SPÖ kommt langsam aus der Krise

21. Jänner 2011, 17:32
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Chef des Joanneum Research soll Grazer Rote aus Chaos holen - Gerüchte um Koalitionswechsel

Graz - Die Landesspitze der steirischen Roten hatte dieser Tage einen Ballon gestartet. Während des Neujahrsempfangs der Partei ließ - angeblich war es Chef Franz Voves selbst - einen Namen fallen: Edmund Müller.

Der Geschäftsführer der steirischen Forschungsstätte "Joanneum Research" sei ein heißer Kandidat für den Vorsitz der Grazer SPÖ. Tags darauf ging ein Raunen durch Graz.

Die Stadt-SPÖ ist seit gut sechs Monaten führungslos. Seit der Parteikrise Mitte 2010 hatte Finanzlandesrätin Bettina Vollath nebenbei die Stadtgeschäfte geführt, vor Ort im Rathaus hatte der langgediente SP-Politiker Karl-Heinz Herper als Klubchef und Kulturstadtrat den Apparat zusammengehalten.

Der Ballon ist jedenfalls gut gelandet. Die von der Landespartei befürchteten Stürme im unberechenbaren Graz sind ausgeblieben. Gewerkschaftsboss Horst Schachner ließ erkennen - nachdem er ein intensives Gespräch mit Landeshauptmann und Parteichef Voves geführt hatte -, dass er ohnehin kein Interesse an der Führung der Partei habe. Er war von Gewerkschaftskreisen als Gegenkandidat ins Spiel gebracht worden. Auch Schachner wurde bewusst, dass eine nochmalige Kampfabstimmung wie im Frühsommer 2010 die Partei nicht mehr verkraftet hätte. Damals hatte Ex-Stadträtin Elke Edlinger den amtierenden Parteichef Wolfgang Riedler auf einem Parteitag herausgefordert. Und knapp gewonnen. Die Partei war aber durch den Streit hoffnungslos in zwei Lager zerfallen, sodass Voves die Notbremse zog und beide zum Rücktritt verpflichtete. Riedler werkt heute im Landesdienst, Edlinger ist arbeitslos.

Am Montag wird Müller (55) erstmals, nachdem der Boden vorsichtig aufbereitet wurde, den sensiblen Grazer Gremien als neuer Hoffnungsträger präsentiert werden. Und in einem Aufwaschen soll auch gleich über ihn abgestimmt werden. Müller hat den Vorteil, keinem Lager zugerechnet zu werden. Der eloquente Wirtschaftsfachmann ist bisher in der Partei nicht aufgefallen und zählt auch nicht zur Grazer Seitenblickeszene.

Mit Müller werden jetzt auch Gerüchte genährt, Bürgermeister Siegfried Nagl könnte in einer Blitzrochade statt der anstrengenden Grünen die SPÖ als Regierungspartner an seine Seite holen. Grünen-Vizebürgermeisterin Lisa Rücker glaubt nicht daran, und auch aus der Stadt-ÖVP kommen Signale, dass die ÖVP keinesfalls zu den Roten wechseln werde. Als Indiz, dass sich dennoch was anbahnen könnte: Die ÖVP stimmte, mit der SPÖ und gegen den grünen Regierungspartner, für ein neues Bürgerbefragungsmodell. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.1.2011)

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