Ruttenstorfer hat den Markt manipuliert

21. Jänner 2011, 16:51
132 Postings

Herbe Niederlage für den scheidenden OMV-Chef: Er hat die Berufung verloren und muss 20.000 Euro FMA-Strafe zahlen

Wien - Die Überraschung war gelungen. Am Freitag gegen Mittag erschien OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer unangekündigterweise vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS), um auszusagen. Der UVS verhandelte über die Berufung Ruttenstorfers gegen einen Strafbescheid der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA. Die hat ihn zu 20.000 Euro verdonnert: Er habe in einem Profil-Interview rund um die MOL-Beteiligung der OMV Aussagen getätigt, die Anleger in die Irre geführt hätten. Ruttenstorfer bestritt das heftig und beredt - vergeblich

Anfechtung vor dem VwGH

Der UVS (Kammer C, Berichterstatter Gero Schmied) bestätigte den Schuldspruch und die Höhe der Strafe. Der Strafbescheid ist damit rechtskräftig, Ruttenstorfer wird sie aber vor dem Verwaltungsgerichtshof anfechten.

Die Passagen aus dem am 18. März geführten und am 23. März erschienen Interview: "Wir haben derzeit nicht vor, sie (die MOL-Aktien der OMV; Anm.) zu verkaufen. Das gilt nicht für die Ewigkeit, aber heuer werden wir sie durchaus behalten."

In seiner rund einstündigen Aussage gab sich der OMV-Chef sehr überzeugt, das Richtige getan, besser, gesagt zu haben: "Es war die absolut richtige Information an die Investoren. Was hätte ich sagen können?" Berichterstatter Schmied fragte dagegen: "Hätten Sie vielleicht keine Antwort auf die Frage, wie lange Sie die MOL-Aktien noch halten wollen, geben sollen?" Ruttenstorfer: "Das wäre eine neue Kommunikationslinie gewesen und nicht gut."

Während Ruttenstorfers Anwalt argumentierte, die OMV habe damals "keine Verkaufsabsicht, aber schon länger Verkaufsbereitschaft gehabt", sah es der UVS anders: Die OMV habe dem späteren Käufer ihres MOL-Pakets (der russischen Surgoneftegas) schon am 14. März Kaufbereitschaft signalisiert und zwischen 14. und 18. März über mögliche Strukturen des Deals gesprochen.

"Vom ganzen Paket war nicht die Rede"

Wie schon in der vorigen Verhandlung war eines der Kernthemen das Treffen des OMV-Chefs am 14. März 2009 mit den Vertretern von Surgoneftegas und dem Investmentbanker von JPMorgan, Jeffrey Wilson. Am Ende dieser Unterredung wurde das Interesse der Russen an der MOL erörtert, wie, das beschrieb Ruttenstorfer so: "Sie fragten, ob sie ein bissl was von uns haben könnten, wenn sie am Markt nicht genug Aktien bekämen. Vom ganzen MOL-Paket war nicht die Rede." Erste Preisvorstellungen gab die OMV dann am 17. März bekannt; am 30. März war das MOL-Paket verkauft.

Bereits vor den Schlussplädoyers war die Richtung, in die es für Ruttensotorfer ging, klar. Der UVS-Berichterstatter: "Hätten Sie die Frage nach dem MOL-Verkauf nicht beantwortet, wäre das zwar vielleicht ein Signal an den Markt gewesen - aber kein Tatbestand im Rahmen des Börsengesetzes."

Die Urteilsverkündung wartete Ruttenstorfer nicht ab. "Soll ich bleiben, oder gehen?", fragte er den Senat nach seiner Anhörung und bekam folgende Antwort: "Nehmen Sie es nicht persönlich, aber uns ist das egal." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.1.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nächste Woche steht er wegen des Verdachts des Insiderhandels vor dem Strafgericht, am Freitag wurde seine Strafe wegen Marktmanipulation bestätigt: OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer.

Share if you care.