Paffende Leinwandhelden regen Raucher an

22. Jänner 2011, 17:45
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US-Forscher analysierten Auswirkungen des Films "Matchstick Men" auf die Zuschauer

New York - Wenn Raucher andere Menschen beim Tabakkonsum sehen, reagiert ihr Gehirn ähnlich, als würden sie selbst zur Zigarette greifen. Dies gilt insbesondere für jene Areale, die Handbewegungen koordinieren, wie eine amerikanische Untersuchung zeigt. Darin sahen 17 Raucher und ebenso viele Nichtraucher Teile des Spielfilms "Matchstick Men" mit Nicolas Cage und Sam Rockwell, in dem ausgiebig gequalmt wird.

Dabei beobachteten die Forscher vom Dartmouth College die Hirntätigkeit der Probanden per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Das Ergebnis: Während der Rauchszenen regten sich bei den Tabakkonsumenten spontan bestimmte Hirnareale, die Bewegungen planen und vor allem die Aktionen jener Hand koordinieren, die gewöhnlich die Zigarette hält und zum Mund führt. Hollywoods Studiobosse dürften damit wenig Freude haben: Sie werden von den US-Gesundheitsbehörden seit Jahren daraufhin bedrängt, Tabakkonsum aus Filmen zu verbannen. Im Jahr 2009 enthielt noch etwa die Hälfte der gängigen Kinofilme Rauchszenen, Tendenz sinkend.

Interpretationen

Die im "Journal of Neuroscience" veröffentlichte Studie könnte erklären, warum Exraucher in Gegenwart von Rauchern eher rückfällig werden. "Raucher, die aus einem Film mit Tabakszenen kommen, verlangen stärker nach einer Zigarette als Besucher anderer Filme", sagt der Forscher Dylan Wagner. Möglicherweise, so vermutet er, könne die Stärke der Hirnreaktion beim Anblick von Tabakkonsum Aufschluss geben über das Rückfallrisiko eines Exrauchers.

Ein kleines, aber nicht ganz unwichtiges Detail: Die Forscher erhoben nicht, wie viele der solcherart "angeregten" Raucher anschließend dem Impuls nachgaben und tatsächlich zur Zigarette griffen. Das soll in einer weiteren Untesuchung festgestellt werden. (APA/red)

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    Nicolas Cage hat zumindest bis zur Geburt seines Sohns Weston geraucht - auf der Leinwand tut er's auch heute noch. Dass er es mit seinem Auftritt in "Matchstick Men" einmal in ein Wissenschaftsmagazin schaffen würde, hätte er vermutlich aber nicht gedacht.

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