Frank Willams ordnet sein Erbe

21. Jänner 2011, 16:19
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Rennstall plant Börsegang - Teamchef will Mehrheitsbeteiligung halten, österreichischer Investor Wolff soll "zentrale Rolle" spielen

London/Wien - Formel-1-Rennstall Williams plant einen Börsegang. Wie Geschäftsführer Adam Parr am Freitag bekanntgab, soll das ehemalige Weltmeister-Team in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Zeitpunkt und Ort der Emission stehen noch nicht fest. Teamchef und Eigentümer Frank Williams soll die Mehrheitsbeteiligung halten, auch der österreichische Investor Christian Wolff soll laut Parr in Zukunft eine "zentrale Rolle" spielen.

Williams will durch die Anteilsverkäufe im freien Handel seine Zukunft langfristig sichern. "Es ist mein Wunsch, dass die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Teams auch lange nach mir gesichert ist. Deshalb ist es wohlüberlegt und notwendig, die Teilhaberstruktur so zu planen, dass Williams ein unabhängiger Konstrukteur bleibt und in Besitz von Leuten ist, die sich der Formel 1 verschrieben haben", meinte Gründer Frank Williams in einem Statement.

Der 68-jährige Brite machte außerdem deutlich, dass er die Mehrheit und damit auch die Kontrolle behalten werde. Er hatte den Rennstall mit Patrick Head 1977 gegründet, bereits 1980 fuhr der Australier Alan Jones in einem seiner Boliden zur Weltmeisterschaft. Der letzte Titel durch Jacques Villeneuve (1997) liegt allerdings schon lange zurück, der letzte Grand Prix-Sieg durch den Kolumbianer Juan Pablo Montoya datiert aus dem Jahr 2004. Nach der letzten Saison verabschiedeten sich mehrere große Geldgeber.

Christian Wolff (39), Rennfahrer und Finanzinvestor mit Wohnsitz Schweiz hatte im November 2009 ständig ansteigende Anteile an Williams erworben und sich damit auch einen Platz im Vorstand gesichert. Er steht offenbar auch hinter der neuen Strategie. "Börsengänge sind bekanntlich mein Steckenpferd", bekräftigte Wolff. Das wäre die richtige Struktur, um die Zukunft abzusichern. "(Williams und Parr) haben verstanden, dass es auch eine Zukunft nach ihnen geben wird. Und wir wollen nicht, dass dann eventuell einzelne das Team kontrollieren, sondern ein Corporate Government."

Ein Börsengang biete  die Möglichkeit, Firmen-Insider am Unternehmen zu beteiligen und am Erfolg teilhaben zu lassen. Seine eigenen Anteile würden eher bei 20 Prozent als bei 10 liegen, gab sich Wolff etwas kryptisch. Auch Williams hielt sich mit genauen Angaben vorerst zurück. "Patrick, Christian und ich begutachten die Optionen gründlich. Und wenn das Umfeld stimmt, werden wir in naher Zukunft handeln", meinte der Teamchef. An einen Rücktritt denke er nicht, um seine Gesundheit stehe es bestens. 

Rom aus dem Rennen

Wie dem auch sei, in Rom werden auch künftig keine Williams-Boliden zu sehen sein. Pläne zur Veranstaltung eines Grand Prix wurden endgültig ad acta gelegt.  Man werde stattdessen ihren Fokus auf die Bewerbung um die olympischen Sommerspiele 2020 legen, gab Bürgermeister Gianni Alemanno bekannt.

Noch im März des Vorjahres hatte Bernie Ecclestone angekündigt, dass ab 2013 in Rom gekreiselt werde. In der Vorwoche kam die Absage, ein zweites Rennen in Italien sei unmöglich. Die GP-Idee war bei den Bürgern Roms aber ohnehin nur auf wenig Gegenliebe gestoßen. (red/APA/Reuters)

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    Frank Williams will die Unabhängigkeit seines Rennstalls sichern.

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