SOS Mitmensch-Sprecher: "Hadere keine Sekunde"

21. Jänner 2011, 18:47
  • Alexander Pollak.
    foto: privat

    Alexander Pollak.

Alexander Pollak (37) ist Sprecher von SOS Mitmensch - Er studierte Handelswissenschaften und promovierte mit angewandten Sprachwissenschaften

STANDARD: Warum gibt man einen sicheren Job in der EU-Grundrechteagentur auf, um bei einer NGO, in Ihrem Fall bei SOS Mitmensch anzuheuern?

Pollak: Weil NGOs sehr interessante Aufgabenstellungen zu bieten haben - im Fall von SOS Mitmensch das Eintreten für ein gleichberechtigtes Zusammenleben. EU-Agenturen beschäftigen sich zwar auch mit spannenden Fragen, aber ich musste lernen, dass du mit einer starren Hierarchie konfrontiert bist. Frustrierend war auch die Erfahrung, mein Potenzial und meine Ideale nicht voll entfalten zu können.

STANDARD: Und trotzdem fiel Ihnen die Entscheidung nicht leicht ...

Pollak: EU-Agenturen locken mit interessanten Themengebieten, einem hohen Maß an Sicherheit und einem guten Lebenseinkommen - das gibt man nicht leichtfertig aus der Hand.

STANDARD: Sie verdienen heute rund 70 Prozent weniger. Haben Sie Ihren Wechsel in dieser Hinsicht bereut?

Pollak: Nein, ich hadere keine Sekunde. Als ich das Angebot von SOS Mitmensch in Händen hatte, war das für mich befreiend.

STANDARD: Was hat Sie der Wechsel über Sie persönlich gelehrt?

Pollak: Dass es sich lohnt, seinem Freiheitsdrang nachzugeben. Ich war vorher nicht ganz ich selbst.

STANDARD: Warum verzichten tendenziell immer jüngere Menschen auf gut dotierte Jobs für individuell sinnstiftendere Tätigkeiten?

Pollak: In meiner Generation ist eine nichtlineare Karriere normal. In meinem Umfeld war ich einer der wenigen, der fünf Jahre in einem festen Job drin war. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.1.2011)

Share if you care
10 Postings

Super, Alex!

@Dignus

Stimmt klasser Bursch.

Ja, schwierig ist das mit dem niedrigen Einkommen und den finanziellen Verpflichtungen. Vor allem mit Familie. Vielleicht hat er eine gut verdienende Frau. Wäre mal was anderes.

Wäre bei einem zweiten Gehaltsschritt um wiederum 70% nach unten die „GefühlteBefreiung“ sozusagen im Quadrat gewachsen?

Oder anders gefragt: was nehmen Aussteiger ohne Thematischen_Dissens (Köhler(de), Hahn(at)…) für ihre Arbeitsbiografie mit, einen Farbtupfer? Zumindest desillusionieren sie aber zugleich darüber, dass ein
“ klasse Typ“ Starrheiten im Apparat aufweichen könne.

???

jetzt haben Sie schon 2 mal gepostet und ich versteh Sie noch immer nicht. was ist denn Ihr argument?

sympathisches interview, netter typ! nebenbei: was is jetzt mit dem topbezahlten job in der eu-agentur, is der jetzt zu haben ? ;)

Wäre bei einem zweiten Gehaltsschritt um wiederum 70% nach unten die „GefühlteBefreiung“ sozusagen im Quadrat gewachsen?

Kommen frische Kräfte in die Position, erwartet man eigentlich als deren Hauptleistung, dass sie es wenigstens länger aushalten. Interessantere Karriere-Fälle finden sich in größeren Organisationen am oberen Rand ( Wendehals (1) ) und am unteren der Sozialskala ( da wo Praktikanten/Studenten( 2 ) oder gleich Interims-Idealisten sich  praktisch für die Hoffnung abarbeiten).
Empfohlenes Anschauungsobjekt: Wissenschaftsbetrieb CERN/LHC.
( 1 ):  http://www.achtphasen.net/index.php... h#comments
 
( 2 ):
http://www.youtube.com/watch?v=j... re=related

mutige entscheidung!

schön, wenn es noch menschen gibt denen inhalt wichtiger ist als verdienst!

sein vorgänger hat die latte hoch gelegt - aber herr pollak lässt hoffen!
alles gute

Ein klasser Bursch

Stimmt, klasser Bursch

... und das ganz ohne Ironie. Ich frag mich nur, ob der Mann Familie hat bzw. für Kinder aufkommen muss. Weil: Ich hab mich mehrmals bei Aussschreibungen von NGOs beworben ... aber bei den Gehältern musste ich einfach zähneknirschend sagen, das kann ich mir als zweifacher Vater einfach nicht leisten.

In welchem Bereich spielten sich Ihre Angebote ab?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.