Ex-Banker Striedinger will keinen Vergleich

21. Jänner 2011, 13:59
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Eklat um Buch "Tatort Hypo Alpe Adria" findet kein schnelles Ende

Wien - Im Eklat um das Buch "Tatort Hypo Alpe Adria" von Magazinjournalist Richard Schneider beharrt Ex-Bankvorstand Günter Striedinger auf einer einstweiligen Verfügung und strebe keinen Vergleich an, sagte sein PR-Berater, Ferdinand Bartl, am Freitag. Bartl hält den Großteil des Buches für "inhaltlich falsch", da werde es auch von anderen Seiten entsprechende Reaktionen geben, vermutet er. "Nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Staaten werden da ins Kriminal gesetzt", polterte Bartl. Er schließt nicht aus, dass auch gegen den Autor rechtlich vorgegangen wird. Bis dato richtet sich die Klage "nur" gegen den Residenz-Verlag und Vorwortschreiber Veit Heinichen.

Striedinger, Anwalt Gerhard Kucher und Steuerberater Hermann Gabriel haben den Verlag und den Krimiautor Heinichen, der das Vorwort verfasst hat, geklagt - unter anderem wegen der Beschreibung auf dem Buchumschlag, wonach es sich bei dem Werk um eine "Gesamtdarstellung einer international tätigen Verbrecherclique" handle. Entgegen früherer Ankündigungen wird es am heutigen Freitag noch keine richterliche Entscheidung geben, ob eine einstweilige Verfügung verhängt wird oder nicht, sagte der zuständige Richter vom Landesgericht St. Pölten, Wilhelm Wessely.

Der Grund für die Verzögerung des Richterspruchs ist formaler Natur. Richter Wessely räumte dem Verlag und Heinichen eine Frist von acht Tagen ein, um gegen die Klage Stellung zu nehmen. Für den Residenz-Verlag ist diese Frist heute abgelaufen, für den Mitautor allerdings noch nicht.

Entscheidung steht an

Heinichen lebe in Triest und weile derzeit im Ausland, sagte Residenz-Verlagsleiterin Claudia Romeder. Solange Heinichen die Klageschrift noch nicht zugestellt bekommen habe, beginne die Frist auch nicht zu laufen, erläuterte Wessely. "Es hängt jetzt davon ab, wann er das bekommt. Deshalb kann ich auch noch nicht sagen, wann es zu einer Entscheidung kommt", so der Richter. Vom Verlag habe er noch keine Stellungnahme erhalten. Romeder versicherte, der Verlag werde seine Argumentation noch heute einbringen.

Dem Verlagshaus droht eine einstweilige Verfügung. Denkbar wäre, dass das Haus die inkriminierten Stellen des Buchumschlags schwärzen müsste, ein Auslieferungsstopp verhängt wird oder bereits an den Buchhandel verkaufte Exemplare eingestampft werden müssten. "Da gibt es viele Möglichkeiten. Solange ich die Gegenseite nicht gehört habe, kann ich aber nichts Konkretes sagen", sagte Wessely.

Schneider beschreibt in seinem Buch Immobiliendeals, mutmaßliche Geldwäsche, verdächtige Kredite, "Liechtenstein-Spiele", "Kriegsgewinnler" und politische Handlanger. Schwerpunktmäßig widmet sich das Werk der Rolle der Bank auf dem Balkan. Dazu wird im Wesentlichen auf zahlreiche Medienberichte, Sachverhaltsdarstellungen, Behördenquellen oder auch Geheimdienstberichte verwiesen.

Die Aufregung, die das Buch seit Erscheinen am 4. Jänner 2011 ausgelöst hat, bringt Autor und Verlag nicht nur Sorgen: Das Verlagshaus hat in Österreich und Deutschland bereits 8.500 Exemplare an den Buchhandel ausgeliefert, der Onlinehändler Amazon hat schon jetzt nur noch wenige Exemplare auf Lager. (APA)

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