Honeymoon-Zystitis

Erreger in den Flitterwochen

23. Jänner 2011, 17:23
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    foto: apa/robert f. bukaty

    Bestimmung der Bakterien in der Urinprobe: Bis die Ergebnisse fertig sind, können Patientinnen oft nicht warten.

Für manche Frauen sind Harnweginfektionen eine ständig wiederkehrende Plage - In hartnäckigen Fällen sind Antibiotika die effektivsten Helfer

Höllisch zieht es im Unterleib, und sie muss ständig auf die Toilette. Doch dann kommen nur wenige Tropfen, und es brennt fürchterlich. Diagnose: akuter Harnwegsinfekt. Harnwegsinfektionen sind einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch. Bei etwa 35 von 1000 Patienten in Hausarztpraxen stellen Mediziner eine Infektion fest. Bakterien lösen sie in den meisten Fällen aus, am häufigsten das Darmbakterium Escherichia coli. Meist diagnostizieren Ärzte eine "unkomplizierte" Infektion: Die Nieren funktionieren noch normal, die Erkrankten haben kein Fieber und keine Begleitkrankheiten. "Kompliziert" nennen sie es zum Beispiel, wenn sie in den Harnwegen anatomische Besonderheiten wie Engstellen finden oder eine Frau auch noch an anderen Erkrankungen leidet.

Jede zweite Frau bekommt mindestens einmal in ihrem Leben einen Harnwegsinfekt. "Das hat einen einfachen Grund", sagt Gabriel Schär von der Europäischen Urogynäkologischen Gesellschaft. "Darmausgang und Harnröhre liegen nur wenige Zentimeter nebeneinander. Bei günstigen Bedingungen, etwa beim Geschlechtsverkehr, breiten sich die Bakterien vom After oder der Scheide in die Harnröhre aus." Männer und Buben hingegen bekommen es nur selten.

Bei Frauen erkranken vor allem jüngere, die zum ersten Mal Sex haben, Schwangere und Frauen nach den Wechseljahren. "Das Risiko für einen Harnwegsinfekt ist 48 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr etwa 60-mal höher als sonst", sagt Karl Tamussino, leitender Gynäkologe an der Med-Uni Graz. Daher stammt auch der Begriff "honeymoon cystitis" Die Zusammensetzung der Keime im Intimbereich ändert sich beim ersten Sex. Frauen haben außerdem ein höheres Risiko, wenn sie mit Diaphragma oder spermienabtötenden Cremen verhüten.

Laktobazillen in der Scheide sorgen normalerweise für ein saures Milieu - das schützt vor einer Infektion. Östrogene verbessern die Lebensbedingungen für die Bakterien. "Nach den Wechseljahren sinkt die Hormonkonzentration, die Menge an Laktobazillen nimmt ab, und das Risiko für eine Infektion steigt", erklärt Gynäkologe Tamussino. "Außerdem wird durch den Hormonmangel die Schleimhaut dünner, und Keime können leichter eindringen."

Schmerzhafte Episoden

Die Beschwerden sind meist eindeutig: Brennen beim Wasserlassen, Harndrang und Schmerzen über dem Schambein. "Weisen die Symptome auf eine Infektion und kennen wir die Patientin, brauchen wir meist keine weitere Diagnostik", sagt Tamussino. "Ansonsten untersuchen wir den Urin mit Teststreifen und unter dem Mikroskop auf Bakterien." Nur in speziellen Fällen - etwa bei Fieber oder Begleitkrankheiten - ordnet er eine Urinkultur an: Labormitarbeiter züchten die Keime auf Nährböden an und wissen nach einigen Tagen, was für Keime es sind und welche Antibiotika dagegen helfen.

Unkomplizierte Harnwegsinfekte heilen eigentlich gut von selbst. "Wir empfehlen aber trotzdem Antibiotika", sagt der Gynäkologe Schär. "Denn sie können die quälenden Beschwerden sofort lindern, und die Keime verschwinden schneller." In den meisten Fällen wissen Ärzte nicht, welche Bakterien die Infektion verursacht haben. Denn das Ergebnis der Urinkultur liegt erst nach einigen Tagen vor, und bis dahin ist die Infektion meist vorbei. "Deshalb empfehlen wir die Antibiotika, die gemäß Studien am besten gegen Harnweginfektions-Bakterien wirken und am wenigsten Resistenzen verursachen", sagt Schär.

Resistenz bedeutet, dass das Antibiotikum nicht mehr wirkt. Ist eine Frau nicht schwanger und hat keine Allergie, raten die Experten meist zu Chinolonen, Trimethoprim, Cotrimoxazol, Fosfomycin, Nitrofurantoin oder dem Penicillin Pivmecillinam (siehe Wissen-Kasten unten). Schwangere bekommen meist Penicillin, da dies dem Ungeborenen nicht schadet.

Studien zeigen aber auch, dass sich bei den meisten Frauen die Beschwerden innerhalb von zwei Tagen mit der dreitägigen Kurzzeittherapie bessern. Eine längere Einnahme linderte die Symptome nicht schneller, es kam aber häufiger zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder Hautausschlägen. Früher empfahlen Ärzte mitunter eine "Single-shot"-Therapie mit einer einmaligen Antibiotikagabe. "Inzwischen wissen wir aber, dass dies häufiger zu Rückfällen führt, weil mehr Bakterien überleben", sagt Schär. Bis zu jede fünfte Frau kommt innerhalb einiger Monate noch einmal einen Infekt, manche leiden episodisch immer wieder darunter. "Diese Frauen sollten sich gründlich untersuchen lassen", rät der Gynäkologe Schär. "Denn dahinter könnten bestimmte Krankheiten stecken, zum Beispiel wenn sich die Scheidenwand vorwölbt und ständig Restharn in der Blase steht." (Felicitas Witte, DER STANDARD Printausgabe, 24.1.2011)

Wissen:

Infekten den Garaus machen

Nitrofurantoin bauen die Bakterien zu einem Stoff um, der an ihre eigene DNA bindet und sie schädigt. So können sich die Keime nicht mehr vermehren und gehen zugrunde. Sulfonamide wie Sulfamethoxazol und Trimethoprim hemmen zwei verschiedene Enzyme innerhalb der Bakterien, die die Produktion von Tetrahydrofolsäure (THF) ankurbeln. Ohne THF können die Bakterien keine DNA herstellen und sich dadurch auch nicht mehr vermehren.

Bei Harnwegsinfektionen gibt der Arzt die beiden Präparate meist in Kombination als Cotrimoxazol.

Chinolone, die alle auf "...oxacin" enden, hemmen ein weiteres Enzym in den Bakterien. Dies sorgt dafür, dass die DNA "ordentlich" aufgewickelt wird. Ohne das Enzym sterben die Bakterien. Inzwischen wirken Chinolone gegen viele Harnwegkeime nicht mehr, weshalb Ärzte zunächst eher andere Antibiotika verschreiben. Penicilline und Fosfomycin stören den Aufbau der Bakterienwand und sie lösen sich auf. (fewi)

Weiterlesen:

Blasenentzündung: Tipps zur Prävention

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
soajammersosamma
06
24.1.2011, 14:14

Gefördert wird die Infektion auch durch Blasen- oder Nierensteine und eine schlecht funktionierende Blasenmuskulatur (durch Diabetes mellitus oder neurologische Ursachen). Diabetiker mit schlecht eingestelltem Blutzucker sind ebenfalls häufiger gefährdet, weil der Zuckergehalt im Urin beste Bedingungen für Bakterien bietet.

Normalerweise wäscht der Urin die Bakterien, die sich in der Harnröhre befinden einfach weg. Bekommt der Körper aber zu wenig Wasser, scheidet er wenig Urin aus, die Bakterien vermehren sich und lösen eine Entzündung aus. Auch Zug und Kälte wirken bakterienfreundlich, weil dadurch die Blasenschleimhaut auskühlt und sie schlechter durchblutet wird. Östrogenmangel begünstigt ebflls eine Infektion, usf.

Strawberryfrog
 
00
24.1.2011, 17:09

guter post, danke!

grrr, zwölfmal im jahr
32
24.1.2011, 16:10
loslassen

also ich habe mich auch jahrelang mit Blasenentzündungen herumgeplagt...bei mir war das Problem die Psyche...denn trotz all den vielen Tipps kam es regelmäßig alle 3-6 Monate wieder...ich hab dann mal ein Buch in die Finger bekommen, das heißt "Krankheit als Weg" (von Rüdiger Dahlke)und gelesen, dass Personen mit Blasenentzündungen Probleme haben loszulassen... bei mir ein absoluter Volltreffer...Das kann übrigens viele Bereiche betreffen...(Beziehung, Beruf etc.)
Wie man ja sicherlich weiß, ist es total ätzend und unangenehm, ununterbrochen zur Toilette zu gehen und man möchte den Urin eigentlich gar nicht "loswerden" weil es so weh tut...
Vielleicht könnte das ja auch ein Ansatzpunkt sein...

birka
00
29.1.2011, 23:31

Jeder Mensch hat Probleme mit loslassen!
Außerdem haben wohl die meisten irgendwelche "Wehwehchen" die immer wiederkehren wenn grad eine psychische Belastung da ist. Dass bei dir Loslass-Probleme und Blasenentzündung zusammenfallen halte ich nicht für auf die Allgemeinheit übertragbar..

Dirty Sanchez
 
57
24.1.2011, 14:08
Tja,

beim Eintritt durch Sodoms Pforte können die Bakterien nicht in den Harnweg gelangen. So einfach ist das! Und technische Jungfrau bleiben die Damen auch.

Der Große von Gegenüber
00
25.1.2011, 07:18

back door stuff ...

TanteMitzi
01
24.1.2011, 23:00

Den, der eintritt, den hams vergessen ?

werwolfi
01
24.1.2011, 20:00

na das musste ja kommen (und fast unweigerlich von dir ;oP)

amrum1
00
24.1.2011, 11:31
heilt nicht von selbst

also von selbst heilt so eine blasenentzündung nach eigenen erfahrungen definitiv nicht. aufs klo gehen nach dem sex kann verhindern das man eine blasenentzündung bekommt. ausserdem zur vorbeugung preiselbeersaft trinken. die gerbstoffe der preiselbeere lagern sich an der blaseninnenseite ab und diese milieu mögen die darmbakterien gar nicht. aber den besten tip habe ich in einem forum bekommen. Angocin anti infekt sind homoöpathische tabletten mit Krenextrakt die die gleich wirkung wie preiselbeersaft haben und auch als vorbeugung vor erkältungen schützen sollen. die nehme ich in der kalten jahreszeit und habe seither weder blasenentzündung noch erkältung im winter.

Reisebegleiterin
00
25.1.2011, 22:02

tut mir leid sie enttäuschen zu müssen. da lagert sich gar nix ab an der blasenwand, auch keine preiselbeergerbstoffe.

amrum1
00
27.1.2011, 12:27
guckst du hier

http://www.buempliz-apotheke.ch/uploads/m... ard_01.pdf

es steht zwar nicht genau "ablagern" in dem Artikel aber "Preiselbeersaft wirkt entzündungshemmend an den Schleimhäuten der Harnwege". Ist also unterm Strich nix anderes.

Reisebegleiterin
00
27.1.2011, 13:12

*husthust*
nein das is ned dasselbe, aber lieb wie sie sich um ihre gesundheit kümmern

jodaflo
 
131
24.1.2011, 11:19
wie wärs mit hygiene? wir hätten da ein vorbild sondergleichen der nur 1 und 1 zusammenzählte: http://de.wikipedia.org/wiki/Igna... Semmelweis

werwolfi
00
24.1.2011, 20:02

jessas...

die aussage fällt in etwa in die kategorie "wos brauch ma a fristenregelung wemma eh olle g'scheit verhüten"...

es gibt in der natur nun einmal keine 100%, egal wobei, und vollkommen egal was du aufführst.

m m 10
00
24.1.2011, 13:23
sie kennen...

...sich offenbar sehr gut aus. das leben muss schön sein, so schwarz & weiß....

amrum1
02
24.1.2011, 12:10
superschlau

offensichtlich haben sie noch nie einen harnweginfekt gehabt sonst würden sie nicht so gscheit daherreden. ausserdem steht auch in dem artikel das frauen sehr dazu neigen weil nun mal der abstand zwischen darmausgang und Harnröhre sehr gering ist. diese infekte haben nicht immer etwas mit mangelnder intimhygiene zu tun. die diversen intimwaschlotionen können das natürlich milieu in einigen fällen so ruinieren dass sie dann sogar anfälliger für pilzerkrankungen oder diverse infekte sind. ausserdem lässt es sich gar nicht verhindern das darmbakterien den ausgang verlassen ohne sofort vernichtet zu werden, da wären sie pausenlos am wischen. (Natürlich schön brav von vorne nach hinten)

fertigprodukt
00
24.1.2011, 11:40

das betrifft aber leider nicht die frauen.....

the academic cyber sense
00
24.1.2011, 10:48

liebe standardredaktion!

"Schwangere bekommen meist Penicillin, da dies dem Ungeborenen nicht schadet."

falsch! penicillin ist definitiv kein antibiotikum für harnwegsinfekte. gemeint sind betalaktamantibiotika. (daher penicillinartige). die kann man schwangeren geben.

Strawberryfrog
 
110
23.1.2011, 23:36
danach aufs klo gehen!!

ich hatte immer wieder blasenentzündungen, bis mir eine bekannte einen kleinen aber sehr wirksamen tipp gab: danach einfach aufs klo gehen! die bakterien dringen "per lift" nach oben bis an die blase, durch den urinstrahl werden sie aber wieder ausgeschwemmt. ich hatte seit dem keine oder sehr sehr selten eine, eben meistens dann, wenn ich nicht danach am klo war.
übrigens ist cystitis ein tolles mittel dagegen, kriegt man aber nur in deutschland, warum auch immer. (soweit ich mich erinnern kann ist es sogar homöopathisch)
und dass die meisten harnwegsinfekte von alleine heilen halte ich für ein gerücht. das sollte man nicht auf die leichte schulter nehmen, eine nierenbeckenentzündung ist nämlich alles andere als witzig..

Strawberryfrog
 
00
24.1.2011, 17:07
Cystinol

übrigens das erwähnte mittel heißt cystinol, nicht cystitis ;) http://www.cystinol.de/patienten... s/cys2.htm
ich habs damals nur in D bekommen, vielleicht gibt es das mittlerweile auch schon in Ö. Ist pflanzlich und besteht aus Bärentraubenblätter-Trockenextrakt. Ich hatte damals wirklich chronisch Blasenentzündungen (vor dem Tipp mit dem Klo gehen..) und die haben mir super geholfen, konnte vollkommen auf Antibiotika verzichten.

Übrigens: Ja, auch Hygiene spielt eine Rolle - aber die Frau sollte sich in ihrem Intimbereich nur mit Wasser oder einer ph-neutralen Seife waschen, alles andere ist zu aggressiv und hat den Effekt, dass die Bakterien erst recht wieder leichtes Spiel haben. Glaub kaum dass eine Intimrasur dabei eine Rolle spielt..

WBR
00
24.1.2011, 12:29

Cystitis bekommt man nur in Deutschland?
Schön wär´s!

:-)

Aber der Pinkeltipp klingt zumindest einleuchtend.

mozi1
46
24.1.2011, 10:08
lulu nachher beugt sicher super vor, absolut logisch.

Was mir im Artikel fehlt, ist der Zusammenhang mit der Hygiene des männlichen Partners. Was ich so gehört habe, sind meine Geschlechtsgenossen da manchmal recht nachlässig. Letztendlich wechseln ja Partikel vieler Regionen beider Partner - wenn auch unbeabsichtigt oder über Umwege - an vielen Stellen des anderen. Also sollte Sauberkeit für beide das oberste Gebot sein.
Diese fällt (auch dem Mann) leichter, wenn er nicht gerade einen vietnamesischen Dschungel vorzuweisen hat ;)
Also, Kumpels, rasierts euch! *gg*

Angelika70
00
26.1.2011, 15:52
Also, Kumpels, rasierts euch! *gg*

Na, bitte net! Echt net!

soajammersosamma
01
24.1.2011, 14:27
Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten

können durch sexuellen Kontakt übertragen werden. Durch sie bedingten Erkrankungen kann meistens durch einfache Maßnahmen, wie zB eine regelmäßige Reinigung der äußeren Geschlechtsorgane vorgebeugt werden, nicht?

Systematische und regelmäßige Reinigung ist bei beiden Geschlechtern zu empfehlen.

Das gilt freilich auch für Sexspielzeug ^^

Fabrizias Fellpflege
13
24.1.2011, 14:59

Mein Mann und ich legen auch sehr viel Wert auf eine gepflegtes, sauberes Äusseres. Mir ist ein guter Duft noch wichtiger als meinem Mann.
Wir haben mal einen Swngerclub besucht und sind dort auf den Geschmack gekommen, mal mit anderen Paaren erotische Stunden zu verbringen.
Nur leider scheitert es, wenn es mal zu einem Treffen kommt, immer an der Hygiene der Männer. Ich verstehe dann nie, wie diese Frauen das aushalten. Beginnend mit Mundgeruch, Schweißgeruch und Käsefüßen. Über den Rest will ich hier gar nicht reden. Habe auch schon oft gedacht ich sei zu pingelig, aber eigentlich ist es doch gut zu wissen was man will oder eben nicht will. Wenn Männer auf eine ungepflegte Frauen treffen würden, was wäre denn dann?

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