An Haien beißen sich Orcas die Zähne aus

22. Jänner 2011, 17:55
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... und doch hat sich ein Teil der Schwertwale auf diese besonders zähe Beute spezialisiert

Nanaimo - Erst 2010 hatten Biologen festgestellt, dass der Schwertwal (Orcinus orca) eigentlich in mehrere Subspezies unterteilt werden muss, so sehr unterscheiden sich die einzelnen Orca-Entwicklungslinien in ihrem Wanderungs- und Fressverhalten bereits. Auch die Schulengröße sowie das Kommunikations- und Sozialverhalten sind von Linie zu Linie verschieden; ansatzweise schlägt sich diese Auseinanderentwicklung auch schon in körperlichen Unterscheidungsmerkmalen nieder, da sich die verschiedenen Orca-Linien nicht untereinander verpaaren.

Grundlegend ist zwischen Residents und Transients zu unterscheiden - erstere verbleiben in einem festen Gebiet und ernähren sich von Fischen, während letztere zwischen Sommer- und Wintergebieten wandern und sich auf Meeressäuger - Robben, aber auch Kleinwale - als Nahrung spezialisiert haben. Beide leben bevorzugt in Küstennähe. Besonders interessant aber, weil ungleich schwerer zu studieren, ist die Linie der Offshore-Orcas, die ständig auf hoher See bleiben. Über ihre Hauptnahrungsquelle wurden verschiedene Spekulationen angestellt - die mögliche Antwort klingt überraschend: Sie fressen Haie.

 

Orca-Angriff auf Weißen Hai (Quelle: YouTube)

Forscher der Pacific Biological Station in British Columbia berichten über ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "Aquatic Biology". Einzelbeobachtungen von Orca-Angriffen auf Haie gab es in der Vergangenheit immer wieder (siehe Video; auch wenn der Kommentar reichlich einseitig auf Anti-Hai-Stimmung eingestellt ist). Auch wurde von einer Orca-Population in neuseeländischen Gewässern berichtet, die sich auf Haie spezialisiert haben soll, doch konnte dies bislang noch nicht zweifelsfrei bestätigt werden.

Die kanadischen Forscher um John Ford können nun erste Belege liefern, wie das Fachmagazin "Nature" berichtet. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg konnten sie die selten zu sichtenden Offshore-Orcas 98 Mal beobachten. Immerhin zweimal davon konnte man auch das Ergebnis ihrer Jagden, die in Tiefen von mehreren hundert Metern stattfinden, in Augenschein nehmen: Die Fleischfetzen, die nach einer Jagd an die Wasseroberfläche trieben, stammten von der Schlafhai-Spezies Somniosus pacificus, einer vier bis fünf Meter lang werdenden Hai-Art, die in großen Meerestiefen lebt. Gen-Analysen zeigten, dass es die Überreste von 16 verschiedenen Haien waren.

Die Forscher haben aber noch ein zweites Indiz für die ungewöhnliche Nahrungswahl der Offshore-Orcas in petto: Sie untersuchten die Kiefer von Exemplaren aus Museumsbeständen und gestrandeten Offshore-Orcas und stellten dabei eine auffällige Abnutzung der Zähne fest - oft bis zum Gaumen. Offenbar ist die widerstandsfähige Haut ihrer bevorzugten Nahrung eine echte Herausforderung für das Gebiss der Orcas. Ford spekuliert, dass möglicherweise die jüngeren Mitglieder der Orca-Schulen die Hauptarbeit beim Erlegen und Zerteilen der zähen Beute leisten müssen, während die zahnlosen Alten gemütlich an den Eingeweiden der Haie - und insbesondere ihrer Leber - mümmeln. Möglich ist auch, dass sie im Alter auf leichter kaubare Nahrung umsteigen. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wer sich von Haien ernährt, braucht gute Zähne - im Gegensatz zum Beutetier wachsen diese aber leider nicht fortlaufend nach.

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