Arbeitsgesundheitsmonitor

Über 40 Prozent gehen krank zur Arbeit

24. Jänner 2011, 11:03
  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/hirschberger

    Fitspritzen? Über 40 Prozent gehen laut AK krank zur Arbeit.

AK-Präsident: "Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit, weil sie Angst vor Konsequenzen haben"

Linz - "Die Wirtschaftskammer behauptet, immer mehr Krankenstände würden von Arbeitnehmern durch eigenes Fehlverhalten mitverursacht oder bewusst missbräuchlich in Anspruch genommen", heißt es in einer Aussendung der Arbeiterkammer. "In Wahrheit ist es umgekehrt", sagt Oberösterreichs AK-Präsident Johann Kalliauer: "Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit, weil sie Angst vor Konsequenzen haben."

Angeblich 17 Prozent mehr Krankenstand

Laut Angaben der Wirtschaftskammer ist die Krankenstandsquote in Oberösterreich seit 2006 um 17 Prozent angestiegen. Die höhere Quote habe den Aufwand beim Krankengeld in den vergangenen fünf Jahren um mindestens 39 Prozent steigen lassen. Das habe den oö. Unternehmen 90 Mio. Euro gekostet. Als Hauptgründe für den Anstieg sah die WK einen ungesunden Lebensstil und Freizeitstress, leichtfertige Krankschreibung einiger Ärzte und vorgetäuschte Erkrankungen.

Die Arbeiterkammer OÖ kontert, indem sie mit dem Arbeitsgesundheitsmonitor Daten zum Thema Arbeit und Gesundheit liefert. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Befragung österreichischer Arbeitnehmer im Auftrag der AK: "41 Prozent der Arbeitnehmer geben an, dass sie auch krank zur Arbeit gehen", kritisiert die Arbeiterkammer, dass immer mehr ihre Gesundheit aufs Spiele setzten. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Frage der Führung

Die AK appelliert hier an die Führungsqualitäten: "Arbeitnehmer, die sich durch ihre Vorgesetzten belastet fühlen, gehen signifikant häufiger trotz Krankheit arbeiten und müssen dennoch deutlich öfter in den Krankenstand gehen." Druck auf Kranke auszuüben sei völlig kontraproduktiv: "Denn es bedeutet, dass die Krankheit dann meist schlimmer oder gar chronisch wird", so die AK.

Krank werden Arbeitnehmer aus unterschiedlichsten Gründen, oft aber auf Grund ihrer Arbeitsbedingungen. So klagen etwa 59 Prozent aller Arbeitnehmer über Rückenschmerzen, 57 Prozent führen dies auf ihre Arbeit zurück. Bei über 50-Jährigen sind es sogar 71 Prozent. 60 Prozent davon führen es auf die Arbeit zurück.

Laut Auskunft der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse blieb die Summe der Krankenstandstage im Vorjahr nach vorläufigen Schätzungen ziemlich genau auf dem Niveau von 2009. (red, derStandard.at, 24.1.2011)

Kommentar posten
25 Postings
4321
01
25.1.2011, 17:31

würde mich interessieren, was die wirtschaftskammer da an zahlen hat - oder vlt besser: nicht hat, bei den paar hundertausend selbständigen, für die es ja sinnlos ist sich krank zu melden. sind die eigtl. irgendwie statistisch erfasst?

Fritz Meyer
02
25.1.2011, 17:15
Der Terror funktioniert.

Angst machen, Angst schüren, Druck ausüben.

Und die Konsequenzen tragen die Betroffenen und (derzeit noch) das Gemeinwohl.

W.Hammerl
20
25.1.2011, 16:48

Und wieviele machen blau obwohl sie gesund sind?

themagicman
00
25.1.2011, 13:53
Was heißt hier eigentlich "krank"?

Ich denke, 90 % jener die eine Verkühlung haben, gehen in die Arbeit. Ob das gut ist, sei dahingestellt.

sociovation
00
25.1.2011, 15:21
Die beliebteste Krankheit am Arbeitsplatz ist bekanntlich die Darminfektion

Da kann man mal so richtig auf seinen Job sch....

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
111
25.1.2011, 07:26
Hochverehrte Arbeitgeber!

Im Namen aller Arbeitnehmer möchte ich mich auf diesem Wege ganz herzlich für die wunderbaren Arbeitsbedingungen bedanken, die Ihr für uns geschaffen habt. Wir sind uns der Ehre bewusst, die Ihr uns zuteil werden lasst, indem wir für Euch unsere Arbeitskraft, unseren Elan und unsere Gesundheit einsetzen dürfen. Da wir leider auch hie und da ein bisserl was essen müssen, ist es unumgänglich, uns ein wenig Geld zukommen lassen. Aber nicht zu viel, wir wollen ja Euren Reichtum nicht unnötig schmälern und keine Umstände machen.

Hochachtungsvoll
Euer treu ergebenes Arbeitnehmervieh

Der Fackelträger
06
25.1.2011, 10:23
Krank

Und in der Regierung gibt man sich dann verdutzt, dass alle sobald wie möglich in Pension gehen wollen, auch mit Abschlägen, nur um dieser unerträglich gewordenen Arbeitswelt zu entkommen. Die von uns dafür bezahlten Politiker sollten sich schleunigst etwas einfallen lassen, um die Situation zu verbessern. Blosses Erhöhen des Pensionsalters bringt da nichts (ausser längerer Arbeitslosigkeit).

myschkin
05
25.1.2011, 13:53

Die Politiker geben doch mit diesen "Lösungen" öffentlich preis in wessen Auftrag sie arbeiten. Schlimm nur, dass sie von den "Opfern" dieser Politik bezahlt werden.

relatio subsistens
10
24.1.2011, 23:10

Noch nie in der Geschichte haben die Menschen (hierzulande) so wenig Zeit für die Erwerbsarbeit aufwenden müssen wie heutzutage.

Fritz Meyer
03
25.1.2011, 17:16
Und noch nie seit der Feudalzeit...

haben so wenige auf Kosten ALLER so gut an diesen Zuständen verdient.

relatio subsistens
00
25.1.2011, 17:49

Das ist leider falsch. Die staatliche Umverteilungsquote ist auf einem historischen Höchststand.

Wenn man bedenkt, dass die Steuerquote etwa 50% beträgt (am meisten leidet daran der ominöse "Mittelstand").

Man kann allenfalls sagen, dass im internationalen Kontext, die reichen Länder (also wir) von der Armut der armen Länder profitieren.

Die Geschichte mit der Verteilungsgerechtigkeit ist gar nicht so einfach, weil es an stichhaltigen und anwendbaren Kriterien fehlt. Und das, was verteilt wird, muss zunächst einmal erwirtschaftet werden.

myschkin
22
25.1.2011, 13:58

Noch nie in der Geschichte sind die Menschen so sehr um den Lohn ihrer Arbeit betrogen worden wie heute.
Ich fürchte aber, mit ihren Zeitmessungen verirren sie ein wenig.
Erwerbsarbeit gab es immer?
Was taten die Menschen vor dieser Erwerbsarbeit?

relatio subsistens
00
25.1.2011, 19:34

Arbeiten, damit sie überleben?

Antonov
00
25.1.2011, 11:12

Im 16. Jahrhundert ist aber nicht viel mehr gearbeit worden als heutzutage, trotz der damals viel geringeren Produktivität.

http://books.google.at/books?id=... it&f=false

superblau
 
00
24.1.2011, 21:37
die armen deppen!

serotonin
05
24.1.2011, 20:41
Die WK hat "fast" recht

Nur ist es nicht der Freizeitstress, sondern der ungesunde Arbeitsstil, der immer mehr um sich greift. 30 Jahre Bildschirm, Kaffee und Dauerstress, dann ist man reif für Orthopädie oder Psychiatrie. Volkswirtschaftlich gesehen ein klassischer Knieschuss.

Uniquin
 
01
24.1.2011, 21:11

und wenn man um 20:41 noch immer vor dem Bildschirm sitzt werden Augen und Rücken noch schlechter. Macht auch noch stress, wenn man dann dumme Antworten liest :-))

werwolfi
05
24.1.2011, 19:10

"Immer mehr Menschen gehen krank zur Arbeit, weil sie Angst vor Konsequenzen haben"

arg.

weit haben wir's gebracht im schönen neuen neoliberalismus.

Uniquin
 
01
24.1.2011, 21:14

es gibt auch solche die meinen trotzdem an meetings teilnehmen zu können sowie telefonieren zu können obwohl die linke hand im gips ist. mag in manchen fällen der neoliberalismus sein, in allen aber nicht.

Ex Tempore!
01
24.1.2011, 16:00

... und 60% werden überhaupt erst in der Arbeit krank!

Childerich von Bartenbruch
07
24.1.2011, 13:54
aha!

"Als Hauptgründe für den Anstieg sah die WK einen ungesunden Lebensstil und Freizeitstress, leichtfertige Krankschreibung einiger Ärzte und vorgetäuschte Erkrankungen."

also in den letzten vier jahren haben sie die arbeitnehmer einen ungesunden lebensstil angeeignet, mehr freizeitstress aufgehalst etc. etc.

es steht jedenfalls vollkommen außer zweifel, dass es an den arbeitsbedingungen liegen kann.

mbli
20
24.1.2011, 13:36
und mindestens ebensoviele gesund in krankenstand!

sociovation
12
24.1.2011, 13:29
Geh bitte

Der Jobs arbeitet auch samt seinem Krebs.
Man muss halt nur wollen.

MirIstZumSpeibn
 
03
25.1.2011, 13:05

für ein paar Millionen pro Jahr würde meine Überwindungskraft auch steigen

Stefan Mayr1
00
24.1.2011, 12:47
Warum wohl?

Wer sagt: "Meinen Kindern soll es einmal besser gehen", liegt einem fatalen Irrtum auf. http://bit.ly/gUdbtq #Unterschicht #Rolf Röhrig

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.