Nachlese: ÖBB-Tickets

Geschenkte Kilometer in der 1. Klasse

Martin Obermayr, 24. Jänner 2011, 15:08
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    screenshot: michael theimer

    Bahnkunde Michael Theimer hat versucht, ein Ticket von Baden nach Wien-Praterstern zu kaufen, und musste feststellen, dass er 3,60 Euro mehr bezahlen muss, wenn er über das ÖBB-Webportal bestellt.

Wer online Fahrkarten kauft, kann mehr bezahlen - Der Stadtgrenze-Button am Automaten wird noch einmal evaluiert

Die Umstellung beim Ticket- und Tarifsystem der ÖBB hat in den vergangenen Wochen für viel Diskussionsstoff gesorgt: Wie derStandard.at berichtete, wurde zuerst die Regelung für Rückfahrkarten heftig kritisiert, wodurch die Bundesbahnen schließlich zurückruderten und eine Amnestie für Jänner gewährten. Kurz darauf wurde klar, dass man für gewisse Fahrstrecken doppelt bezahlt, weil die Taste "ab Stadtgrenze" bei den Automaten in Wien entfernt wurde.

Gerade die Abschaffung des Buttons verärgert ÖBB-Kunden wie Michael Theimer. "Wer also ein Ticket ab Stadtgrenze lösen möchte, der soll halt erstens die Station schon im Kopf haben und zweitens einige Knöpfe zusätzlich drücken. Also zum Beispiel 'L-I-E-S-I-N-G'. Das dauert ungefähr 30 Sekunden mehr." Gerade zu Stoßzeiten würde das zusätzliches Gedränge an den Automaten und Zeitverlust bedeuten.

Button als Symbol

Mit dieser Beschwerde konfrontiert erklärt ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer: "Der Stadtgrenze-Button ist europaweit ein Unikat. Wie uns die öffentliche Diskussion darüber gezeigt hat, ist er den Wienerinnen und Wienern über die Jahre ans Herz gewachsen. Deshalb wird diese Maßnahme aktuell einer Evaluierung unterzogen."

Sind 1. Klasse-Kunden mehr wert?

Bahnkunde Theimer vermutet hinter der Aktion aber auch ein kleines Geschäft für die ÖBB: "Sie fühlen sich von jenen Kunden missbraucht und betrogen, die beispielsweise am Wiener Westbahnhof in den Zug steigen und mit der 1. Klasse nach Sankt Pölten fahren - und sich bisher ein 1. Klasse-Ticket ab Stadtgrenze gekauft haben." Nur gebe es in der Kernzone Wien des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR) keine 1. und somit auch keinen Aufpreis von der 2. auf die 1. Klasse. "Also entgehen der ÖBB Einnahmen, weil die Kunden ein 1. Klasse-Ticket ab Purkersdorf (das ist die Stadtgrenze) gekauft haben und genau genommen ab Wien West kaufen sollten", so Theimer. 

Keine Anleitung zum Missbrauch

ÖBB-Sprecher Gfrerer will diesen Hintertürchen-Effekt nicht bestätigen. Auf derStandard.at-Frage, wie man denn nun mit jenen Kunden verfahren wolle, die genau das machen, sagt Gfrerer: "Das wird von unseren Zugbegleitern kulant gehandhabt." Ob das auch für 1. Klasse-Monatskartenbesitzer, z.B. für St. Pölten-Wien, gelte? "Diese Monatskarten sind eher selten der Fall, es gilt aber das Gleiche: 1. Klasse-Kunde ist 1. Klasse-Kunde", betont Gfrerer.

Verwirrung bei Online-Tickets

Für Fahrgast Michael Theimer ist das Thema damit noch nicht erledigt, denn auch bei den Online-Tickets ortet er eigenartige Berechnungsmodelle (siehe Screenshot): "Für die Strecke von Baden nach Wien-Praterstern und eine Tageskarte für die VOR-Kernzone Wien muss ich 11,40 Euro bezahlen. Das sind 3,60 Euro mehr, als wenn ich ein Ticket bis Wien-Liesing und dann eine Tageskarte kaufe." Denn von Baden nach Wien-Liesing kostet ein Hin- und Rückfahrt-Ticket für Vorteilscard-Inhaber insgesamt 3,60 Euro.

"Diese Fälle muss man im Detail analysieren", entgegnet Bahnsprecher Gfrerer. Bis wann die Entknotung des Tarifsystems dauern würde, konnte Gfrerer allerdings noch nicht vorhersagen

"Rückzahlung" für 1. Klasse-Gäste

Fahrgast Michael Theimer wird dennoch weiterhin Bahnfahren, auch wenn er etwa gerade das Thema Stadtgrenze-Button recht zynisch kommentiert: "Variante 1: Schenk' der ÖBB Geld und kaufe dein Ticket von deinem Wiener Ausgangsbahnhof. Du weißt ja, es ist 'die Rückzahlung' für jene, die in der 1. Klasse sitzen und nur die 2. bezahlt haben. Variante 2: Falls dir der Stationsname an der Stadtgrenze nicht einfällt, frag' den Zugbegleiter oder die Zugbegleiterin des Zuges, mit dem du fahren wolltest und dann geh zurück zum Automaten und nimm den nächsten Zug in 15, 30 oder 60 Minuten! Variante 3: Steig' ohne Ticket direkt beim Zugbegleiter oder der Zugbegleiterin in den Zug und kauf dir bei ihm oder ihr ein Ticket für 60 Euro." (mob, derStandard.at, 21.1.2011)

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Posting 1 bis 25 von 222
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Grantscherben
32
25.1.2011, 18:42
Wahre Qualität kostet eben ...

Die einzig wahre 1. Klasse ist am Steuer meines Wagens. Abfahrtszeit beliebig, Fahrgeschwindigkeit wählbar, verstellbare Sitze, Raumtemperatur frei wählbar, keine anderen Fahrgäste - schon gar keine lautstarken Trutschn und garantiert Schaffnerlos

R. Lexer
12

1. Klasse heißt bei Ihnen selber Lokführer auf der eigenfinanzierten Lok spielen zu müssen?

damienduff
31
25.1.2011, 17:48
österreichische betrüger bande -> öbb

patrese ricardo
20
25.1.2011, 17:30
ich hasse diese Automaten

zum Bedienen dieser lieblos gestalteten Bedienoberfläche braucht man ja schon einen Studium für Un-Useability.

Den Programmierer/Entwickler dieser Oberfläche würde ich gerne mal in einer dunklen Seitengasse "sprechen" :-)

Markus1975
00
25.1.2011, 17:13
tolles Argument

dass der Stadtgrenze Button ein Unikat ist ... nur eigentlich völlig idiotisch, dann auch das Tarifsystem ist ein Unikat, geschieht doch die Preisgestaltung in anderen Ländern entfernungsabhängig ... also nicht wie in Wien praktiziert. Wie wurde eigentlich evaluiert, dass man den Button weglässt ? Ich hoffe nicht, dass es nur diesen einen Grund gab ...

saifalislam
01
25.1.2011, 17:04
Man...

... mag ueber die OEBB-Fahrkartenautomaten schimpfen soviel man will.

Ich habe im Sommer in Paris am Flughafen CDG ein RER Ticket ins Zentrum gekauft. 70% der Automaten waren defekt und die Ergonomie der restlichen Automaten war auch furchtbar.

Mr. Bernhard
01
25.1.2011, 18:16
Stimmt,

ich stand auch schon kurz vor einem Wutausbruch in Paris CDG. Nicht genügend Münzen dabei, Papiergeld schluckt der Automat nicht, Kreditkarten und Bankomarkarten aus Österreich mag er auch nicht... Ja, hier könnten sich die ÖBB noch etwas abgucken.

badat
00
25.1.2011, 21:38
Keine Bankomat- und Kreditkarten aus AT?

Das ist seltsam - ich habe schon bei diversen Nah- und Fernverkehrsautomaten in Frankreich (SNCF, TER, diverse städtische Verkehrsbetriebe) problemlos mit einer österreichischen Bankomatkarte gezahlt. Allerdings gibt es da anfangs eine Hemmschwelle, da auf vielen dieser Automaten kein Maestro- oder sonstiges -symbol draufsteht.
Mit den RER-Automaten bin ich allerdings auch einmal ausgezuckt - ich hatte ein Netzticket für Paris und wollte nach Versailles, konnte aber am Gare du Nord kein Ticket von Issy Val de Seine nach Versailles kaufen. Bin dann aus Trotz an der Zonengrenze ausgstiegen, hab dort das Ticket nach Versailles gekauft und bin weitergefahren - ist bei den dortigen Intervallen zum Glück kein Problem...

christian p.
01
25.1.2011, 17:32

Sorry, aber in Zeiten von on screen displays sollte ein Unternehmen wie die ÖBB wohl in der Lage sein bessere Lösungen anzubieten.
DIe Automaten sind von der Software und der Bedienung ein einziger Albtraum!

Yossarian
01
25.1.2011, 18:01
Die Schweizer SBB haben dieselben Automaten

und dort ist die Software noch gewöhnungsbedürftiger.

badat
00
25.1.2011, 21:41

Wenn ich mich richtig erinnere, sind bei den SBB-Automaten allerdings die Buchstabentasten größer. Bei den kleinen Tasten der ÖBB-Automaten reicht die statische Aufladung eines Finges manchmal schon aus, um im Landeanflug auf die gewünschte Schaltfläche ihren Nachbarn zu aktivieren...

Esstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient
02
25.1.2011, 15:17
Äpfel = Birnen = Nachteil für Alle

Die ÖBB vermischen da was: Wenn ich ab dem Westbahnhof in der 1. Klasse sitze, aber bis zur Stadtgrenze nur ein 2.Klasse-Ticket (Verbund-Kernzonenticket für Wien) habe, dann fahre ich bis zur Stadtgrenze schlichtwegs ohne gültiges Ticket für die 1.Klasse und muss zumindest aufzahlen. Sollte sonnenklar sein und vom Bahnpersonal selbstverständlich eingefordert werden.
In der 2.Klasse habe ich mit einem Bim-Fahrschein hingegen bis zur Stadtgrenze sehr wohl eine gültige Fahrkarte. Selbst abgesehen von Fernverkehrszügen bleibt für den Regionalverkehr die Tatsache bestehen, dass Züge seit Jahrzehnten (und hoffentlich weiterhin!) im Tarif-Verbundsystem fahren und berechtigterweise Tickets ab der Stadtgrenze am meisten nachgefragt werden.

Ruskij
03
25.1.2011, 15:55

Dafür, dass ein 1.Klasse-Passagier ohnehin deutlich mehr bezahlt als einer in der 2. Klasse, sollte es eigentlich egal sein, ob er die ersten paar Kilometer mit dem Bim-Ticket fährt.
Das würde ich einmal als Kundenfreundlichkeit einstufen.

tippex
00
25.1.2011, 18:41

Sehe ich auch so. Den angeblichen "Verlust", der daher kommen soll, dass jemand bis zur Stadtgrenze mit einer Karte für die 2. Klasse fährt, kann ich auch nicht wirklich glauben. Wenn sich der Fahrgast an der Stadtgrenze von der 2. in die 1. Klasse umsetzt, ändert das an der budgetären Situation der ÖBB nämlich gar nichts.

Esstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient
12
25.1.2011, 16:41

Teilweise d´accord. Allerdings wäre die korrektere und gleichzeitig einfachere Lösung, die überteuerten 1.Klasse-Preise wieder generell auf ein normales Maß zu bringen. In der aktuellen Diskussion wird übersehen, dass unter Draxler in den 90er Jahren ein ca. 4 Euro-Grundpreis aufgeschlagen wurde, der besonders Kurzstrecken abschreckend teuer macht, und vor etwa 2 Jahren wurde - praktisch unkommentiert von der Öffentlichkeit - der 1.Klasse Preis von international üblichen 1,5-Fachen auf das 1,75-Fache des 2.Klasse-Tarifs erhöht.

Gernot Ziegler
 
01
25.1.2011, 14:55

Was mich auch ärgert:
a) Wenn man z.b. vom Gasometer nach Korneuburg mit Vorteilscard fahren will, kann man nicht direkt beim Gasometer ein Ticket kaufen, sondern muss erst einen ÖBB-Fahrkartenautomaten im Erdgeschoss von Wien Mitte finden.

b) Selbst als es "Ab Stadtgrenze" gab, hat man immer den genauen Grenzbahnhof kennen müssen - das kann ja wohl nicht so schwer sein einen Standardwert vorzugeben?

Quim Barreiros
00
25.1.2011, 20:10

Jein. Für Korneuburg ginge es, aber zB nach Krems kann man sowohl über die Nordwestbahn als auch über die Franz-Josefs-Bahn fahren.

Andererseits könnte man ja einen Bahnhof vorgeben und wer über einen unüblichen Weg fährt, muss das dann halt in einem Extra-Schritt ändern.

Thank God I'm A Country Boy
03
25.1.2011, 14:35

ich bin ja immer noch baff.. wegen den 5 Minuten, die ein paar Hanseln, die erste Klasse fahren und ein Öffiticket haben, zu lange in der ersten Klasse sitzen, machen sie für alle anderen die Bedienung der Automaten unbequemer?
Das ist immer noch bloße Schikane und Hoffnung auf ein bissi mehr Geld, weil die Leute zu faul/zu sehr in Eile/zu unwissend sind um die Stadtgrenze händisch einzutippen.

Die Ausrede hätten sichs sparen können, dann wärs wenigstens ehrlich gewesen.

01052004
01
25.1.2011, 14:25
soso

der herr kern soll seine "kunden-zuerst-initiative" nicht nur vollmundig anpreisen, sondern umsetzen!!!

oder die öbb als reine immo-firma (ohne subventionen) führen, und den bahnbetrieb ins totale aus schicken...

dann gäbe es nur mehr einen ärger: dauerstau...

Woifi Tlana
06
25.1.2011, 14:16
Als ich zu Weihnachten vom Westbahnhof aus

zu meiner Familie nach Hause fahren wollte, vermisste ich ebenfalls den Button "Ab Stadtgrenze". Daraufhin wollte ich "PURKERSDORF" eingeben. Ein freundlicher Herr der ÖBB wies mich aber daraufhin, mit Purkersdorf ist die Bushaltestelle gemeint, ich müsse doch bitte "PURKERSDORF-SANATORIUM" eingeben, da ich sonst Strafe zahlen müsse.
Wenn ich (30 Jahre) schon Schwierigkeiten bei der Bedienung habe, wie geht es dann erst Pensionisten bzw. Kunden die selten mit der ÖBB fahren.

Shelby
00
25.1.2011, 13:56

Mit der ÖBB und der Kundenfreundlichkeit der Bahn wird es erst wieder besser werden, wenn dort leidenschaftliche Bahnfahrer an der Spitze sitzen.
Zur Zeit werden die "Chefs" viel zu oft ausgetauscht und Bahnwissen oder gar -leidenschaft scheint kein Kriterium zu sein. Um Verantwortung für die Entscheidung übernehmen zu müssen sind sie viel zu kurz im Amt.

alecs garwin
00
25.1.2011, 13:35
Theimer hat völlig recht

das kaufen eines tickets "ab stadtgrenze" ist ohne diesen button NOCH umständlicher als vorher. als es noch die "analogen" automaten gab, ging das überhaupt viel schneller. seitdem sind die tickets teurer geworden und der prozess des erwerbs umständlicher.

metalwoman
41
25.1.2011, 11:37

Welche Leute fahren denn wirklich mit der 1.Klasse?
In diesen Waggons ist so gut wie immer gähnende Leere. VIPs werden sowieso vom Chauffeur mit dem Auto gefahren? Wozu braucht man zwei Klassen?
Ist wohl ein Überbleibsel aus der K&K Zeit.

Shoe Shine Pad
13
25.1.2011, 12:38
ich

Mit der Vorteilscard ist das günstig. Mehr Platz hat man und bequemer ist es.

Der kleine Lord
26
25.1.2011, 12:04
Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr

Die 1. Klasse ist durchaus gut besucht

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