18:23
Wer schützt die Menschen vor den Menschenrechtsschützern?

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Tor für nach Europa strömende Asylanten – also in den meisten Fällen: arbeitssuchende Einwanderer – weit geöffnet. Und niemand weiß, wie es wieder zu schließen ist. Das ist der Kern des Urteils, dass Resteuropa keinen illegal weiterwandernden Asylwerber zurück nach Griechenland abschieben darf, weil dort die Asylverfahren nicht nach dem im Rest der EU üblichen Standard ablaufen.

Das kann den Griechen angesichts des Massenansturms auch gar nicht wirklich vorgeworfen werden.

http://www.andreas-unterberger.at/2011/01/w... uetzernij/

blubb66
22
22.1.2011, 23:26
Mittlerweile ...

... rangiert Fekter und die ganze ÖVP in meiner Werteskala ein gutes Stück hinter Hämorrhoiden.

Gow enna
41
22.1.2011, 20:22
sofortiger Abschiebestopp nötig

jeder, der schon mal die Gefängnisse, in denen Flüchtlinge in Griechenland sich aufhalten müssen, gesehen hat, wird sagen, dass die Zustände unerträglich sind.

Die EU hat es sich bisher zu leicht gemacht, mit den Abschiebungen nach Griechenland war die Sache erledigt.

Übringens hab ich da ein Interview mit dem EU Amnesty Chef gelesen, der meint, dass der Großteil der Flüchtlinge von afrikanischen Staaten aufgenommen wird und Europa eh nicht so viele hat...
http://mokant.at/1011-nico... linge.html

parapente
14
23.1.2011, 15:21
Das kann aber nicht unsere Sache sein,

das ist Sache der Griechen, etwas zu ändern!

Gow enna
10
22.1.2011, 20:09
zustände untragbar

jeder, der schon mal bilder der gefängnisse in griechenland gesehen hat, wird verstehen, dass es absolut unfassbar ist, menschen dahin zu schicken.
griechenland ist mit der situation absolut überfordert.

österreich könnte absolut ohne probleme mit den flüchtlingen zurechtkommen, die hierherkommen.

hab zum thema ein interessantes Interview mit dem eu- chef von amnesty gelesen. seine ausführungen klingen ziemlich plausibel.

http://mokant.at/1011-nico... linge.html

Exbeamter
10
24.1.2011, 11:25
na und. ist doch mir egal.

franz s.
22
22.1.2011, 19:54
was lässt die Schottermitze nicht kalt?

diese Person hat weder Gefühl noch Verstand, die ist nur mit unbegrenzter MAchtgeilheit und Bossheit ausgestattet.

Vorstadtmama
 
10
22.1.2011, 19:15
Klar läßt dieses Urteil Frau Fekter kalt...

Sie weiß, dass Griechenland und Österreich keine gemeinsame Grenze haben und der zuständige "sichere Drittstaat" eines der Nachbarländer (Italien?) sein muß. Derzeit regiert das Florianiprinzip.

Vierter Mann
00
22.1.2011, 21:33

Der schwedische Einwanderungsminister hat das vorgeschlagen:
"Instead, the asylum seekers may be sent to countries that they passed through on their way from Greece to Sweden, according to Billström."
http://www.thelocal.se/30064/20101106/
Es gibt aber keine Rechtsgrundlage dafür.

Ernst Kratochwil
02
22.1.2011, 22:19
Das wäre die logischste Lösung.

Wenn Griechenland nicht in der Lage ist die Vereinbarung zu erfüllen, dann sind es die nächsten auf dem Weg.

Müsste aber durch eine Änderung oder befristete Aussetzung von der EU geregelt werden.

So lange das nicht geschieht, hat Dublin 2 weiter seine Gültigkeit.

strikerhoffi
02
22.1.2011, 18:19

Also sollte Griechenland menschenwürdig werden, ansonsten sollte sofort die Verabschiedung von Griechenland aus der EU veranlasst werden!

Vorstadtmama
 
20
22.1.2011, 19:13
So eine Heuchelei.

Griechenland liegt nun einmal direkt am Mittelmeer und neben der Türkei(!!) Die Griechen sind human und haben Ströme von Flüchtlingen jahrelang ins Land gelassen. Die Last ist aber für dieses kleine - von Natur aus gastfreundliche - Land zu groß geworden. Jene europäischen Länder, die nicht bereit sind Griechenland bei der Lösung der nicht selbstverschuldeten Probleme aktiv (nicht nur mit Worten) zu helfen, sollten sich jede Kritik sparen.

Gow enna
01
22.1.2011, 20:14
griechenland mitschuld

kritisieren sollte man die zustände schon, aber die Schuld daran tragen sicher nicht die Griechen alleine. Sie müssen auf jeden Fall mehr tun, aber auch die anderen EU-Länder haben es sich bisher viel zu einfach gemacht: einfach alle nach Griechenland abschieben und die Sache ist erledigt. Gastfreundlich war Griechenland zu Flüchtlingen nie: es hat viele "aufgenommen" weil sie einfach illegal über die Grenze gekommen sind.
Aber dort sitzen sie zusammengepfercht in Gefängnissen, Familien mit Kleinkindern schlafen auf der Straße.
EIn minimaler Prozentteil darf überhaupt einen Antrag auf Asyl stellen, der Großteil wird abgeschoben in die Türkei, wo es überhaupt keinen Menschenrechtsschutz für Flüchtlinge gibt.

Vorstadtmama
 
00
22.1.2011, 20:33
Griechenland ist überfordert...

Es ist traditionell gastfreundlich und christlich - es wäre aber Wahnsinn, allen Asyl zu gewähren. Wer selber nichts hat (schon mal ein richtiges griechisches Dorf ohne Tourismuseinnahmen gesehen?) kann auch nichts verteilen. Wer bereit ist die Flüchtlinge selbst aufzunehmen, darf den Mund aufmachen. Alle anderen sollen gefälligst vor ihrer eigenen Türe kehren. Da liegt genug Mist rum.

Sumergo Cogito
00
22.1.2011, 11:34
Straßburg ist weit weg

Harry Y.
 
00
22.1.2011, 13:51

Aber offensichtlich nicht so weit, dass nicht seit Oktober Abschiebungen nach GR größtenteils ausgesetzt wurden.

Man darf sich dennoch fragen, welche Einzelfälle man denn noch abschieben wird?

Ist eine so arg menschenwidrige Behandlung wie in GR plötzlich legitim, wenn ein Asylwerber im DM eine €5-teure Parfümflacon für seine Adorierte mitgehen ließ?

Vorstadtmama
 
10
22.1.2011, 19:18
Länder, die nicht aktiv helfen, sollen sich die Kritik an Griechenland schenken.

Die haben neben der Finanzkrise ein Flüchtlingsproblem, das schon den Tourismus zu stören beginnt. Und es gibt noch keinen griechischen Politiker, der gegen die armen Teufel, die da in den Häfen auf ihre Chance warten, hetzen würde. Sie sind zu arm, um zu helfen - sie schaden aber diesen Menschen auch nicht unnötig.

Harry Y.
 
00
23.1.2011, 13:49

Informieren Sie sich gefälligst besser

Harry Y.
 
00
23.1.2011, 13:52

Sie haben meine Frage im übrigen nicht beantwortet, außerdem bin ich ja kein Land. Hängen Sie sich gefälligst woanders an, wenn Sie keine relevante Stellungnahme zum betreffenden Posting haben

Sumergo Cogito
01
22.1.2011, 11:18
Wenn ich 09.04 Uhr ein Posting poste, wie kann es sein,

dass es post 09.30 Uhr nirgends mehr aufscheint, sonderbar, nicht wahr ?!?

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