Kurze Verschnaufpause

21. Jänner 2011, 14:23
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group Hans Engel

Die US-Leitindizes gingen ab Mittwoch in eine kurzfristige Korrekturphase über, die voraussichtlich noch in diesem Monat abgeschlossen sein sollte. Das Faktum, dass zuletzt die Performances der  Sektoren sehr uneinheitlich waren, zeigt, dass der Gesamtmarkt aktuell durchaus als robust einzustufen ist. Die kurze Abwärtsbewegung der letzten Tage ist also voraussichtlich nur als eine kurze Verschnaufpause in einem mittelfristigen Aufwärtstrend einzustufen.

Die schwächsten Sektoren waren in den vergangenen Tagen die Autozulieferer (-3,5%), Chemiewerte (-3%), Rohstoffe (-3%), Baumaterialien (-2,9%), Computer und Zubehör (-2,2%) sowie Maschinenbauwerte (-2%). Finanzwerte (-0,8%) zeigten ebenfalls eine geringfügige Underperformance gegenüber dem S&P 500. Die jüngste Abschwächung betraf zuletzt vor allem die zyklischen Sektoren. Defensive Segmente des Aktienmarktes zeigten nicht nur relative Stärke zum Leitindex, sondern sogar Zuwächse. Am besten entwickelten sich in den vergangenen Tagen die Versorgeraktien (+1,2%) sowie Softwaretitel (+0,9%) und Energiewerte (+0,1%).

Die jüngst berichteten Unternehmensergebnisse sind als durchwegs sehr positiv einzustufen. Apple meldete einen Rekordumsatz für das letzte Quartal (USD 26,74 Mrd.) und einen sensationellen  Nettogewinn (USD 6 Mrd.). Der Erfolg beruht vor allem auf die sehr gute Kundenakzeptanz der neu eingeführten Produkte, sowie einer Aktualisierung bisheriger Produkte, die durchwegs als deutliche technische Verbesserungen einzustufen sind.

Apple konnte auch die Bruttomargen zuletzt wieder steigern und damit einen vor zwei Quartalen einsetzenden negativen Trend stoppen. Die bevorstehende Einführung von Produktupdates (iPhone V bzw. ein neues iPad) wird Apple auch in den kommenden Quartalen vermutlich weitere Rekordumsätze bringen. Die Aktie ist mit einem P/E von 18,6 (2011: geschätzt 14,8) allerdings nicht mehr als günstig einzustufen. Die Outperformance versus dem S&P 500 sollte aber vorerst weiter andauern.

Ein wichtiger Profiteur der steigenden Ausgaben vieler Unternehmen für neue Technologien ist IBM. Auch dieser Konzern konnte diese Woche ein relativ gutes Quartalsergebnis vorlegen. Die Umsätze sind zuletzt auf USD 29 Mrd. angestiegen (vs. 27,3 Mrd. im Vergleichsquartal ein Jahr zuvor). Der ausgewiesene Nettogewinn betrug USD 5,3 Mrd. (vs. USD 4,8 Mrd. zuvor). Nachdem IBM die Bruttomargen ausweiten konnte und auch andere Rentabilitätskennzahlen, insbesondere jene mit Bezug auf das eingesetzte Kapital, gesteigert werden konnten, ist es offenkundig, dass das Unternehmen wieder an Dynamik gewonnen hat. Die Bewertung der Aktie ist bei einem KGV von 13,5 als günstig einzustufen, zumal die Voraussetzungen für profitables Wachstum sehr gut sind.

Weniger gut läuft aktuell das Geschäft bei der Finanzfirma Goldman Sachs. Die Gesamterlöse reduzierten sich im vergangenen Jahr auf USD 39,1 Mrd. (45,2 Mrd. in 2009). Auch der Nettogewinn fiel im letzten Jahr auf USD 8,4 Mrd. zurück, während er noch im Jahr 2009 mit USD 13,9 Mrd. ausgewiesen wurde. Durch den gleichzeitigen Anstieg der Anzahl der Mitarbeiter haben sich viele Rentabilitätskennzahlen deutlich verschlechtert. Aufgrund der starken Ausweitung der Anzahl der Aktien in den letzten Jahren hat zudem eine starke Verwässerung stattgefunden, weshalb die Goldman Sachs Aktie als unattraktiv einzustufen ist.

Wesentlich erfolgreicher liefen die Geschäfte bei JP Morgan Chase. Der Finanzkonzern konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Nettogewinn von USD 11,7 Mrd. auf USD 17,4 Mrd. erhöhen. Das  Nettoergebnis für das 4. Quartal betrug USD 4,8 Mrd. (nach USD 3,3 Mrd. im Vergleichquartal ein Jahr zuvor). Im Gegensatz zu Goldman Sachs hat JP Morgan Chase in den vergangenen Jahren die Anzahl der Aktien reduziert. Die Aktie von JP Morgan weist seit Jahresbeginn gegenüber jener von Goldman Sachs eine relative Outperformance von 7,3% auf. Dieser Trend sollte aufgrund der eindeutigen Überlegenheit von JP Morgan Chase noch längere Zeit andauern.

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