"Help U"-Streetworker mit immer weniger Einsätzen

21. Jänner 2011, 13:46
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19.000 Interventionen im Vorjahr - Betroffene wurden in Betreuungseinrichtungen integriert

Seit fünf Jahren sind die orange gekleideten Streetworker des Projekts "Help U" am Wiener Karlsplatz aktiv. Ihre Aufgabe ist es, das Sicherheitsgefühl der Passanten zu erhöhen und Konflikte zu entschärfen. Die Bilanz fällt positiv aus: "Die Zahl der Einsätze ist sehr, sehr stark zurück gegangen", resümierte der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel am Freitag anlässlich des Fünf-Jahres-Jubiläums von "Help U". Wurden 2007 noch 37.000 Interventionen gezählt, waren es im Vorjahr nur mehr rund 19.000.

Täglich benützen rund 200.000 Personen die Passage beim Karlsplatz. Probleme bleiben dabei nicht aus, handelt es sich beim Areal doch um einen Drogenbrennpunkt. Aus diesem Grund wurde 2005 auf Initiative der Stadt Wien gemeinsam mit den Wiener Linien das Projekt "Help U" ins Leben gerufen. Die Streetworker werden in gesundheitlichen Notfällen aktiv oder schreiten bei Konflikten ein. Überdies fungieren sie als Ansprechpartner für alle Beteiligten - von Touristen und Geschäftsleuten über Suchtkranke bis hin zu Polizei und Rettung. Aufgabe der "Help U"-Mitarbeiter sei es, "Regeln zu kommunizieren und auch durchzusetzen", erklärte Wiener Linien-Geschäftsführer Michael Lichtenegger.

Zahl der Einsätze reduziert sich

In den Jahren nach der Gründung stieg die Zahl der "Help U"-Interventionen: Wurden im Jahr 2006 noch 28.000 Einsätze registriert, waren es 2007 bereits 37.000. Danach erfolgte laut Dressel ein kontinuierlicher Rückgang. Im Vorjahr schritten die Streetworker nur mehr rund 19.000 Mal ein. Zurückzuführen sei das auf die Arbeit der Mediatoren sowie die erhöhte Präsenz der Polizei. Zudem wurde im Juni wegen des Umbaus der Karlsplatzpassage - der "große Baustart" steht laut Lichtenegger kurz bevor - der Spritzentausch von dort zur Einrichtung Ganslwirt in Mariahilf verlagert.

"Wir haben eine starke Reduktion der Szene geschafft", betonte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Sie unterstrich jedoch, dass die Betroffenen nicht vertrieben worden seien. Vielmehr sei es gelungen, diese in soziale Einrichtungen zu integrieren. Im Sommer habe etwa die Einrichtung TaBeNo mit dem Betrieb gestartet, die "sehr gut angenommen" werde. Derzeit sind laut Dressel rund 40 sozial desintegrierte Personen am Karlsplatz anzutreffen, vor zwei Jahren waren es noch rund 150.

Keine Attraktivität für die Szene

Die Gesundheitsstadträtin glaubt nicht, dass sich die Szene - etwa nach dem Umbau der Karlsplatzpassage - zurück verlagern könnte: "Es besteht keine Attraktivität zu sagen: 'Wir gehen wieder auf den Karlsplatz'." Dressel betonte jedoch, dass es wichtig sei, die Vermittlungsarbeit weiterzuführen. Andernfalls würde "über kurz oder lang wieder eine Szene entstehen", befürchtete er.

Das achtköpfige "Help U"-Team besteht aus Mitarbeitern des städtischen Vereins Wiener Sozialprojekte sowie der Wiener Linien. Sie sind von Montag bis Freitag von 7.00 Uhr bis 22.00 Uhr und am Wochenende von 13.00 Uhr bis 21.00 Uhr im Einsatz - mit orangen Poloshirts mit großem Help U-Aufdruck, bei dem das U dem U-Bahn-Symbol gleicht. Neben den "patrouillierenden" Mediatoren gibt es beim U-Bahn-Ausgang Resselpark auch eine fixe Anlaufstelle. Die Kosten von rund 500.000 Euro pro Jahr teilen sich die Wiener Linien und die Stadt. (APA)

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